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Konsumausgaben: Freizeitwirtschaft schlägt Einzelhandel © branchenradar.com
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Redaktion 29.04.2019

Konsumausgaben: Freizeitwirtschaft schlägt Einzelhandel

Während sich die Ausgaben in Zusammenhang mit Urlaub und Freizeit rasch erhöhten, hielt man sich bei so manchen Wareneinkäufen etwas zurück.

WIEN. Die Aufwendungen und Investitionen privater Haushalte stiegen im Jahr 2018 um plus 2,8 Prozent. Während sich die Ausgaben in Zusammenhang mit Urlaub und Freizeit rasch erhöhten, hielt man sich bei so manchen Wareneinkäufen etwas zurück, zeigen aktuelle Daten einer Marktstudie zu privaten Haushaltsausgaben in Österreich von Branchenradar.com Marktanalyse.

Im vergangenen Jahr erhöhten sich die Aufwendungen und Investitionen privater Haushalte insgesamt um 2,8 Prozent gegenüber Vorjahr auf rund 198,2 Milliarden Euro. Der Anstieg war allerdings zum überwiegenden Teil auf steigende Preise zurückzuführen. Preisbereinigt lag das Ausgabenplus bei 0,8 Prozent gegenüber Vorjahr.

Die privaten Haushaltsausgaben stiegen nominal im Jahr 2018 in nahezu allen relevanten Ausgabengruppen. Lediglich der Erwerb von Kraftfahrzeugen entwickelte sich leicht rückläufig. Im Vergleich zum Jahr davor sanken die Investitionen in Autos und Motorräder (inkl. Zubehör) um 1,1 Prozent (minus 84 Millionen Euro) auf 7,26 Milliarden Euro. Die Minderausgaben wurden jedoch durch einen steigenden Verkehrsaufwand (+4,0% geg. VJ) mehr als egalisiert. Die Ausgaben für den privaten und öffentlichen Verkehr stiegen um rund 460 Millionen Euro auf 12,11 Milliarden Euro. Ausgabentreiber waren nicht zuletzt die anziehenden Treibstoffpreise, die alleine für gut 350 Millionen Euro an Mehrausgaben sorgten.

Mehrausgaben von 1,14 Milliarden Euro für Urlaub und Freizeit
Überdurchschnittlich rasch wuchsen darüber hinaus die Ausgaben für Urlaub und Freizeit (+3,5% geg. VJ). Insgesamt wurden hierfür um 1,14 Milliarden Euro mehr ausgegeben als im Jahr davor, wobei etwa die Hälfte des Mehraufwands (plus 601 Millionen Euro) auf Gastronomiebesuche im Inland (+5,0% geg. VJ) entfielen. Insgesamt wurden im letzten Jahr für Urlaub und Freizeit 34,3 Milliarden Euro ausgegeben, davon 12,7 Milliarden Euro in der Inlands-Gastronomie. Der reine Urlaubsaufwand entwickelt sich im Jahr 2018 indessen mit plus 2,2 Prozent gegenüber Vorjahr vergleichsweise flach, da sinkende Preise bei Flug- und Pauschalreisen den Ausgabenauftrieb deutlich abbremsten. Im Durchschnitt sank das Preisniveau bei Flug- und Pauschalreisen um etwa fünf Prozent gegenüber Vorjahr.

Steigende Preise machen „Wohnen“ um mehr als 1,1 Milliarden teurer als im Jahr davor
Ein verlässlicher Ausgabentreiber blieb auch der Sektor „Wohnen“. Im vergangenen Jahr erhöhten sich die Investitionen in die Wohnraumbeschaffung insgesamt um 3,3 Prozent gegenüber Vorjahr und die Ausgaben für den Wohnungsaufwand (inkl. Handwerksleistungen) um 3,1 Prozent gegenüber Vorjahr. Der Anstieg war aber in beiden Kategorien jedoch ausschließlich preisgetrieben. Bei einer Teuerung (Häuserpreisindex) von durchschnittlich 4,6 Prozent gegenüber Vorjahr flossen die Investitionen in der Wohnraumbeschaffung verstärkt in Eigenheime (+7,1% geg. VJ bzw. plus 629 Millionen Euro), während der Ankauf von Eigentumswohnungen zur Eigennutzung stockte (-2,4% geg. VJ bzw. minus 159 Millionen Euro), weil mancherorts das Angebot preislich bereits weit über den Möglichkeiten vieler privater Haushalte lag. Eigentumswohnungen wurden daher im Jahr 2018 verstärkt von institutionellen Käufern oder von privaten Haushalten als Vorsorgewohnung erworben. Insgesamt wurden von privaten Hauhalten in den Erwerb von Wohnraum (inkl. Zu- und Umbauten) 17,3 Milliarden Euro (+3,3% geg. VJ) investiert. Der Wohnungsaufwand – also Mieten, allgemeine und individuelle Betriebskosten inklusive Handwerksleistungen – kletterte im letzten Jahr auf insgesamt 23,0 Milliarden Euro. Der Mehraufwand von rund 700 Millionen Euro entfiel zum überwiegenden Teil auf Mieten (+6,1% geg. VJ) und allgemeine Betriebskosten (+3,4% geg. VJ). An Mieten wurden um 431 Millionen Euro mehr überwiesen als im Jahr davor, an Betriebskosten um 167 Millionen Euro. Der Energieaufwand stagnierte indessen bei knapp sieben Milliarden Euro, wozu der vergleichsweise kurze Winter maßgeblich beitrug. Zwar stiegen, infolge der rasch steigenden Rohölpreise, die Ausgaben für Heizöl um rund elf Prozent gegenüber Vorjahr, dafür wurde für Gas um knapp zehn Prozent weniger ausgegeben. Die Aufwendungen für Strom lagen leicht über Vorjahresniveau (+1,1% geg. VJ).

