RETAIL
Outlet Center zwischen Wandel und Expansion © ecostra/Helge Krueckeberg
© ecostra/Helge Krueckeberg

christian novacek 06.09.2018

Outlet Center zwischen Wandel und Expansion

Joachim Will vom Marktforschungsinstitut ecostra über Tops & Flops der Outlet Center in Europa.

Hierzulande ist das Outlet Center im burgenländischen Parndorf ein schmuckes Dörfchen, das viele erfreut – das nicht gerade mit Arbeitsplätzen protzende Burgenland sowieso und in erster Linie natürlich den Betreiber McArthurGlen. Parndorf ist nämlich nichts mehr und nichts weniger als das größte Designer Outlet in Mitteleuropa.
McArthurGlen betreibt in Summe 24 Outlet Center in Europa und Kanada; zusammen machen sie Umsätze von zuletzt 4,3 Mrd. €.
So rund wie in Österreich läuft es aber für die Outlet Center nicht überall: Speziell in Deutschland gerät das Konzept stärker unter Druck. In Reportagen des WDR und des ZDF wurde unter dem Titel „Die Outlet-Lüge“ deutlich mit der Qualität der in Outlet Centern angebotenen Waren abgerechnet. Stichprobenkäufe führten zum Ergebnis, dass dort teilweise mangelhafte und sogar speziell für die Outlets produzierte Ware verkauft wird.

Mindere Qualitäten
Joachim Will, Chef des Wiesbadener Forschungsinstituts ecostra GmbH, das sich auf Wirtschafts-, Standort- und Strategieberatung in Europa spezialisiert hat, dazu: „So etwas ist in der Tat kritisch zu sehen!“ Aber es passiert: „Wir führen im Auftrag der Genehmigungsbehörden bei verschiedenen Outlet Centern in Deutschland laufend entsprechende Kontrollen zu den Wareneigenschaften durch und haben ebenfalls festgestellt, dass verschiedene Hersteller in minderer Qualität speziell für die Outlets produzieren.“ Die naheliegende Erschütterung des Grundgedankens des Modells, das auf stark verbilligte Markenware setzt, relativiert der ecostra-Geschäftsführer dann aber deutlich: „Es handelt sich hierbei um wenige Einzelfälle und nicht um ein allgemeines Phänomen. Entsprechend sollte man dies nicht zu sehr aufbauschen.“

Aus Sicht der Markenführung ist eine solche Sortimentspolitik aber fatal, denn das eigentliche Kapital einer Marke ist das Vertrauen der Verbraucher. Mit mangelhafter Qualität wird dieses Vertrauen nachhaltig geschädigt, egal ob die Waren im Outlet oder im Full-Price-Store abgesetzt werden. „Gerade auch die Betreiber von Outlet Centern sollten ein Interesse daran haben, dem Verkauf von solchen, qualitativ minderwertigen Outlet-Waren einen Riegel vorzuschieben“, ist Will überzeugt.

175 Outlet Center in Europa
Abgesehen von diesen frisch generierten Verwerfungen läuft es für die Outlet Center in Europa aber halbwegs glatt: Sie befinden sich nach wie vor auf Expansionskurs. In den vergangenen zwölf Monaten wuchs die Zahl der in Betrieb befindlichen Center um vier auf nunmehr 175 Standorte.
Die Outlet-Verkaufsfläche erhöhte sich um knapp 100.000 m², was in etwa der Größe von neun Fußballfeldern entspricht. Das sind die aktuellen Ergebnisse der Marktstudie, welche das Forschungsinstitut ecostra veröffentlicht hat.

Das stärkste Outlet-Wachstum vollzog sich in diesem Zeitraum in Frankreich und Italien. Auch in Spanien und der Tschechischen Republik gab es einige Neueröffnungen. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung der ecostra-Marktforscher in den nächsten Jahren fortsetzen.

Märkte sind nicht gesättigt
Conclusio: Nach wie vor ist in den Ländern Europas die Pipeline mit Standort- und Erweiterungsplanungen gut gefüllt. Dies trifft neben Deutschland neuerdings auch auf einen nationalen Markt zu, der lange Zeit als gesättigt galt: das Vereinigte Königreich.
Auf der britischen Insel findet sich mit aktuell 35 Centern die höchste Standortdichte in Europa; an sieben weiteren Standorten laufen derzeit Planungen zur Realisierung neuer Fabrikverkaufszentren. Damit ist der britische Markt wieder etwas stärker in den Blick der Outlet-Entwickler und -Investoren gerückt. Beliebtester Zielmarkt der Entwickler ist nach wie vor Deutschland; hier zählen die ecostra-Forscher derzeit zehn Standortplanungen. Allerdings stecken noch viele in einem Genehmigungsverfahren mit unsicherem Ausgang.

City Outlets – war es das?
Am deutschen Markt besonders interessant war der Versuch, leerstehende Ladenflächen in einer historischen Innenstadt mit einem einheitlichen Outlet-Konzept wiederzubeleben. Das 2014 eröffnete City Outlet in Bad Münstereifel (südlich von Bonn) hat daher nationale und internationale Aufmerksamkeit erlangt. „Viele Städte und Gemeinden sind in ihren Altstädten mit einer grassierenden Leerstandsproblematik konfrontiert“, berichtet Will. „Kleine Flächen mit oft ungeeigneten Zuschnitten finden selbst bei günstigsten Mietpreisen keine Nachfrager mehr. Da ist ein Outlet-Konzept häufig der letzte Rettungsanker.“ Die Liste der Gemeinden, welche einen solchen Anlauf unternommen haben ist lang – aber: Alle Versuche sind gescheitert.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema