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Manner setzt auf Online und seine Kernmärkte © Manner/Noll
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Redaktion 16.10.2020

Manner setzt auf Online und seine Kernmärkte

Umsatzrückgänge durch das Ausbleiben der Touristen, dafür zweistelliges Wachstum in Deutschland.

••• Von Daniela Prugger

Die Coronakrise hat den Arbeitsalltag bei Manner verändert. Das Unternehmen implementierte zahlreiche Maßnahmen, um für einen sicheren Produktionsablauf zu sorgen. Über 150 Manner-Mitarbeiter arbeiten teilweise von zu Hause, Meetings finden online statt. Auch wenn das Ausbleiben der Touristen für einen Umsatzrückgang in den Manner-Shops gesorgt hat, bleibt Marketing- und Vertriebs-Vorstand Alfred Schrott optimistisch. Der Klassiker, die Manner-Schnitte, profitiert vom Konsumtrend hin zu heimischen Produkten.


medianet: Manner betreibt in Österreich und Deutschland Shops, die gern von Touristen besucht werden. Wie bewältigen Sie das Ausbleiben dieser Touristen durch Covid-19?
Alfred Schrott: Wir haben für die Manner-Shops ganz bewusst Orte ausgewählt, wo entweder Touristen einkaufen und das ‚Süße Österreich' als Urlaubserinnerung mitnehmen oder Konsumenten ein Stück Heimat für ihre Reise kaufen. Beides gestaltet sich auf unbestimmte Zeit schwierig oder ist gar nicht möglich. Hier entgeht uns ein wichtiger Umsatz. Wir versuchen, mit Boxen fürs Büro oder den perfekten Snacks fürs Homeoffice einen Kaufanreiz zu schaffen, aber der Großteil der Konsumenten bleibt aus.

medianet:
Wie hat sich die Coronakrise auf die Geschäfte von Manner ausgewirkt?
Schrott: Zu Beginn der Coronakrise hatten wir die Shops gänzlich geschlossen, erst nach und nach haben wir – mit reduzierter Mannschaft und unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen – die Shops wieder geöffnet. Wir sehen vor allem bei den Geschenkpackungen und Mitbringseln einen Kaufrückgang. Die sozialen Kontakte reduzieren sich, Besuche werden weniger; das sehen wir etwa bei unseren Victor Schmidt Mozartkugeln oder unseren Ildefonso Bonbonnieren. Unsere Umsätze gehen in diesem Bereich verloren, aber wir dürfen nicht vergessen, dass anderen Unternehmen die Geschäftsgrundlage oftmals völlig wegbricht.

medianet: Wie wirkt sich die Coronakrise auf den Export aus?
Schrott: Im Export merken wir, dass in einigen Märkten die Konsumenten gerade an Importartikeln in der Krise einsparen, aufgrund der höheren Preisgestaltung. Aber in unseren Kernmärkten, die wir zumeist mit einer eigenen Mannschaft betreuen wie in Deutschland, konnten wir selbst in diesem Jahr zulegen. Wir freuen uns über zweistelliges Wachstum. Auch in Tschechien, Slowakei, Slowenien und Kroatien laufen die Umsätze sehr zufriedenstellend.

medianet: Welche aktuellen Trends nehmen Sie im Bereich Süßwaren wahr?
Schrott: Wir müssen uns out-of-the-box-Ideen einfallen lassen, um Konsumenten zu erreichen. Online zum Beispiel ist eine sehr gute Möglichkeit der Ansprache zu Hause, wir sehen bereits jetzt einen Zuwachs bei Online-Bestellungen um ca. 40 Prozent.

medianet: Seit 130 Jahren gibt es das Unternehmen. Wofür steht Manner heute?
Schrott: Die Mannerschnitte hat eine Symbolkraft und wird als Herzmarke gesehen. Gerade in der Krise sucht der Konsument Marken, denen er vertraut und die für etwas Positives stehen. Woher das Produkt kommt und wie es produziert wird, wird verstärkt zu einem Kaufargument. Regionalität, ‚buy local' und Nachhaltigkeit werden stärker nachgefragt. Hier punktet Manner. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir es geschafft haben, die gesamte Produktion unserer Markenware auf 100 Prozent zertifiziert nachhaltigen Kakao umzustellen.

medianet: Inwiefern ist eine Konsumzurückhaltung bei den Konsumenten bemerkbar?
Schrott: Dort, wo es um Tourismus geht, bricht uns sicherlich ein Umsatz weg. Man möchte sich sicherlich auch in schwierigen Zeiten etwas Gutes tun, da liegt das kleine rosa Glück sehr nahe – und ist auch leistbar. Wir sehen jetzt in der Krise auch den Trend zu heimischen Produkten und ebenso zur heimischen Produktion. Genau da setzen wir auch an.

medianet: Vor welchen Herausforderungen steht Manner bezüglich der Rohstoffe?
Schrott: Zucker und Mehl haben wir praktisch ‚vor unserer Haustür', da hoffen wir, dass Stabilität gegeben ist, was die Versorgung anbelangt. Bei anderen Rohstoffen wie Haselnüssen oder Kakao sehen wir in der Versorgungskette Herausforderungen, aber wir arbeiten eng mit unseren Lieferanten zusammen, um hier Liefer­engpässen entgegenzuwirken. Derzeit sieht die Versorgung gut aus.

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