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Grauzone Krim-Sanktionen - Metro im Zwielicht? © Metro
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Redaktion 22.09.2016

Grauzone Krim-Sanktionen - Metro im Zwielicht?

Umgeht Metro die EU-Sanktionen gegen Russland?

MOSKAU. Russland ist ein wichtiger Markt für Metro, der Konzern betreibt dort 87 Großmärkte. Doch die EU-Sanktionen gegen das Land untersagen Firmen mit Sitz in der EU noch immer, Geschäfte zu machen. Insider berichten nun, dass sich in Märkten der Handelsriesen Metro und Auchan auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim Produkte im Angebot befänden, die über einen Fährdienst angeliefert werden. Die mit der Beförderung der Waren vertrauten Insider legen damit nahe, dass Metro und ihr französischer Konkurrent die gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise erlassenen EU-Sanktionen umgehen.

In Märkten der beiden Ketten auf der Krim finden sich zudem auch Eigenmarken-Produkte. Den Insidern zufolge gelangen Güter mit einer Fähre über den Hafen von Kertsch auf die Halbinsel. Beide Handelskonzerne erklären, sie würden nicht gegen die Sanktionen verstoßen. Rechtsexperten argumentieren, die Sanktionen seien weit gefasst und in den Grenzbereichen unscharf. Dies gelte etwa auch für den Transport von Gütern auf die Krim. Es sei schwer, genaue Verbindungen zwischen Konzernen und Auftragnehmern zu definieren.

Russische Tochtergesellschaften, argumentieren die Händler, unterlägen nicht den EU-Sanktionen. Ein Metro-Sprecher betonte, die zwei Märkte auf der Krim würden von russischen Gesellschaften betrieben, die nicht unter die Handelsbeschränkungen fielen. Metro halte sich an die Regelungen der Europäischen Union; auch ein Auchan-Sprecher - die Franzosen betreiben einen Markt auf der Krim - betonte dies.

Ein EU-Vertreter in Brüssel konnte dem nicht ganz folgen, denn das Vorgehen stimmt aus seiner Sicht "nicht mit dem Geist der Sanktionen überein". Die EU-Kommission verweist dagegen auf Anfragen zu den Praktiken auf die Mitgliedsstaaten - diese seien für die Umsetzung der Strafmaßnahmen zuständig. Das deutsche Wirtschaftsministerium in Berlin erklärte, ihm lägen keine Informationen zu dem Vorgang vor. Bei Verstößen gegen die Sanktionen gebe es aber Strafen. In der Bundesrepublik sei es Sache des Zollkriminalamts, einen Verstoß gegen Sanktionen zu ermitteln. Die Behörde wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Die gegen Russland verhängten EU-Sanktionen zielen nicht darauf ab, Geschäfte mit der Krim zu unterbinden. Sie richten sich gegen einzelne Personen und Unternehmen - so etwa die Fährgesellschaft sowie den Hafen von Kertsch. Diese tragen dazu bei, die Krim von Russland aus zu versorgen.

Mitarbeitern mehrerer Transportfirmen und auch Insidern in den russischen Metro- und Auchan-Gesellschaften zufolge werden Güter von Speditionen in den Verteilzentren der beiden Händler in Russland verladen. Diese würden dann über die Fähre auf die Krim transportiert, die Laster rollten in Kertsch von Bord und lieferten die Waren in den Metro- und Auchan-Märkten auf der Halbinsel aus. Reuters hat keine Beweise für Zahlungen der beiden Handelskonzerne an die Fähr- oder Hafengesellschaft.

Die Güter werden von Dienstleistern transportiert, die Märkte auf der Krim werden von in Russland registrierten Einheiten und nicht von den europäischen Konzernmüttern betrieben. Bei Metro heißen diese "Retail Property 5" (RP5) und "Retail Property 6 (RP6)". Die meisten Waren, die die beiden Metro-Märkte verkauften - auch die Metro-Eigenmarken - stammten aus russischen Quellen, sagte ein Sprecher. Diese unterliegen nicht den Sanktionen. Eine Reuters-Reporterin, die im August den Metro-Markt in Simferopol auf der Krim besuchte, berichtete aber, in den Regalen fänden sich etwa Reis aus Italien oder in der EU hergestellte Schokolade. Auch diese könnten den Markt über Fähre und Hafen erreicht haben. Transportfirmen seien angewiesen, keine von Sanktionen betroffenen Unternehmen zu nutzen, schrieb der RP6-Chef in einer Mail. Wie er dies durchsetzt, ließ er aber offen.

Metro-Chef Olaf Koch hatte bereits geplant, einen Anteil des Geschäfts an die Börse zu bringen - die Ukraine-Krise hatte ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der französische Handelskonzern Auchan beschäftigt in Russland rund 41.000 Menschen, er betreibt dort unter anderem 91 Großmärkte. Insgesamt ist Auchan in 16 Ländern vertreten, die Franzosen fuhren zuletzt einen Jahresumsatz von rund 54,2 Mrd. € ein. (APA/Reuters)

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