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Handelsverband fordert kostenfreie, staatlich finanzierte Tests für Handelsmitarbeiter © medianet/Katharina Schiffl

Rainer Will, Handelsverband.

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Rainer Will, Handelsverband.

Redaktion 12.10.2020

Handelsverband fordert kostenfreie, staatlich finanzierte Tests für Handelsmitarbeiter

Bundesweit einheitliches Vorgehen bei Erlass von Absonderungsbescheiden notwendig; Entgeltfortzahlung der Arbeitgeber für Mitarbeiter in "Quarantäne" große Belastung.

WIEN. Die Coronakrise hat massive Auswirkungen auf den österreichischen Handel. 2020 werden die privaten Konsumausgaben voraussichtlich um mindestens 16 Mrd. € einbrechen. 50.000 der insgesamt 335.000 Beschäftigungsverhältnisse im heimischen Einzelhandel sind akut gefährdet, im Kfz- und Großhandel (265.000 Beschäftigte) sieht die Lage ähnlich dramatisch aus.

Vor diesem Hintergrund fordert der Handelsverband kostenfreie Covid-19-Tests mit raschen Ergebnissen binnen max. 24 Stunden für Beschäftigte von Handelsbetrieben im Verdachtsfall. Für Mitarbeiter von gewerblichen Gastronomiebetrieben ist dies bereits seit 1. September 2020 möglich. Die derzeitige Ungleichbehandlung der beiden mitarbeiterintensiven Branchen ist nicht nachvollziehbar.

"Der stationäre Handel muss sich für den Winter warm anziehen, 50.000 Jobs stehen auf dem Spiel. Zur Absicherung dieser Beschäftigungsverhältnisse braucht es jetzt dringend staatliche Unterstützung in Form von Corona-Schnelltests für Verdachtsfälle in der Belegschaft. Die Kosten dafür sollten gänzlich vom Staat getragen werden, um die beschäftigungsintensive Branche zu entlasten", empfiehlt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

In den skandinavischen Ländern Schweden, Dänemark und Finnland sind kostenfreie Covid-Tests für Handelsmitarbeiter längst Usus, ebenso in Kanada. In Österreich wiederum hat sich das Angebot zumindest in der Gastronomie bewährt, daher sollte es jetzt dringend auch auf den Handel ausgeweitet werden. "Damit schaffen wir nicht nur mehr Sicherheit für die Verbraucher und die Beschäftigten, wir sichern auch den Arbeitsplatz Österreich ab“, ist Handelssprecher Rainer Will überzeugt.

Absonderungsbescheid als Voraussetzung für Verdienstentgangsentschädigung
Neben der Bereitstellung von Covid-Tests fordert der Handelsverband auch effektive Verbesserungen sowie bundesweit einheitliche Herangehensweisen seitens der Gesundheitsbehörden im Umgang mit Corona-Verdachtsfällen bzw. Corona-positiven Fällen. Zurzeit berichten etwa Händler aus Wien, dass sie oftmals unterschiedliche behördliche Auskünfte zu identischen Fällen erhalten und zu restriktiv mit Testungen umgegangen wird; zudem beträgt die Wartezeit bis zum Erhalt von Testergebnissen oft bis zu sieben Tage.

In anderen Bundesländern, etwa Kärnten, gehen die Behörden strikter vor und testen Beschäftigte im Falle eines Kontakts mit Covid-19 positiven Kunden umgehend. Auch wird sofort ein Absonderungsbescheid bis zum Vorliegen des Testergebnisses erlassen. Auch in Niederösterreich wird bei Covid-19- Verdachtsfällen ein vorläufiger Absonderungsbescheid bis zum negativen Testergebnis erlassen, der den Dienstgeber zur Geltendmachung einer Verdienstentgangsentschädigung berechtigt.

"Angesichts steigender Corona-Fallzahlen in der Bundeshauptstadt und der bevorstehenden Grippe-Saison müssen die bestehenden Unklarheiten und Unsicherheiten ehestmöglich beseitigt werden, damit wir Klarheit in der Vorgangsweise für die kalte Jahreszeit haben. Insbesondere für kleine und mittelständische Händler ist die derzeitige Situation völlig unzumutbar. Der Erlass eines vorläufigen Absonderungsbescheids bis zum Erhalt des Testergebnisses hat umgehend zu erfolgen, damit kein Dienstgeber für die Kosten der Mitarbeiterfreistellung aufkommen muss", so Will abschließend. (red)

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