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Missstände bei Müller APA/Herbert Neubauer

Barbara Teiber (GPA djp)

APA/Herbert Neubauer

Barbara Teiber (GPA djp)

Redaktion 12.04.2017

Missstände bei Müller

Gewerkschaft kritisiert Taschen- und Spindkontrollen.

WIEN. Eine Befragung, die die Gewerkschaft GPA-djp bei den österreichischen Beschäftigten der Drogeriekette Müller durchgeführt hat, bringt mehrere Missstände zum Vorschein. Taschen- und Spindkontrollen, Arbeitszeitüberschreitungen, erschwerte Urlaubs- oder zu kurzfristige Dienstplanung seien bei Müller auf der Tagesordnung, fasste Gewerkschafterin Barbara Teiber das Ergebnis der Befragung zusammen. "In mehr als der Hälfte der Fragebögen wurden persönliche Anmerkungen gemacht", sagte die Wiener GPA-Regionalgeschäftsführerin. Insgesamt zeige sich ein Stadt-Land-Gefälle: "In großen Städten sind die Arbeitsbedingungen viel schlechter", so Teiber. Die Befragung wurde zwar anonym durchgeführt, viele Beschäftigten gaben ihre Daten aber dennoch an.

Die Gewerkschaft hat Mitte Februar Briefe an die und 2.800 Müller-Beschäftigten verschickt, um sie über ihre Arbeitsbedingungen zu befragen. Mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter antworteten auf die zwölf Fragen, teilweise gespickt mit seitenlangen, persönlichen Briefen, in denen die Bedingungen bei der deutschen Kette geschildert werden. Bei Müller wollte sich dazu auf APA-Anfrage niemand äußern. Auch ein Brief, den die Gewerkschaft anlässlich der Befragungsergebnisse an Firmenchef Erwin Müller schickte, blieb bisher unbeantwortet.

Als "systematisch" bezeichnete Teiber die Taschenkontrollen, die bei Müller täglich durchgeführt werden – nicht nur zu Dienstschluss, sondern teilweise auch vor der Mittagspause. Besonders diffamierend sei dabei, dass "tägliche Kontrollen auch vor Kunden" durchgeführt werden, wie etwa eine Mitarbeiterin angibt."Taschenkontrollen bis aufs kleinste Seitenfach", vermerkt eine andere. Taschenkontrollen sind nicht grundsätzlich verboten, sofern es dafür eine Betriebsvereinbarung gibt oder der/die Beschäftigte ausdrücklich zugestimmt hat - im Dienstvertrag oder auch mündlich. Eine Betriebsvereinbarung hat Müller dafür nicht, die Drogeriekette hat keinen Betriebsrat.
Müller kontrolliere aber nicht nur die Taschen der Beschäftigten, sondern auch die Spinde - "und das auch ohne das Beisein der entsprechenden Mitarbeiter", so Teiber. "Hier werden Beschäftigte unter den Generalverdacht gestellt, zu stehlen", kritisierte Teiber. (APA)

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