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Gutschi: „Heute machen, was morgen fliegt” © Katharina Schiffl
© Katharina Schiffl

Redaktion 18.10.2019

Gutschi: „Heute machen, was morgen fliegt”

Unito-Chef Harald Gutschi (r.) und Michael Cassau (Grover) setzen mit „Mieten statt Kaufen” den Megatrend.

••• Von Christian Novacek

Die Zeit ist reif: Bereits seit Ende März bietet Otto Österreich über das Berliner Start-up Grover ausgewählte Unterhaltungselektronik zur Miete an. Der Markt zieht an, das Potenzial wächst, das Konzept bringt Wachstum. Konkret sind es bei Otto bis dato 100.000 umgesetzte Euro. Die Erwartungshaltung ist bei Geschäftsführer Harald Gutschi aber höher gelagert: „Diese 100.000 Euro in sechs Monaten entsprechen einer Testphase. Für das kommende Jahr streben wir ein bis zwei Millionen Euro an.”

Dieser Erlös würde dann, so spekuliert man bei Otto, über eine neue Zielgruppe generiert. „Unsere typischen Kunden sind so um die 40 Jahre alt”, führt Gutschi aus, „mit dem neuen Mietangebot sprechen wir aber hauptsächlich junge, urbane, männliche Käufer an.”

Der Trend der Zeit

Speziell in der jungen Generation sei das Umdenken greifbar: Es gehe weniger ums Besitzen als um die flexible Nutzung der neuesten Technik. Das Paradebeispiel lautet naturgemäß auf Smart- bzw. iPhone. Dabei sein, ohne jährlich den bekannt üppigen Vollpreis zu berappen, ist hier eine zeitgemäße Option. Speziell gegenüber der klassischen Finanzierung dünkt die Miete unkompliziert. So kostet etwa die Miete des iPhone Xs Max zum Neupreis von 1.229,99 € bei einer Mindestmietdauer von zwölf Monaten 59,90 € pro Monat – kein Schnäppchen, aber ein faires Angebot für jene, die gern das Neueste wollen.

Der Markt scheint den Trend zur Sharing Economy zu bestätigen: Bei Grover geht deren Gründer und CEO Michael Cassau von einer jährlichen Vervierfachung des Mietgeschäfts aus. „Mieten lohnt sich, insbesondere bei Technik, denn der eigene Bedarf wechselt meist schneller als der Lebenszyklus eines Geräts andauert”, ist Cassau überzeugt.
Zur Auswahl stehen dem Nutzer Mindest-Mietlaufzeiten von 1, 3, 6 oder 12 Monaten. Nach der Miete kann das Mietobjekt retourniert oder gekauft werden. Bei Handy & Co dürfte das Zurückschicken unkompliziert ausfallen – allerdings verkauft Otto auch eine Menge Waschmaschinen. Wie ist da dann der Plan? „Die Kunden machen den Trend”, gibt sich Gutschi pragmatisch, „und natürlich würde Otto auch gern mal Waschmaschinen vermieten.” Derzeit hat das Angebot aber noch den starken Fokus auf den Bereich Unterhaltungselektronik.
Dass Mieten statt Kaufen ein Megatrend ist, steht für den Unito-Chef außer Zweifel: „Das wird das Einkaufsverhalten grundlegend verändern, eine Revolution im Verbraucherverhalten wie sie zuletzt Streamingdienste wie Netflix absolvierten.” Otto will den Markt erweitern und begrüßt im Kontext durchaus auch Mitbewerber im Geschäftsfeld. Denn der größte Konkurrent des Miettrends ist schlicht und einfach ein starrer Status quo im Einkaufsverhalten – Gutschi spricht hier vom „Erfahrungs­gefängnis”.

Expansion wahrscheinlich

Für Grover – das Start-up existiert in Deutschland seit 2015 – ist Otto derzeit die einzige Kooperation in Österreich. Welche Dimension möglich ist, zeigt der aktuelle Vergleich: In Österreich hat Grover mit Otto rd. 300 Artikel im Programm, in Deutschland sind es 2.000. Dazu trägt wesentlich eine weitere Kooperation mit Mediamarkt Saturn bei, die hierzulande möglich, aber nicht aktuell ist. „Prinzipiell sind wir für Partnerschaften aber offen”, sagt dazu Cassau. Ein nächster, expansiver Schritt hierzulande ist die Vermietung von E-Scootern: Ab Oktober bietet Grover über seine eigene österreichische Plattform E-Scooter der Marke Xiaomi zur Miete an; ein E-Scooter-Mietangebot von Otto Österreich und Grover soll folgen. So will man zusammen für etwas Ordnung auf den Wegen sorgen. Die Vorteile für den Einzelnen: Keine Freischaltgebühren, keine Suche, keine Minutenpreise.

Conclusio der beiden Mietpioniere Gutschi und Cassau: „Man muss heute machen, was morgen fliegt!”

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