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Ukraine fordert von deutschen Konzernen Geschäftsaufgabe in Russland © Patril Stollarz / AFP
© Patril Stollarz / AFP

Redaktion 05.04.2022

Ukraine fordert von deutschen Konzernen Geschäftsaufgabe in Russland

DÜSSELDORF. Der Wirtschaftsberater des ukrainischen Präsidenten, Alexander Rodnyansky, hat drei deutsche Unternehmen aufgefordert, ihre Tätigkeit in Russland zu beenden. "Es wäre wichtig, dass alle Konzerne ihr Geschäft mit Russland einstellen, also auch Metro, Bayer und Henkel", sagte Rodnyansky der Rheinischen Post (Ausgabe vom 1. April 2022). "Auch sie helfen sonst mit ihrem Bleiben in Russland, den Krieg zu finanzieren."

Die Einstellung des Geschäfts würde zwar bedauerlicherweise auch die russische Bevölkerung treffen, "der Verantwortliche dafür aber ist Putin".

Nach Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine gaben zahlreiche deutsche Firmen ihr Russland-Geschäft auf, andere deutsche Unternehmen wollen dort aber weitermachen.

Ein Metro-Sprecher sagte zu der Forderung aus der Ukraine, die Entscheidung, den Betrieb in Russland aufrechtzuerhalten, sei nicht leicht gefallen. Man habe auch Verantwortung gegenüber den dortigen Kolleginnen und Kollegen, und viele Menschen bekämen bei Metro ihre Lebensmittel. Der Handelskonzern hat in Russland 93 Märkte mit rund 10.000 Beschäftigten, der Jahresumsatz von umgerechnet 2,4 Mrd. € macht ein Zehntel der Konzernerlöse aus. Henkel ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer ist ebenfalls weiter in Russland tätig. Ein Firmensprecher sagte am Freitag (1. April), die Werbemaßnahmen seien in dem Land ausgesetzt und Investitionsprojekte gestoppt. Es seien zudem alle Ausgaben eingestellt, "die nicht mit der Bereitstellung unverzichtbarer Produkte in den Bereichen Gesundheit und Landwirtschaft zusammenhängen". Im Agrarbereich seien Produkte für die Anbausaison 2022 bereits ausgeliefert. "Eine Belieferung für die Saison 2023 ist von einem Frieden in der Ukraine abhängig."

Warum keine komplette Geschäftsaufgabe? Bayer argumentiert, dass man der Zivilbevölkerung wesentliche Gesundheits- und Landwirtschaftsprodukte nicht vorenthalten wolle, etwa Krebsmedikamente, Herz-Kreislauf-Mittel oder Gesundheitsprodukte für Schwangere. (APA/dpa)

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