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Österreich-Aufschlag bei Lebensmitteln? APA Georg Hochmuth
APA Georg Hochmuth

Redaktion 07.03.2016

Österreich-Aufschlag bei Lebensmitteln?

Handelsverband wehrt sich gegen AK-Preismonitor: „Preisvergleiche mit anderen Ländern sind nicht seriös.“

WIEN. Der aktuelle Preismonitor der Arbeiterkammer kommt einmal mehr zu dem Ergebnis, dass Lebensmittel in Wien teurer sind als in der deutschen Bundeshauptstadt. Getestet wurden 40 Lebensmittel in sieben Wiener und acht Berliner Geschäften. Das Ergebnis: Der Einkaufskorb mit 40 preiswertesten Lebensmitteln kostet in Wien um 19,4% mehr als in Berlin. Somit zahlten Wiener für den Warenkorb im Februar 88,12 €, Berliner hingegen 73,80 €. Im Vergleich zum Vorjahr wurde der Einkaufskorb in Wien um 4,2% und in Berlin um rund drei Prozent billiger.

„Wir kontrollieren regelmäßig die Preise bei Lebensmitteln und Drogeriewaren“, sagt AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. „Unsere Vergleiche zeigen seit Jahren hohe Preisaufschläge in Österreich und nicht nur bei den günstigsten Lebensmitteln, sondern auch bei absolut identen Lebensmitteln. Ein Österreich-Aufschlag lässt sich nicht wegleugnen“, bekräftigt Zgubic. „Durch die verhängten Kartellstrafen im Lebensmitteleinzelhandel, bei Molkereien, Brauereiprodukten und alkoholfreien Getränken sehen wir uns grundsätzlich in unserer Kritik bestätigt. Kontrollen bringen etwas. Daher darf man nicht locker lassen.“

 Eine Stellungnahme des Handelsverbands zum AK-Preismonitor ließ nicht lange auf sich warten. „Die höheren Preise, soweit vorhanden, haben strukturelle Ursachen. Um die Preisgestaltung zu verstehen, muss man sich die Rahmenbedingungen in Österreich ansehen. Ein unreflektierter Vergleich mit anderen Ländern, im speziellen Deutschland, ist nicht seriös und desinformiert die österreichischen Konsumenten“, hieß es in einer Aussendung vom Freitag.

Die „strukturellen Ursachen“ fasst der Handelsverband kurz und bündig zusammen. Schuld an den höheren Preisen hierzulande seien u.a. höhere Lohnkosten und mehr Arbeitsplatzsicherheit, höheres Einkommen und Kaufkraft der Österreicher, außerdem würden höherer Steuern in Österreich den Preis steuern. Deutsche Händler hätten außerdem aufgrund der höheren Bevölkerungszahl größer Abnahmemengen. „Höhere Abnahmemengen bedeuten in der Regel günstigere Preise bzw. eine bessere Verhandlungsposition für den Händler. Dieser Vorteil kann dann natürlich auch an den Konsumenten weitergegeben werden“, so der Handelsverband.

Auf den Preis wirken sich außerdem die strengen Lebensmittelstandards in Österreich aus, ebenso wie der Trend nach Bio-Lebensmitteln, die bekanntlich teurer sind. „Rund 20% der Agrarfläche wird in Österreich für biologischen Anbau genutzt, während dies in Deutschland nur 6 % sind. (nn)

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