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Verantwortungsvoller Job bereits vergeben leadersnet.at/Günther Langegger (2)

Dreamteam Die Nachfolgerin und der Vorgänger: Teresa Mischek-Moritz und Nikolaus Hartig möchten das komplexe Thema ECR der Branche und auch dem Konsumenten näherbringen.

leadersnet.at/Günther Langegger (2)

Dreamteam Die Nachfolgerin und der Vorgänger: Teresa Mischek-Moritz und Nikolaus Hartig möchten das komplexe Thema ECR der Branche und auch dem Konsumenten näherbringen.

Redaktion 11.09.2015

Verantwortungsvoller Job bereits vergeben

Die neue ECR-Managerin Teresa Mischek-Moritz spricht über die ECR-Szene und was für sie dabei besonders wichtig ist

Seit Juni 2015 ist Teresa Mischek-Moritz an Bord von ECR Austria. Sie ist die neue ECR-Managerin, eine Funktion, die von Nikolaus Hartig entwickelt und bislang auch von ihm ausgeübt worden ist.

Mischek-Moritz war 25 Jahre lang in der Markenartikelindus­trie beschäftigt, genauer gesagt bei Unilever/Eskimo-Iglo. Bereits 1996 wurde sie dort zur ECR-Verantwortlichen mit dem Schwerpunkt Category Management ernannt. Neben dieser Erfahrung in der FMCG-Branche hat sie auch internationale Erfahrungen aufzuweisen. Zuletzt war sie bei der Unilever Global Marketing Academy in London tätig. In diesem Rahmen hat sie erfahren: Nur wenn man jeden einzelnen persönlich motivieren kann, wird das Commitment für eine branchenübergreifende Zusammenarbeit in der heutigen Zeit vorhanden sein. Das ist auch eine ihrer grundlegenden Einstellungen, wie sie an das Thema ECR herangeht, wie sie im Gespräch mit ­medianet erzählt.

medianet: Das ECR-Board hat mitgeteilt, dass Sie aus einer Shortlist von Bewerbern einstimmig gewählt worden sind, Österreichs neue ECR-Managerin zu werden. Wie geht es Ihnen damit?
Teresa Mischek: Ich fühle mich in einer Luxusposition. Wo passiert einem das heute noch in der Wirtschaft, dass man so lange Zeit mit seinem Vorgänger zusammenarbeiten darf? Gemeinsam mit Niki Hartig bin ich seit Anfang Juni und noch bis Ende des Jahres im operativen Geschäft tätig, aber ich darf mich – und das ist in diesem Bereich besonders wichtig – aufs Networking konzentrieren. Das ist besonders spannend, da ich vor vielen Jahren schon als ECR-Managerin bei Unilever zu tun hatte und mich nunmehr Leute von damals kontaktieren.
medianet: Sie sind seit 1996 ­immer wieder mit ECR-Themen beschäftigt. Was hat sich in
den knapp zwanzig Jahren ver­ändert?
Mischek: Damals lief alles auf Projektebene ab; heute hat die gesamte ECR-Szene, weltweit und in Österreich, Struktur erhalten. Hierzulande findet ein Mal pro Jahr eine Vollversammlung statt und zwei Mal jährlich das ECR-Board. Darüber hinaus werden regelmäßig Arbeitsgruppen gebildet, die sich treffen, die Ergebnisse liefern und diese auch präsentieren. Und aus meiner Sicht ganz wichtig ist die Ausbildung in Sachen Efficient Consumer Response. Da gibt es einerseits die Academic Partnership in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsuniversität Wien, in der Diplomarbeiten und Dissertationen zum Thema unterstützt und ausgezeichnet werden, und andererseits die Ausbildung zum zertifizierten ECR-Manager. Dieser Kurs findet ebenfalls an der Wirtschaftsuniversität Wien statt und vermittelt Wissen rund um ECR-Inhalte, -Strategien und -Instrumente. Dass Handel und Industrie Interesse am Thema haben, zeigt sich dadurch, dass der Kurs regelmäßig – und zwar mindestens zwei bis drei Monate bevor dieser stattfindet – ausgebucht ist.

medianet: Als Gründungsszene von ECR wird die Partnerschaft von Procter & Gamble mit Wal-Mart angesehen. Da haben sich die Chefs des weltweit größten Retailers und eines wichtigen Players am Industriesektor quasi gemeinsam ins Boot gesetzt. Das war etwas Besonderes. Was hat es gebracht, gerade dem Konsumenten?
Mischek: Sich auf einer gemeinsamen Ebene auszutauschen, war damals geradezu eine Revolution. Heute ist das selbstverständlich, dass sich Handel und Industrie zusammensetzen. Die Versorgunskette wurde optimiert, daran wird weitergearbeitet, und die Konsumentenbedürfnisse werden stets besser befriedigt. Aber: Es reicht nicht mehr, sich nur an einen Tisch zu setzen. Vielmehr spielt heute auch der gesellschaftspolitische Gedanke eine wesentliche Rolle. Als Beispiel dazu möchte ich das Engagement von ECR rund um Sozialmärkte nennen. Früher wurden falsch etikettierte Lebensmittel einfach weggeworfen, ebenso solche, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, da es das Gesetz verbietet, diese Waren zu verkaufen, obwohl sie genießbar sind. Und jene, die nicht beim Supermarkt um die Ecke einkaufen können, weil ihnen das Geld fehlt, sind genauso Konsumenten, deren Bedürfnisse wir berücksichtigen müssen.

