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Wie Bio-Produkte unser Klima schützen können © Rerwe

Natalie Lehner, Andreas Kranzler, Marlene Auer, Andreas Steidl und Karin Frick.

© Rerwe

Natalie Lehner, Andreas Kranzler, Marlene Auer, Andreas Steidl und Karin Frick.

Redaktion 01.04.2021

Wie Bio-Produkte unser Klima schützen können

Ja! Natürlich-Expertentalk: „Klimaschutz beginnt am Teller“.

WIEN. Obwohl die Klimakrise uns alle betrifft, hat jede und jeder Einzelne oft das Gefühl, nur wenig zum Schutz des Klimas beitragen zu können. Hier setzt Ja! Natürlich mit seiner Klimaschutz-Kampagne 2021 an. Zum Auftakt des Schwerpunkts diskutierten Andreas Steidl (Ja! Natürlich), Natalie Lehner (Greenpeace), Karin Frick (Gottlieb Duttweiler Institut) und Andreas Kranzler (Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL) beim Online-Klimatalk. Wie es um die Konsumentenbedürfnisse steht, warum Regionalität allein nicht das Klima rettet und dass der Kauf von CO2-Zertifikaten nicht die Lösung der Klimakrise sein kann – all das und mehr wurde von der kompetenten Runde beleuchtet. Fazit: Bio-Landwirtschaft und Bio-Produkte sind wichtige Bausteine für den Klimaschutz.

„Der Mensch trifft am Tag etwa 3.000 Entscheidungen“, weiß Karin Frick, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in der Schweiz. Viele dieser Entscheidungen haben konkrete Auswirkungen auf uns und unsere Umwelt. Unsere täglichen Ernährungsgewohnheiten zum Beispiel haben große Folgen für die Klimabilanz unserer Gesellschaft. Das Bewusstsein dafür ist allerdings noch viel zu wenig ausgeprägt. Die Trendforscherin erklärt diesen Umstand beim Ja! Natürlich Online-Klimatalk so: „Wir beobachten, dass die Bereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten für eine Verhaltensänderung wächst. Doch die Bedrohung ‚Klimawandel‘ bleibt sehr abstrakt. Im Unterschied zur Corona-Pandemie, wo viele Leute krank werden oder auch sterben, können wir die Folgen des Klimawandels nicht direkt spüren. Das heißt, der unmittelbare Leidensdruck ist bei diesem Thema – zumindest vorerst – noch kleiner. Darum fällt es auch schwerer, ganz konsequent sein Verhalten zu ändern. Man fällt immer wieder in alte Gewohnheiten zurück, weil es bequemer oder billiger ist. Wir beobachten aber schon, dass der soziale Druck, klimafreundlicher zu handeln, zunimmt.“

Das Tischlein deckt sich nicht von selbst …
An dieser Bewusstseinsbildung setzt Österreichs Bio-Pionier Ja! Natürlich mit seiner eben gestarteten Klimaschutz-Kampagne an. Andreas Steidl, Geschäftsführer und Leiter des Produkt-, Qualitäts- und Rohstoffmanagements von Ja! Natürlich weiß, dass Veränderungen Zeit brauchen. „Ja! Natürlich setzt seit 27 Jahren auf Bio. In dieser Zeit schuf
Ja! Natürlich eigene Produktionsstandards und Haltebedingungen, die substanziell über den Mindeststandard hinausgehen und relevante Aspekte des Klimaschutzes berücksichtigen. Dadurch leisten wir mit unseren starken Partnern in der heimischen Bio-Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz. Bio von Ja! Natürlich bedeutet seit jeher Verantwortung gegenüber Mensch, Natur, Tier und Umwelt“, erklärt Andreas Steidl. Der diesjährige Schwerpunkt des Bio-Pioniers erinnert daran, dass wir den Klimaschutz aktiv mitgestalten, wenn wir bewusst darauf achten, was tagtäglich auf unseren Tellern landet.

