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Europaweite Supermarkt-Abfrage: Handel verschweigt Plastikmüllproblem © Armin Rudelstorfer / Greenpeace
© Armin Rudelstorfer / Greenpeace

Redaktion 01.06.2022

Europaweite Supermarkt-Abfrage: Handel verschweigt Plastikmüllproblem

WIEN. Unter der Leitung der Changing Markets Foundation hat eine Allianz aus 20 Organisationen, darunter Greenpeace Österreich und Global 2000, 130 Supermarktketten in 13 europäischen Ländern zu ihrem Umgang mit Plastikverpackungen befragt.
Die Analyse-Ergebnisse sind ernüchternd: Zwei Drittel der befragten Supermärkte hielten jegliche Daten zurück. Am besten punkten konnte der Lebensmittelhandel im Vereinigten Königreich. Laut entsprechenden Daten haben die Supermärkte im Jahr 2019 dort 896.853 t Plastik in Umlauf gebracht. Im Vergleich zum Jahr 2018 konnten zwei Prozent an Plastikverpackungen, so viel wie etwa 850 Lkws voll Müll, reduziert werden. Die Supermärkte in Österreich landen im hinteren Mittelfeld: Hofer, Lidl, Rewe und Spar gaben keine Daten bekannt, wie viel Plastikmüll sie jährlich in den Handel bringen und verwiesen lediglich auf "nicht nachvollziehbare Reduktions- und Recyclingziele bis 2025“, wie es in der Aussendung der beiden NGOs heißt. Zu den Letztplatzierten zählen zum Beispiel Supermärkte in Estland, Frankreich und Tschechien, die gar keine Ziele zur Plastikreduktion nennen konnten. Greenpeace und Global 2000 fordern die Supermärkte in Österreich auf, die von ihnen verursachte Plastikmüllmenge transparent zu machen. Zudem brauche es klare Maßnahmen, um Einwegplastikverpackungen bis 2025 um 20% zu reduzieren.

“Die Supermärkte haben eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Plastikflut. Zwei Drittel der Plastikverpackungen in Europa werden dafür verwendet, um Nahrungsmittel abzupacken und Getränkeverpackungen zu produzieren. Der Großteil davon landet in den Supermarktregalen. Die heutige Analyse zeigt, dass die Supermärkte in Österreich lieber verschweigen, wie viel Plastik sie jedes Jahr in Umlauf bringen. Wie soll man jedoch ohne diese Zahlen beurteilen, ob sie ihre vagen Reduktionsziele überhaupt erreichen? Fest steht: Umweltfreundliche Mehrweg- und Abfüllsysteme muss man weiterhin mit der Lupe suchen. Das muss sich rasch ändern”, sagt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich. Nur rund ein Drittel der europaweit befragten Märkte hat Anworten geliefert, nur sechs von ihnen mit aussagekräftigen Daten zu Plastikverpackungen. Aldi Süd im Vereinigten Königreich etwa will bis 2025 den Plastikfußabdruck um 50% reduzieren, Lidl im Vereinigten Königreich bis 2022 um 20%. Der französische Supermarkt Biocoop will bei Eigenmarken bis 2023 alle Glasverpackungen in Mehrweg anbieten. Die Befragung fand zwischen Juni und Dezember 2021 statt.

“Um das Plastikproblem an der Wurzel zu packen, müssen Supermärkte und Produzenten Einwegverpackungen endlich radikal reduzieren. Gleichzeitig braucht es den Umstieg auf Mehrweg- und Abfüllsysteme. Auch die Regierung trägt hier die Verantwortung, einen verbindlichen Maßnahmenplan umzusetzen. Nur so kann das Ziel einer 20prozentigen Reduktion von Plastikverpackungen bis 2025 erreicht werden”, sagt Anna Leitner, Ressourcensprecherin bei Global 2000. In Österreich hat nur Lidl die Verpackungsmenge bei Eigenmarkenprodukten genannt, aber eine Veröffentlichung untersagt. Greenpeace und Global 2000 fordern, dass die Supermärkte in Österreich sich am Handel im Vereinigten Königreich ein Beispiel nehmen und die Verpackungsdaten veröffentlichen.

Der einzige Lichtblick in Österreich sei, "dass sich Lidl, Hofer und Rewe mittlerweile öffentlich für ein Pfandsystem ausgesprochen" hätten. In vielen anderen Ländern würden die Supermärkte weiterhin Pfandgesetze und verbindliche Vorgaben zur Plastikreduktion blockieren. Doch auch in Österreich sei das gesetzliche Ziel, bis 2025 den Plastikfußabdruck um 20% zu reduzieren, bisher „zahnlos". Damit es nicht bei einem leeren Versprechen bleibe, müssten die Supermärkte jetzt konkrete und verbindliche Maßnahmen präsentieren, wie dieses Ziel erreicht wird, so Global 2000 und Greenpeace. Recycling sei dabei oft eine Scheinlösung, denn 60% der leichten Plastikverpackungen wie Folien und Sackerl sind laut einer Analyse der Ellen MacArthur Foundation überhaupt nicht recycelbar. Sogar bei den eigentlich recycelbaren PET-Flaschen werden in Österreich in der Praxis nur etwa 45% recycelt. (red)

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