Mehr als 310 Millionen Euro mehr für Alten- und Behindertenpflege sowie Arztleistungen
Für robust wachsende Ausgaben sorgten zudem die Persönlichen Dienstleistungen. Im Jahresabstand erhöhen sich die Aufwendungen um 3,5 Prozent gegenüber Vorjahr auf 18,08 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2017 wurden somit um rund 605 Millionen Euro mehr ausgegeben. Der größte Brocken davon entfiel mit 173 Millionen Euro auf Alten- und Behindertenpflege (+5,6% geg. VJ), weitere 143 Millionen Euro auf medizinische Behandlungen (+3,0% geg. VJ). Last but not least erhöhten sich im Jahr 2018 auch die Finanzausgaben der privaten Haushalte um 3,2 Prozent gegenüber Vorjahr, wozu Versicherungen (+3,1% geg. VJ), sowie Strafen und Gebühren (+5,2% geg. VJ) am stärksten beitrugen.

Sinkende Ausgaben bei Erotikartikeln, Film- und Fotogeräten
Bei den Wareneinkäufen entwickelten sich im vergangenen Jahr – nicht zuletzt im Kontext der steigenden Ausgaben für Urlaub und Freizeit – insbesondere die Aufwendungen für Sportgeräte und Sportausrüstung hoch dynamisch. Gegenüber 2017 stiegen die Ausgaben um 6,9 Prozent bzw. 75 Millionen Euro. Schwungrad war insbesondere die steigende Nachfrage nach E-Bikes, wodurch die Ausgaben für Fahrräder insgesamt um nahezu dreizehn Prozent abhoben. Substanziell erhöhten sich zudem die Ausgaben für Produkte der Gartengestaltung und -pflege (+3,1% geg. VJ) und für Nahrungs- und Genussmittel (+2,9% geg. VJ). Im Vergleich zu 2017 wurden für Lebensmittel und Getränke um rund 600 Millionen Euro mehr ausgegeben, wobei 330 Millionen davon aus Preiserhöhungen resultierten. Zwei Drittel der Mehrausgaben betrafen das Frische Sortiment (+3,5% geg. VJ). In Anbetracht annähernd stagnierender Preise (+0,6% geg. VJ) erhöhten sich zudem die Ausgaben für Bekleidung und Schuhe mit plus 2,2 Prozent gegenüber Vorjahr signifikant und sorgten für Mehrausgaben von 204 Millionen Euro.

In allen anderen Ausgabengruppen lag das Ausgabenwachstum indessen bei weniger als zwei Prozent gegenüber Vorjahr und fallweise auch unter dem Anstieg der jeweiligen Teuerung. Definitiv rückläufig war die Nachfrage etwa nach Erotikartikeln sowie Film- und Fotogeräten. Gegenüber 2017 erhöhten sich die Ausgaben für Drogeriewaren und Medizinische Produkte um 1,6 Prozent, für Wohnungseinrichtung um 1,3 Prozent, für Elektrogeräte & Elektronik um 1,5 Prozent und für Baubedarf um 1,0 Prozent.

Alles in allem floss daher einmal mehr der mit Abstand größte Teil des Mehraufwandes in den Dienstleistungssektor ohne privaten Verkehr. Die Aufwendungen erhöhten sich um 3,1 Milliarden (+3,2% geg. VJ) auf € 99,3 Milliarden. Für Wareneinkäufe ohne KFZ wurden im Jahr 2018 um 1,4 Milliarden Euro (+2,2% geg. VJ) mehr ausgegeben als im Jahr davor, insgesamt 64,0 Milliarden Euro. Die Investitionen in neuen Wohnraumraum sowie in Zu- und Umbau von bestehenden Wohngebäuden erhöhten sich um 550 Millionen Euro (+3,3% geg. VJ) auf 17,3 Milliarden Euro und für den privaten Verkehr (Anschaffung von Kraftfahrzeugen inkl. laufendem Aufwand) wurden um 363 Millionen Euro (+2,1% geg. VJ) mehr aufgewendet als im Jahr davor, insgesamt stolze € 17,7 Milliarden.  (red)

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