RETAIL
Fruchtbarer Boden für den fairen Handel © Eric St-Pierre
© Eric St-Pierre

Eva Kaiserseder 25.05.2018

Fruchtbarer Boden für den fairen Handel

25 Jahre Fairtrade werden mit dem besten Ergebnis seit Gründung gekrönt. Umsatztreiber sind Banane und Kakao, Gastro wächst solide.

••• Von Eva Kaiserseder

Als Fairtrade vor 25 Jahren in Österreich gegründet wurde, war das Ganze noch durchaus „ein Nischenprogramm für ein paar Weltverbesserer”, wie Geschäftsführer Hartwig Kirner verschmitzt zugibt.

Er hat gut lachen, denn Fairtrade steht anno 2018 auf mehr als festem Grund: „Wenn Sie mich fragen, wo wir überall gelistet sind, dann würde ich sagen, ich tue mich leichter aufzuzählen, wo wir nicht gelistet sind”, so Kirner, der seit mittlerweile elf Jahren das heimische Fairtrade-Aushängeschild ist und einst selbst in seinem niederösterreichischen Heimatort einen Weltladen mitgegründet hat.

Household-Name

Und der österreichische Markt ist für den fairen Handel ein wahrlich fruchtbarer Boden – allein 92% der Österreicher kennen das Fairtrade-Siegel. Im Schnitt gab im vergangenen Jahr jeder Österreicher geschätzt rund 34 € für Fairtrade-Produkte aus. Österreich liegt bei den Pro-Kopf-Ausgaben auf Platz 5. Gerade in den letzten drei Jahren gab es eine extreme Dynamik, 2017 war überhaupt ein ausnehmend gutes Jahr, die 300 Mio. €-Umsatzschwelle wurde um 4 Mio. überboten und ein Plus von satten 13 Prozent geholt. Und das, obwohl man sortimentsmäßig nicht in die Breite ging, sondern nur den Absatz der schon bestehenden Produktgruppen gesteigert hat. „Die Krönung zum 25-Jahr-Jubiläum”, freut sich Kirner, dem Durststrecken auf dem Weg zum Household-Namen durchaus nicht fremd sind.

Ein klassisches Fairtrade-Produkt, wo der Plafond im LEH durchaus schon erreicht schien, legte 2017 nochmals deutlich zu: Bananen, die mit einem satten Wachstum von 12,5 Prozent und 23.222 t kräftig aufzeigen konnten.
Ein deutliches Absatzplus gab es außerdem beim Kakao, der hauptsächlich in die Süßwarenproduktion geht: „Das war sicherlich einer der Umsatztreiber der letzten Jahre”, so Kirner. Rund 2.535 t Fairtrade-Kakaobohnen (+11,6 Prozent) wurden 2017 eingekauft, renommierte Marken wie Heindl, Manner oder Heidi Schokolade/Schwedenbomben setzen mittlerweile auf Fairtrade. Das Potenzial ist also gegeben, das Interesse der Hersteller eindeutig. Nur konsequent, das Kirner in den kommenden zwei Jahren das Geschäft mit den Kakaobohnen noch einmal ordentlich vorantreiben will. Dabei zählt das 2014 entwickelte Kakaoprogramm naturgemäß zu den Lieblingsprojekten des Fairtrade-Chefs: „Damit war es möglich, den Herstellern eine ganz neue Tür zu öffnen. Haben wir früher das Siegel nur dann vergeben, wenn 100 Prozent Fairtrade-Zutaten enthalten waren, ist es jetzt möglich, den im klassischen Mischprodukt Schokolade enthaltenen Kakao zu zertifizieren und andere Zutaten, wie etwa Zucker, aus Österreich zu beziehen. Das haben sich viele Erzeuger gewünscht. Das Produkt wird dann mit einem eigenen Programmsiegel zertifiziert.”

Kaffee als Fundament

Begonnen hat man anno 1993 übrigens mit einem einzigen Produkt, nämlich Kaffee. „Damals sind die Kaffeepreise ja dramatisch eingebrochen, die Bauern bekamen nur mehr einen Bruchteil der früheren Bezahlung. Das war ein wesentlicher Mitgrund, Fairtrade ins Leben zu rufen. Der Handlungsbedarf war dringend gegeben”, erzählt Kirner von den Anfängen in Österreich. Rohkaffee ist auch heute noch, 25 Jahre nach der Gründung, mit 13 Prozent am Gesamtumsatz ein wichtiger Sortimentsbestandteil – vor allem in der Gastronomie, die ein Drittel des Kaffee- &Heißgetränkeumsatzes erlöst: „Natürlich sind der LEH und Drogeriemärkte die wichtigste Vertriebsschiene mit 76 Prozent Umsatzanteil, aber Gastro und Außer-Haus- Konsum werden zunehmend wichtig, auch, weil Fairtrade für die Gastronomen ein interessantes Differenzierungsmerkmal ist”, so Kirner. Trotz des noch geringen Anteils von sieben Prozent am Umsatzkuchen zeigt er sich mit der Entwicklung zufrieden. Einen Coup landete man erst kürzlich: Das Catering der ÖBB wurde bei Kaffee&Co. gänzlich auf Fairtrade umgestellt.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema