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Kaufkraftverlust lässt Handelsumsätze im Juni um -5,5% einbrechen © APA/Barbara Gindl
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Redaktion 05.08.2022

Kaufkraftverlust lässt Handelsumsätze im Juni um -5,5% einbrechen

97% der Menschen spüren Auswirkungen der Inflation im eigenen Haushalt.

WIEN. Der österreichische Einzelhandel musste im Juni 2022 laut Statistik Austria einen inflationsbereinigten Umsatzrückgang von -5,5% verkraften. Im Non-Food-Handel liegt das Minus sogar bei -8,3%. Der preisbereinigte Halbjahresvergleich 2022 (vs. 1. Halbjahr 2021) zeigt für den gesamten Einzelhandel ein minimales Umsatzplus von 0,2%. Allerdings hatten die heimischen (Non-Food-)Handelsbetriebe im ersten Halbjahr 2021 auch bis zu acht Lockdown-Wochen geschlossen. Daher wird hier tatsächlich ein dickes Minus verzeichnet – und auch der LEH verzeichnete in diesem Zeitraum ein deutliches Minus von -4,9%.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will bilanziert: "Der Handel verzeichnete im ersten Halbjahr 2022 in fast allen Warengruppen deutliche Verluste aufgrund der multiplen Krisen, die eine eklatante Kaufkraftschwächung ausgelöst haben. Im Lebensmitteleinzelhandel zeigt das Minus von -4,9% deutlich, dass sich drei Viertel aller Menschen auf den Kauf günstiger Lebensmittel beschränken müssen. Das dickste Minus verzeichnet der Non-Food Handel, bei dem im Vergleich acht Lockdown-Wochen des Vorjahres herauszurechnen sind.“

Die neuesten Zahlen der Statistik Austria und die aktuelle Konsumentenbefragung des Handelsverbandes würden die Situation im Handel, auf die der Handelsverband beständig hinweist, bestätigen. Die Verdoppelung der Insolvenzen sei „das bisherige Resultat dieser Effekte. Als Ursache sind die Einschränkungen der Wirtschaft rund um die Corona-Pandemie und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu nennen, die die Inflation befeuern und bei mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Pessimums und Kaufzurückhaltung auslösen“, so Will.

Der Handel kämpfe mit sinkenden Umsätzen auf der Konsumentenseite, müsse aber „gleichzeitig massive Steigerungen in der Beschaffung sowie bei den Energiekosten und Mieten finanzieren. Das geht sich alles nicht mehr aus, daher besteht unmittelbarer Handlungsbedarf“, so der Handelssprecher

Uhren/Schmuck-, Elektro- & Bekleidungshandel am stärksten betroffen
Laut einer aktuellen Befragung von Mindtake Research im Auftrag des Handelsverbandes geben 54% der Österreicher an, weniger Geld für Uhren und Schmuck auszugeben. Bei Elektro-Produkten sowie bei Bekleidung und Schuhen sind es 52% der Bevölkerung.

„Bereits jetzt ist klar, dass viele Geschäfte des nicht-lebensnotwendigen österreichischen Handels im Herbst 2022 einen Überlebenskampf führen werden. Der Flächenschwund im Non-Food-Handel – minus 500.000 Quadratmeter in 2021 – wird sich inflationsbedingt fortsetzen“, prognostiziert Will.

Auswirkungen der Inflation auf Konsumausgaben gravierend
Trotz steigender Preise verzeichnet in Österreich mittlerweile jede dritte Person im Erwerbsalter Einkommensverluste:

• 97% der Bevölkerung spüren die Auswirkungen der Teuerung auf den eigenen Haushalt.
• 77% wollen größere Ausgaben und Investitionen auf das kommende Jahr verschieben.
• Drei Viertle kaufen aufgrund der Inflation verstärkt günstige Lebensmittel (Diskont-Eigenmarken).
• 70% haben ihre Ausgaben in den letzten Wochen eingeschränkt.
• Zwei Drittel der Konsument sehen die nächsten 12 Monate pessimistisch.
• 23% müssen sich auf den Kauf lebensnotwendiger Güter beschränken.
Vor diesem Hintergrund hat sich im ersten Halbjahr 2022 auch die Zahl der Insolvenzen in Österreich verdoppelt, wobei KMU besonders stark betroffen sind.

"Mehr als die Hälfte der Bevölkerung spart bei Ausgaben im Bereich Uhren/Schmuck-, Elektro- & Bekleidungshandel ein. Das wirkt sich immer stärker auf die Kapitalstruktur und die Überlebensfähigkeit der Firmen aus. Der massive Insolvenz-Anstieg gerade bei kleinen Unternehmen sollte bei der Bundesregierung alle Alarmglocken schrillen lassen und zu Taten verleiten. Eine umfassende Abgaben- und Gebührenreform zur Entlastung der österreichischen Unternehmen ist überfällig. Relikte aus den Zeiten Maria Theresias wie die Mietvertragsgebühr sind nicht mehr zeitgemäß", appelliert Will an die Bundesregierung. (red)

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