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"Teller statt Tonne – Bewusst gegen Lebensmittelverschwendung" © Metro
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Redaktion 22.10.2018

"Teller statt Tonne – Bewusst gegen Lebensmittelverschwendung"

Siebente Wiener Mittwochsgesellschaft des Handels: Über Lösungen zur Vermeidung und Verwertung von Lebensmittelabfällen.

WIEN. In Österreich wäre laut dem Ökologie-Institut die Hälfte des Abfalls durchaus vermeidbar. „Teller statt Tonne“ also. Über Lösungen zur Vermeidung und Verwertung von Lebensmittelabfällen entlang der Versorgungskette wurde gestern Abend bei der 7. Wiener Mittwochsgesellschaft des Handels im Palais Coburg diskutiert.

Was macht der Großhandel? Wie schwierig ist es, dem Wunsch der Kunden nach Müllvermeidung und ihrem gleichzeitigen Anspruch, immer Frischware zu erhalten, nachzukommen? Wie kalkuliert ein Caterer? Wie sieht das Transferkonzept der Wiener Tafel aus und wie konnte aus einer Jobsuche in diesem Bereich ein erfolgreiches Start-up werden? Am Podium waren neben Gastgeber und Metro CEO Arno Wohlfahrter die Geschäftsführerin der Wiener Tafel, Alexandra Gruber, Cornelia Diesenreiter, Gründerin des Start-ups „Unverschwendet“ und Christian Chytil, Geschäftsführer von „impacts Catering“.

Moderiert hat die neue Chefredakteurin des „Kurier“, Martina Salomon. Alle zwölf Metro Großmärkte arbeiten mit diversen Tafeln oder ähnlichen caritativen Organisationen zusammen. Von September 2017 bis September 2018 haben diese Organisationen 25% der Waren, darunter rund 150 Tonnen Obst und Gemüse, die nicht mehr für den Verkauf, jedoch noch für den Verzehr geeignet waren, erhalten. Seit Mai holt die Wiener Tafel zwei Mal pro Woche auch Waren direkt von der Metro Frischeplattform in Maria Lanzendorf.

Arno Wohlfahrter meint, nichts gegen die Lebensmittelverschwendung zu tun sei keine Option. „Metro hat sich dazu verpflichtet, bis 2025 im Unternehmen 50% Lebensmittelabfälle einzusparen. Wir entwickeln derzeit Modelle, durch die das, was nicht mehr verwertbar und verzehrbar ist, einer sinnhaften Verwertung zugeführt werden kann, zum Beispiel der Biogaserzeugung. Aber vor allem ist es notwendig, dass wir in der gesamten Wertschöpfungskette noch genauer planen, hinschauen und achtsamer sind mit Bestellmengen und dem Umgang mit
Lebensmitteln.“

Alexandra Gruber, Geschäftsführerin Wiener Tafel und Obfrau Verband der österreichischen Tafeln: "Als die Wiener Tafel vor 20 Jahren gegründet wurde und als erste Tafelorganisation begann, Lebensmittel vor dem Müll zu retten, um damit von Armut betroffene Menschen zu versorgen, war das Food-Waste alles andere als ein Mainstream Thema. Die konsequente Bewusstseinsbildung der Wiener Tafel und vieler anderer Institutionen hat sehr positive Früchte getragen.

Für eine sozial und ökologisch gerechte Gesellschaft muss die Zusammenarbeit aller Stakeholder entlang der gesamten Wertschöpfungskette aber weiter intensiviert werden und es müssen noch bessere gesetzliche Rahmenbedingungen sowie noch bessere logistische Möglichkeiten wie Lagerstrukturen geschaffen werden.“ Christian Chytil, Geschäftsführer von „impacts Catering“, das auf Nachhaltigkeit setzt und u.a. Träger des Österreichischen Umweltzeichens ist: „Food Waste betrifft jedes Unternehmen. Bei einem Caterer ist es aber definitiv ein sehr großes, weil aufgrund zugesagter, aber dann spontan fehlender Gäste, oft sehr viel weggeworfen werden muss, v.a. bei Buffets. Wir beraten daher unsere Kunden im Vorfeld der Veranstaltung hinsichtlich Planung und Art der angebotenen Speisen, um möglichst effizient zu bleiben. Was aber auch wichtig ist, dass die Konsumenten Lebensmittel wieder mehr wertschätzen und nicht jedes Produkt das ganze Jahr verfügbar haben wollen. Qualität zeichnet sich ja auch dadurch aus, dass es Produkte nicht immer und überall gibt.“

Cornelia Diesenreiter, Gründerin des Start-ups „Unverschwendet“, das überschüssiges Obst und Gemüse von Landwirten im Großraum Wien zu nachhaltiger Feinkost verarbeitet: „Im Rahmen meines Studiums ‚Design and Innovation for Sustainability‘ habe ich meine Masterarbeiten zum Thema Lebensmittelabfallvermeidung geschrieben. Als ich dann einen Job in diesem Bereich suchte musste ich aber feststellen, dass es keinen gibt. Daher habe ich mit meinem Bruder Unverschwendet gegründet. Wir wollen mit unseren Produkten aufzeigen, dass Nachhaltigkeit kein Verzicht sein muss, sondern ein
Genuss ist.“

Metro Cash & Carry betreibt in Österreich 12 Großmärkte auf einer Gesamtverkaufsfläche von rund 140.000 m2, beschäftigt ca. 2.000 Vollzeitarbeitskräfte, davon mehr als 100 Lehrlinge. Eine große Auswahl ist für Metro ein wichtiger Aspekt, ca. 48.000 Artikel aus dem Food- und Nonfood- Bereich sind gelistet. Mehr als 500.000 Kunden vertrauen seit über 45 Jahren auf das Sortiment und die Leistungen des Unternehmens. Sitz der Österreich-Zentrale und der Geschäftsführung ist in Wien-Vösendorf, wo 1971 nicht nur der erste Metro-Großmarkt Österreichs, sondern auch der erste außerhalb von Deutschland eröffnet wurde. (red)

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