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Schwache Wirtschaftsdaten dämpfen Wachstumsfantasien in den USA © APA/AFP/Jim Watson

US-Präsident Joe Biden.

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US-Präsident Joe Biden.

Redaktion 18.05.2021

Schwache Wirtschaftsdaten dämpfen Wachstumsfantasien in den USA

Die Umsätze der Einzelhändler stagnierten überraschend. US-Produktion stieg nicht so stark wie erwartet.

WASHINGTON. Die bisherigen Aussichten auf einen überaus kräftigen Aufschwung in den USA angesichts der abklingenden Corona-Pandemie haben einen Dämpfer erhalten. Die Umsätze der US-Einzelhändler stagnierten im April 2021 überraschend. Sie verharrten auf dem Vormonatsniveau, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet – nach einem satten Umsatzplus von nach oben revidiert 10,7 Prozent im März.

Beflügelt wurde die Konsumlust der Bürger in jenem Monat auch durch das billionenschwere Pandemie-Hilfspaket von US-Präsident Joe Biden, mit dem Millionen Amerikanern Einmalschecks in Höhe von 1.400 USD ins Haus flatterten.

Ökonom Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg verweist zur Einordnung darauf, dass die US-Einzelhandelsumsätze im April immerhin auf "ihrem hohen Vormonatsniveau" stagnierten. Nach seiner Ansicht enthalten die in den zurückliegenden Wochen veröffentlichten Konjunkturindikatoren eine Botschaft: "Es wird im Zweifel weniger Wachstum, aber mehr Inflation geben als bislang gedacht." Die Experten hätten sich in jüngster Zeit bei ihren Prognosen nicht mit Ruhm bekleckert.

Dies gilt auch für das Verbrauchervertrauen, das im Mai überraschend sank; das entsprechende Barometer fiel auf 82,8 Zähler von 88,3 Punkten im April, wie die Universität Michigan auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 90,4 Punkte gerechnet.

Und auch bei den Gesamtdaten zur US-Produktion von Industrie, Versorgern und Bergbau lagen die Experten nun etwas daneben: Die Fertigung stieg im April um 0,7 Prozent und damit nicht so stark wie von den Ökonomen erwartet, die einen Zuwachs von 1,0 Prozent auf dem Zettel hatten. Für weit größere Enttäuschung hatte zuletzt allerdings die deutlich verlangsamte Erholung am Arbeitsmarkt im April gesorgt. Es entstanden lediglich 266.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft und damit weit weniger als erwartet. Zugleich hat ein überraschend großer Anstieg der Verbraucherpreise um 4,2 Prozent Befürchtungen ausgelöst, dass die Inflation aus dem Ruder laufen könnte.

"Entweder ist der Anstieg der Inflation vorübergehend, oder die Fed ist gefährlich selbstgefällig", sagte Anlagestratege Kit Juckes von der Bank Societe Generale. Die kommenden Monate würden zeigen, ob und wie die US-Notenbank auf die gestiegenen Teuerungsraten reagieren werde. Die Fed unterstützt die von der Coronakrise getroffene Wirtschaft mit monatlichen Geldspritzen von 120 Mrd. USD. Sie will daran so lange festhalten, bis wesentliche Fortschritte auf dem Weg zu Preisstabilität und Vollbeschäftigung erreicht sind. Die anziehende Inflation sieht sie als vorübergehendes Phänomen, das derzeit keinen Kurswechsel in der Geldpolitik nötig mache, die wohl noch auf Jahre hinaus auf Niedrigzins ausgerichtet bleibe.

Die US-Konjunktur befindet sich nach Einschätzung des für den Fed-Bezirk St. Louis zuständigen Währungshüters James Bullard am Übergang von einer Erholung zur Expansion. Die Wirtschaftsleistung werde Ende Juni neue Bestmarken erzielen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt der weltgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 6,4 Prozent voraus. Mit dieser Zahl würde sogar das offizielle Wachstumsziel Chinas übertroffen. (APA/Reuters)

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