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Wo Abfall zu Rohstoff wird: Niederösterreich soll Zentrum der Kreislaufwirtschaft werden © NLK Burchhart

Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger, LH-Stv. Stephan Pernkopf, Martin Wurzl, Werksleitung Fritz Egger GmbH & Co. OG Holzwerkstoffe, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker.

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Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger, LH-Stv. Stephan Pernkopf, Martin Wurzl, Werksleitung Fritz Egger GmbH & Co. OG Holzwerkstoffe, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker.

Redaktion 13.06.2022

Wo Abfall zu Rohstoff wird: Niederösterreich soll Zentrum der Kreislaufwirtschaft werden

Aktuelle Herausforderungen wie die Coronapandemie und der Ukrainekrieg haben deutlich vor Augen geführt, wie schnell es zu einer Rohstoffknappheit kommen kann und wie wichtig es ist, möglichst viele Rohstoffe im eigenen Land gewinnen zu können.

WIEN. Einen wichtigen Beitrag dazu kann eine funktionierende Kreislaufwirtschaft leisten, denn hier werden aus Reststoffen wertvolle Rohstoffe. In einer gemeinsamen Pressekonferenz von LH-Stv. Stephan Pernkopf, Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki, Bgm. Roman Stachelberger, Vizepräsident der NÖ Umweltverbände, und Martin Wurzl von der Fritz Egger GmbH & Co. OG Holzwerkstoffe wurde das Thema Kreislaufwirtschaft aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Ein großes Potenzial haben „Abfälle“, die im Rahmen der Kreislaufwirtschaft wieder zu wertvollen Rohstoffen werden. „Pandemie und Ukrainekrieg führen uns vor Augen, dass Rohstoffe nicht grenzenlos vorhanden sind, nicht weltweit und schon gar nicht in Österreich. Viele davon müssen importiert werden, schädigen durch Abbau und Transport aber Umwelt und Klima. Stockende Lieferketten wiederum schädigen die Wirtschaft und führen zu fehlenden Endprodukten für die Konsumentinnen und Konsumenten. Ein Ausweg liegt im Kreislauf: Vermeintlicher Abfall ist vielmehr Wertstoff, der ein zweites oder drittes Leben bekommen kann, indem entweder wieder wertvolle Rohstoffe recycelt werden oder als Brennstoff Wärme und Elektrizität erzeugt wird. Deswegen arbeiten die Umweltverbände und die Wirtschaft ab sofort verstärkt zusammen, um gemeinsam die Rohstoffknappheit zu bewältigen und gleichzeitig das Klima zu schützen und die Energiewende zu beschleunigen: In den nächsten Jahren werden 40 Mio. Euro in 25 Wertstoffzentren investiert, eine gemeinsame Kreislaufwirtschafts-Strategie wird erarbeitet und die Beratung für die einzelnen Betriebe wird verstärkt“, betonte  Pernkopf.

„Gemeinsam wollen wir Niederösterreich zum Zentrum der Kreislaufwirtschaft in Österreich machen“, ergänzte  Danninger. Dazu wurde bereits im Vorjahr die ecoplus- Plattform für Green Transformation & Bioökonomie geschaffen. Diese hat nun eine Aufwertung erfahren – ihr wurde seitens des Bundes die Projektverantwortung für den nationalen Bioökonomie-Cluster übertragen. Die Plattform ist aktuell mit 500 Betrieben in Niederösterreich im Austausch. „In der Kreislaufwirtschaft werden aus Reststoffen wertvolle Rohstoffe, und jeder einzelne Betrieb kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Dafür brauchen die Betriebe qualifizierte Arbeitskräfte und entsprechendes Know-how, deshalb starten wir ab Herbst eine Qualifizierungsoffensive. Gemeinsam mit dem Wifi NÖ werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Ressourcenbeauftragten ausgebildet und Geschäftsführende von kleineren und mittleren Betrieben erarbeiten Strategien, um ihr Unternehmen innerhalb von sechs Monaten klimaneutral aufzustellen.“

Die Wirtschaftskammer Niederösterreich bietet für Unternehmen geförderte Beratung im Rahmen des Ökomanagements an. WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker: „Rohstoffe aus der Region sichern die Lieferketten ab und machen die niederösterreichischen Betriebe resilienter. Das gilt für jeden Betrieb unabhängig von seiner Größe. Die betriebliche Abfallwirtschaft ist ein Beitrag eines jeden Unternehmens, um Geld und Ressourcen zu sparen und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. So bietet die Wirtschaftskammer jetzt schon im Rahmen der ökologischen Betriebsberatung geförderte Beratung für Unternehmen an und wird das Angebot ab kommenden Jahr verstärkt auf die Kreislaufwirtschaft legen.“

Kooperationsprojekt: Abfall trifft Wirtschaft
Als eines der ersten Projekte der ecoplus-Plattform für Green Transformation und Bioökonomie wurde im Vorjahr der niederösterreichische Kreislaufwirtschaftsdialog „Abfall trifft Wirtschaft“ gemeinsam mit der RU3 und den NÖ Umweltverbänden ins Leben gerufen. Es ist österreichweit die erste Zusammenarbeit von Umwelt- und Wirtschaftsressort auf diesem Gebiet – hier ist Niederösterreich also Vorreiter.
Bgm. Roman Stachelberger, Vizepräsident der NÖ Umweltverbände, informierte: „Im Restmüll ist aktuell noch ein hohes Potenzial an Wertstoffen für die Kreislaufwirtschaft vorhanden. Als NÖ Umweltverbände werden wir gemeinsam mit unseren 559 Mitgliedsgemeinden, deren Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Land Niederösterreich unser verlässliches Abfallwirtschaftssystem weiter ausbauen und laufend Bewusstseinsbildung für den Wert von richtiger Mülltrennung und recycelten Wertstoffen betreiben. Gemeinsam erhalten wir wertvolle Rohstoffe im Kreislauf und tragen so einen wesentlichen Teil zur Ressourcenschonung und dem Schutz unserer Umwelt in Niederösterreich bei.“ (red)

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