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Die Kritik an Fast Fashion nimmt zu © Mitja Kobal/Greenpeace

Drängen auf MaßnahmenGreenpeace-Konsumexpertin Lisa Panhuber (l.) und AK-Konsumforscherin Nina Tröger fordern ein Umdenken – bei den Konsumenten, den Händlern und der Politik.

© Mitja Kobal/Greenpeace

Drängen auf MaßnahmenGreenpeace-Konsumexpertin Lisa Panhuber (l.) und AK-Konsumforscherin Nina Tröger fordern ein Umdenken – bei den Konsumenten, den Händlern und der Politik.

Redaktion 20.01.2023

Die Kritik an Fast Fashion nimmt zu

Nur drei Prozent werden recycelt – Greenpeace und AK fordern Lieferkettengesetze und ein Vernichtungsverbot.

WIEN. Die Österreicher tragen rund die Hälfte ihrer Kleidung nur gelegentlich bis gar nicht; mehr als ein Viertel, mindestens 185 Mio. Kleidungsstücke, hängen fast ungenutzt in Österreichs Kleiderschränken – zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage (n=1.506, Institut Integral) von Greenpeace und Wiener Arbeiterkammer.

„Die Fast Fashion-Industrie heizt die Klimakrise an, verschmutzt Flüsse und Meere und ist für untragbare Arbeitsbedingungen für Millionen von Menschen verantwortlich”, analysiert Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich – und plädiert angesichts einer Recyclingquote von nur drei Prozent für politische Maßnahmen.

Ruf nach passenden Gesetzen

„Die verantwortlichen Konzernchefs und Politikerinnen und Politiker müssen diesen Wahnsinn stoppen und die Modeindustrie auf neue Beine stellen. In einer klimaverträglichen Welt kaufen wir nicht Wegwerfkleidung, sondern können in vielen Geschäften Secondhand-Kleidung kaufen, Mode ausleihen, tauschen und reparieren. Dafür braucht es die passenden Gesetze”, führt Panhuber im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz von Greenpeace und AK Wien aus.

Breite Zustimmung

„Das Bewusstsein und die Bereitschaft der Menschen zum nachhaltigeren Konsum allein werden nicht ausreichen. Der hohe Preis von fairer Mode, das geringe Angebot von Secondhand, Reparatur und Tauschmöglichkeiten und der soziale Druck durch ständige Werbung von neuen Trends spielen eine entscheidende Rolle. Gesetzliche Mindeststandards, Grenzen für Fast Fashion und staatliche Förderung alternativer Konsummöglichkeiten sind dringend nötig – und finden unter den Befragten breite Zustimmung”, so Nina Tröger, AK KonsumentInnenpolitik. 91% der Befragten fordern demnach ein Lieferkettengesetz, 86% ein Vernichtungsverbot für Neuware.

Inkonsequente Konsumenten

Vier Fünftel der Befragten stimmten der Aussage zu, die Umwelt werde durch Kleiderüberproduktion massiv belastet (86%) und Fast Fashion sei ein großes Übel (81%). „In einer klimaverträglichen Welt kaufen wir nicht Wegwerfkleidung, sondern können in vielen Geschäften Secondhand-Kleidung kaufen, Mode ausleihen und reparieren”, meint Panhuber. 20% der weltweiten Wasserverschmutzung gingen auf die Textilindustrie zurück.

Laut Erhebung kauft jeder Zweite bei großen Modeketten oder in Online-Shops. Für die meisten ist zwar nach Eigenauskunft lang tragbare und funktionelle Kleidung wichtig. Doch die Realität sehe anders aus, da sei vor allem der günstige Preis ausschlaggebend – vor allem aufgrund der derzeit herrschenden Teuerung. Tröger: „Obwohl den Konsumentinnen und Konsumenten die Schattenseiten der Modebranche bewusst sind, sind oft ein günstiger Preis und Bequemlichkeit, Stichwort Online-Shoppen, bestimmend.”
Neben einem Umdenken bei Konsumenten und Händlern sowie einem raschen Gesetzesentwurf fordern Tröger und Panhuber außerdem eine Art Reparaturbonus für Kleidung. (red)

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