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Hausmann stellt Insolvenzantrag © APA / Erwin Scheriau

Die Zahlungsunfähigkeit des Haushaltsgroßhändlers – am Bild das Haupthaus in Bruck an der Mur – ist die größte Insolvenz in der Steiermark seit Jahresbeginn und betrifft 250 Dienstnehmer.

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Die Zahlungsunfähigkeit des Haushaltsgroßhändlers – am Bild das Haupthaus in Bruck an der Mur – ist die größte Insolvenz in der Steiermark seit Jahresbeginn und betrifft 250 Dienstnehmer.

Redaktion 26.08.2022

Hausmann stellt Insolvenzantrag

Überschuldung des obersteirischen Großhändlers beläuft sich auf neun Mio. Euro – Sanierung ist geplant.

BRUCK A. D. MUR. Die A. Hausmann GmbH aus Bruck an der Mur ist insolvent. Rund 250 Dienstnehmer des Großhandelsunternehmens aus Bruck an der Mur sind betroffen. Wie die Kreditschützer am Montag mitteilten, belaufen sich die Passiva auf 26,2 Mio. €, die Aktiva auf 17,2 Mio. € nach Buchwert. Die Überschuldung beträgt somit rund neun Mio. €.

Laut Georg Ebner vom Gläubigerschutzverband KSV1870 handelt es sich um die größte Insolvenz der Steiermark seit Jahresbeginn – eine Sanierung ist indes geplant.

Hoffen auf Schulstartgeschäft

Das 1946 gegründete Unternehmen betreibt den Handel mit Textilien, Leder-, Papier-, Geschirr-, Haushalts- und Spielwaren, hinzu kommen diverse Beteiligungen an anderen Unternehmen. Im Sanierungsverfahren werde wohl zu entscheiden sein, ob diese verwertet werden, heißt es seitens des KSV1870. Die Firma hält auch diverse Markenrechte.

Angedacht wird ein Sanierungsplan, der vor allen mit den Einnahmen aus dem Verkauf bei Schulbeginn – die stärkste Zeit der Saison – finanziert werden soll. Aus dem Cashflow dieses Schulstartgeschäfts soll der Fortbetrieb ermöglicht werden, Restrukturierungsmaßnahmen seien ebenfalls nötig.

Ein Opfer der Pandemie

Neben den knapp 250 Angestellten sind auch gut 450 Gläubiger sowie die sechs Filialen in Bruck, Wiener Neudorf, Klagenfurt, Villach, Seiersberg, Bergheim und der Versandhandel Freistadt betroffen.

Die Ursachen der Insolvenz seien laut der Firma unter anderem in den Auswirkungen der Coronamaßnahmen zu sehen. Ein Flächenhandel war über Monate nicht möglich, und so hätten sich die Einkaufsgewohnheiten der Kunden geändert. Der stationäre Handel sei von den geänderten Rahmenbedingungen besonders betroffen. Hinzu kamen Lieferprobleme und Ausfälle saisonaler Waren. Steigende Transportkosten hätten ihr übriges getan, wie es in der Aussendung des KSV1870 heißt.

Standort Freistadt ist zentral

Angedacht ist ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20%, zahlbar innerhalb von zwei Jahren ab Sanierungsplanannahme. Im ersten Schritt sollen die Lagerbestände an den sogenannten Cash+Carry-Standorten reduziert werden; hierfür seien Rabatt-Aktionen geplant, hieß es Montagnachmittag in einer Aussendung des Unternehmens. Ein wesentlicher Teil des Sanierungsplans sei weiters die Fortführung des Großhandelsstandorts Freistadt, der zukunftssicher aufgestellt sei und als Konzept weiter ausgebaut werden soll. Für die anderen Standorte sollen im Laufe des Sanierungsverfahrens in den kommenden drei Monaten alle Optionen geprüft werden.

Zukunftsperspektive prioritär

Christoph Hausmann, der die Geschicke des Familienunternehmens seit 2015 als Geschäftsführer leitet, bedauert die Insolvenz: „Dieser Schritt ist uns alles andere als leicht gefallen, aber er ist leider notwendig, um das seit 1946 bestehende Unternehmen zu erhalten und eine Zukunftsperspektive zu schaffen.” (APA/red)

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