Wie klimafreundlich is(s)t Österreich?
Gemeinsam mit Greenpeace und FiBL ermittelt Ja! Natürlich im Rahmen einer unabhängig durchgeführten Studie den Klima-Impact verschiedener Lebensmittel wie etwa Brot und Äpfel. Die Ergebnisse der Studie werden im Sommer präsentiert. Die Analyse wird aufzeigen, wie künftig die Produktion und der Konsum von Lebensmitteln in Österreich noch klima- und umweltfreundlicher werden können. Natalie Lehner, Expertin für Lebensmittel und Landwirtschaft bei Greenpeace, fasst beim Ja! Natürlich Online-Klimatalk zusammen: „Eine einfache Faustregel hilft bei den meisten Konsumentscheidungen: Wir empfehlen regionale, saisonale Bio-Produkte; ferner ist darauf zu achten, dass wir keine Lebensmittelabfälle produzieren.“

Biologische Landwirtschaft ist Balsam für unser Klima
„Der Kauf von regionalen oder saisonalen Produkten trägt allein zu wenig für den Klima- und Umweltschutz bei. Wichtig ist, bei allen Warengruppen möglichst auf Bio zu setzen“, weiß Andreas Kranzler, Geschäftsführer und Experte Wissenstransfer FiBL Österreich. „Die Bedeutung artgerechter Fütterung und heimischer Futtermittel ist enorm. Der Import von Sojaprodukten aus Südamerika zerstört im Endeffekt unsere für das Klima so wichtigen Regenwälder.“ Natalie Lehner unterstreicht, dass die umweltverträglichere Fütterung von Tieren in der Bio-Landwirtschaft einen großen positiven Einfluss auf die Klimabilanz hat, da etwa auf Soja-Futtermittel aus Übersee größtenteils verzichtet wird. Die Verwendung lokaler sowie vielfältiger und biologisch erzeugter Futtermittel trage darüber hinaus zu einer positiven Klimabilanz und einem gesunden Boden bei, ergänzt Andreas Steidl. Dieser Kreislauf sei das Wesen eines verantwortungsvollen Bio-Ackerbaubetriebs – ein System, das bei der Auswahl unserer Lebensmittel bedacht werden sollte.

Klimaneutralitäts-Zertifikate als Greenwashing
Dass manche Unternehmen versuchen, sich durch den Kauf von Zertifikaten zur Kompensation ihres CO2-Fußabdrucks umweltfreundlich zu vermarkten, führt nicht zur Rettung unseres Klimas, ist Lehner überzeugt: „Solche Kompensationsmaßnahmen können unser Klima nicht retten. Sie erwecken fälschlicherweise den Eindruck, dass die angefallenen Emissionen ausgeglichen werden. Zertifikate für Kompensationen stehen in keiner Relation zu dem gekauften Produkt und machen aus einem klimaschädlich produzierten Lebensmittel kein klimafreundliches. Unternehmen stehlen sich mit dem Zukauf von CO2-Zertifikaten aus ihrer Verantwortung heraus, in ihren Handlungsbereichen tatsächlich umweltschonende Maßnahmen zu setzen. Wir stecken mitten in der Klimakrise, wir müssen unsere Treibhausgasemissionen jetzt reduzieren. Kompensationsmaßnahmen führen zu keiner Reduktion und sind daher auch keine Lösung.“ Greenpeace sieht Zertifikate daher nicht als geeignete Maßnahme im Kampf gegen die Klimakrise. Viel wichtiger sei, dass Produzenten in ihrem eigenen Gestaltungsbereich auf eine biologische und vielfältige Landwirtschaft, Regionalität und Saisonalität setzen, um klima- und umweltfreundlicher zu agieren. Die Kompensationsziele der Zertifikate stehen in keiner Relation zum tatsächlichen Produkt, das schlussendlich angeboten wird. „Unternehmen stehlen sich mit dem CO2-Ablasshandel aus ihrer Verantwortung heraus“, bringt Natalie Lehner die Problematik abschließend auf den Punkt. (red)

Der Ja! Natürlich Klima-Talk in voller Länge zum Nachsehen: http://www.janatuerlich.at/klimatalk

 

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