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Neue Lebensmittel-Verpackungen aus Pilzen und Algen © Belano
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Redaktion 11.11.2020

Neue Lebensmittel-Verpackungen aus Pilzen und Algen

Christine Lang plädiert beim BDI für Ausbau der Kreislaufwirtschaft.

BERLIN. Um langfristig biologische Ressourcen zu schützen und Erdöl-basierte Produkte durch umweltgerechte nachhaltige Alternativen zu ersetzen, müssen Politik und Industrie stärker zusammenwirken. Das schreibt die frühere Vorsitzende des Bioökonomierates der Bundesregierung, Prof. Christine Lang, Vorstand der Belano medical AG, in einem Beitrag für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Sie skizziert anhand konkreter Beispiele, wie Gesellschaft, Industrie und Politik gemeinsam den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit vorantreiben können.

Dazu gehört die Nutzung natürlicher Quellen wie Pilze. Diese können als Alternative zu Styropor zu Verpackungen für Lebensmittel, Take-away oder bei Lieferdiensten verarbeitet werden. „Pilzkulturen bilden durch ihr Zellgeflecht ein festes und kompaktes Material, das fast jede vorgegebene Form ausfüllt und damit direkt zum gewünschten Endprodukt heranwächst“, schreibt Lang. Die Behältnisse können keimfrei aufbereitet werden. Während traditionelles Styropor ein Erdöl-Produkt und biologisch nicht abbaubar ist, könnten Pilz-Mycelien nach Gebrauch als Rohstoff für ein nächstes Produkt dienen. Außerdem seien sie „im Sinne eines Rohstoffkreislaufs abbaubar“.

Verpackungen für Lebensmittel könne man auch aus Chitosan, einer Substanz in Insekten und Krustentieren, gewinnen. Daraus lässt sich aktuellen Forschungen zufolge zum Beispiel biologisch abbaubare Mehrschichtfolie gewinnen. Sie ist „für hochwertige Verpackungen mit Barrierewirkung geeignet, da sie antimikrobielle Eigenschaften und eine hohe mechanische Stabilität aufweisen“, heißt es in dem Beitrag.

Transparenz für Verbraucher: Wahre Kosten für die Umwelt abbilden
Die Natur kenne viele Wege für Zirkularität und Energieeffizienz, schreibt Christine Lang weiter. Um den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit voranzutreiben, brauche es aber „politische Schritte und mehr Transparenz für Verbraucher, um besser erkennen zu können, was wirklich nachhaltig ist“. In diesem Zusammenhang sei es unter anderem wichtig, „einen realistisch kalkulierten CO2-Preis von Produkten“ und damit „die wahren Kosten für Umwelt und Gesellschaft abzubilden“.

Diese Neuausrichtung werde in vielen Branchen schon ansatzweise umgesetzt. So sei in der Automobilbranche der Einsatz von Carbon-Bauteilen „ein bedeutender erster Schritt hin zu einem ressourceneffizienten, weil extrem leichten Automobil-Chassis“. Doch noch bestehen Carbon-Fasern aus Erdöl. Sie sollten möglichst bald aus Pflanzenresten hergestellt werden.

Dafür eigne sich der biologische Stoff Lignin, der als preisgünstige und vielseitige Alternative zu Carbon sowie als Teil von Verbundmaterialien verwendet werden kann. Lignin sorgt für die Stabilität von Pflanzen beim Höhenwachstum, ist extrem temperaturbeständig und reißfest – landet aber bisher als Rest der Papierherstellung im Abfall.

Algen: Das mögliche Ende von Plastikfolie und Plastikflasche
Alternativen werden auch für den klassischen Handel erforscht. So können herkömmliche Plastikfolien um Gemüse, Obst und Fleisch sowie Take-away-Becher bald der Vergangenheit angehören. „Ingenieure und Biologen arbeiten zusammen, um Algen als Ausgangsstoff für Lebensmittelumhüllungen aufzubereiten“, nennt Lang ein Beispiel. Dabei werden aus Algen dünne Folien, die sowohl stabil als auch geruchs- und geschmacksneutral sind und nach der Verwendung entweder mitgegessen oder kompostiert werden. „Das könnte sogar das Ende der Plastik-Wasserflaschen sein – wenn die Entwicklung weiterverfolgt wird.“

Damit das so kommt, müsse neben Politik und Verbrauchern auch die Industrie ihren Teil leisten. Denn oft sei die Herstellung bio-basierter Rohstoffe heute noch teurer als die von Erdöl-basierten Materialien. Um zeitnah Ressourcen-schonende und zugleich günstige Verfahren zu entwickeln, brauche es Mut und industrielles Expertenwissen. „Erst wenn Industrie, Politik und Gesellschaft gemeinsam diese Schritte gehen, profitieren davon Umwelt, Wirtschaft und jeder Einzelne“, heißt es abschließend.

Christine Lang ist Professorin für Mikrobiologie an der TU Berlin und seit 2019 Vorstand der Belano medical AG. Sie ist außerdem Präsidentin der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) und Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe Industrielle Bioökonomie beim Branchenverband „Bio Deutschland“, der im BDI organisiert ist. Auf der Website des BDI sind unter dem Titel „Circlenomics“ mehrere Beiträge von Experten erschienen, die nachhaltige Produktionsweisen und die Nutzung von Abfällen als Ressource im Sinne einer Kreislaufwirtschaft aufzeigen. (red)

Über die Belano medical AG
Die Belano medical AG ist ein Biotechnologie-Unternehmen, das die Ergebnisse aus der Erforschung positiv wirkender Mikroorganismen für Medizin- und Pflegeprodukte nutzt. Dabei werden neuartige Therapieansätze für medizinische Hautpflege, zur Prävention von Krankheiten und zur Unterstützung von Heilungsprozessen entwickelt und vermarktet. Auf diese Weise sollen neue Therapie-Optionen für bisher nicht befriedigend behandelbare Erkrankungen und Indikationen entstehen. Ziel ist es, diese patentgeschützten Wirkstoffe und deren Produkte für jeden Menschen verfügbar zu machen. Das Unternehmen setzt dabei auf die nationale und internationale Zusammenarbeit mit Distributoren und anderen Partnern.

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