medianet: Damit haben Sie ein wesentliches Projekt der letzten Jahre von ECR Austria angesprochen. Wie sieht es mit weiteren Themen aus, oder anders gefragt: Welche Themen haben Sie geplant verstärkt auszubauen?
Mischek: Wie Sie sicher wissen, bin ich dem ECR-Board verpflichtet. Das heißt, dass wichtige strategische Entscheidungen dort diskutiert und genehmigt werden. Die nächste Board-Sitzung findet im Oktober statt. Aber vielleicht so viel: Mir ist die internationale Vernetzung wichtig. In diesem Sinne werde ich demnächst nach Russland fahren und mir die ECR-Szene vor Ort ansehen, mich aber auch mit meinen anderen europäischen Kollegen vernetzen. Weiterer internationaler Austausch ist noch in diesem Jahr geplant. Wir brauchen nicht alles neu erfinden, wenn interessante Lösungen bereits anderswo angedacht sind. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass ECR Europe und das Consumer Goods Forum eine gemeinsame Agenda finden und an einem Strang ziehen. Und natürlich gilt andererseits auch, dass wir unsere Themen nach Europa bringen. Aber: Bei all dem fühle ich mich stets dem ­österreichischen Konsumenten verpflichtet und es gilt, auf die lokalen Bedürfnisse einzugehen.

medianet: Welche ECR-Themen könnte Österreich aus Ihrer Sicht nach Europa bringen?
Mischek: Unsere beiden Schwerpunkte aktuell sind das Stammdatenmanagement und die Abfallstudie. Zum Ersteren: Die LMIV hat im letzten Jahr die gesamte Branche europaweit verpflichtet, relevante Daten für den Konsumenten bereitzustellen, wenn er beispielsweise das Produkt nicht in Händen hält, sondern es online kauft. In Österreich sind wir aktuell dabei, die Business to Business-Daten anzugehen. Das bedeutet, dass wir Logistik-Stammdaten gemeinsam definieren und die bereits vorhandene Datenbank integrieren. Damit sollte der bilaterale Austausch von Artikelpässen endgültig der Vergangenheit angehören. Österreich plant diese Branchenlösung – sämtliche Artikeldaten sind elektronisch abrufbar – bereits im ersten Quartal 2016 bereitzustellen. Mit einer solchen Umsetzung würden wir im europäischen Spitzenfeld liegen. Und mit dem zweiten Thema – Abfallvermeidung – treffen wir auf ein Herzstück der Branche, der bereits genannten sozialen Verantwortung: Wie können wir Abfall im Lebensmittelhandel noch mehr vermeiden? In diesem Sinne sollte auch über eine Erhöhung der Mengen für Sozialmärkte nachgedacht werden.

medianet: Eine Einschränkung gibt es, die stets verstärkt wird, nämlich die Wettbewerbsricht­linien, die von der Bundeswettbewerbsbehörde überwacht werden. Wie gehen Sie damit um?
Mischek: Vor jeder ECR-Sitzung werden die Kartellrichtlinien ausgeteilt. Es ist unsere Aufgabe als ECR-Management, darauf zu schauen, dass auf diese Richtlinien in den Sitzungen der Arbeitsgruppen geachtet wird. Wir brechen auch aktiv entsprechende Sitzungen ab, sollte es da einmal zu unangebrachten Situationen kommen.

medianet: Abschließend ein Ausblick in die Zukunft: Wird es ECR in 20 Jahren noch geben? Welche Aufgaben könnte ECR dann haben?
Mischek: Auch wenn heutzutage Prognosen schwierig sind: Ich bin davon überzeugt, dass es ECR in 20 Jahren noch geben wird. Wir als ECR-Management müssen unsere Themen einfach so positionieren, dass für jeden Marktteilnehmer etwas dabei ist. Dass die Themen wichtig sind und dass sie gefallen, das motiviert die Menschen dazu, mitzumachen, ein Teil der ECR-Community zu werden. Ich freue mich jedenfalls darauf, diese einzigartige Plattform mit vielen interessanten Persönlichkeiten von Handel und Industrie gemeinsam für die Zukunft zu gestalten. (jm)

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