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"Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung müssen sich finanziell einschränken“ © APA/Barbara Gindl
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Redaktion 02.08.2022

"Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung müssen sich finanziell einschränken“

Inflation steigt im Juli auf +9,2% – Lebensmittelpreise zuletzt stabil.

WIEN. Im Juli ist die Inflationsrate laut Schnellschätzung der Statistik Austria auf +9,2% angestiegen und hat damit das höchste Niveau seit März 1975 erreicht. Wie vom Handelsverband bereits im März dieses Jahres prognostiziert, hat die Teuerungswelle mittlerweile fast alle Bereiche erfasst und sich von Monat zu Monat verstärkt.

Zumindest die Lebensmittelpreise haben sich im Juli laut Statistik Austria einigermaßen stabilisiert (zuletzt +11,3%). Hier ist die Differenzierung zwischen Ursache und Wirkung entscheidend: Als Folge der gestiegenen Energie- und Treibstoffkosten hat sich die gesamte Lebensmittelproduktion, wie auch die Verpackungs-, Logistik- und Kühlkosten verteuert. Der Ukraine-Krieg hat diesen Trend durch Teuerungen bei Agrarrohstoffen und Dünger verstärkt.

68% müssen sich finanziell einschränken
"Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung müssen sich mittlerweile finanziell einschränken, fast ein Viertel kann sich nur noch lebensnotwendige Güter leisten. Das bekommt insbesondere der Non-Food Handel stark zu spüren. Viele Menschen im Land sind gezwungen, auf den Kauf neuer Konsumgüter zu verzichten", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Nur noch drei Prozent der Österreicherinnen und Österreicher geben an, dass die Auswirkungen der Teuerung für ihren Haushalt nicht spürbar seien. 97% kommen hingegen an einer Änderung ihrer Einkaufsgewohnheiten nicht mehr vorbei.

Abgaben- und Gebührenreform „unerlässlich“
Vor diesem Hintergrund hat sich im ersten Halbjahr 2022 auch die Zahl der Insolvenzen in Österreich verdoppelt. "Es braucht ein Verständnis, dass man als KMU-Händler nicht zum Jahreswechsel Mietkostenerhöhungen von +7% und mehr heben kann. Daher fordern wir eine durchgängige Abgaben- und Gebührenreform zur Entlastung der österreichischen Unternehmen", so Will.

19.000 offene Stellen im Handel können nicht zeitnah besetzt werden
Überdies muss der Fokus der Bundesregierung weiterhin darauf liegen, möglich viele Menschen in Anstellung zu bringen, um die Krisenfestigkeit in der Bevölkerung und den sozialen Zusammenhalt zu unterstützen. "Allein im Handel haben wir 19.000 offene Stellen, die nicht zeitnah besetzt werden können. Jedes zweite Geschäft sucht derzeit Personal", bestätigt Rainer Will, der Sprecher des österreichischen Handels. (red)

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