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Zielpunkt-Pleite trifft Industrie Fachverband_Lebensmittelindustrie_foto_wilke

Katharina Koßdorff, Wirtschaftskammer

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Katharina Koßdorff, Wirtschaftskammer

Redaktion 11.07.2016

Zielpunkt-Pleite trifft Industrie

Handelskonzentration wirkt sich negativ aus.

WIEN. Für Katharina Koßdorff, die Chefin des Fachverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in der Wirtschaftskammer, hat die Pleite der Lebensmittelkette Zielpunkt Ende November 2015 die heimische Nahrungsmittelindustrie "schmerzlich getroffen". Obwohl Zielpunkt nur einen Marktanteil von drei Prozent hatte, wirke sich die erneut gestiegene Handelskonzentration negativ auf die Nahrungsmittelhersteller aus.

Nach mehr als einem halben Jahr seien die "großen Auswirkungen" des Zielpunkt-Konkurses nun deutlicher sichtbar. Die Mehrzahl der Zielpunkt-Filialen sei an die drei großen Ketten Spar, Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg) und Hofer gegangen; der Marktanteil dieser drei Supermarktketten sei in Richtung 87% gestiegen, erklärte Koßdorff gegenüber der APA. Auch die immer häufiger stattfindenden Minus-25%-Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel würden die Hersteller negativ treffen.

8 Mrd. Euro Produktionsvolumen
200 Betriebe der Nahrungsmittelindustrie haben im Jahr 2015 ein Produktionsvolumen von 8 Mrd. € erzielt, davon wurde 6 Mrd. € im Export erlöst und 2 Mrd. € in Österreich. Allein auf Energy Drinks und andere Getränke-Exporte entfielen 2,1 Mrd. €. Die gesamten Exporte der Nahrungsmittelindustrie stiegen im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent, das größte Plus wurde in Richtung USA (+ 40%) und Türkei (+ 33%) und das größte Minus nach Russland (-36%) und Brasilien (-24%) verzeichnet. Der mit Abstand wichtigste Markt ist weiterhin Deutschland mit einem Exportvolumen von 2 Mrd. € (+8%).

Das Handelsabkommen der EU mit Kanada (CETA) sieht die heimische Nahrungsmittelindustrie durchwegs positiv; die Schweiz habe bereits vergleichbare Abkommen mit Kanada und China und dadurch Wettbewerbsvorteile beim Export von Nahrungsmitteln, so Koßdorff. Die Auswirkungen eines EU-Austritts Großbritanniens auf die österreichische Nahrungsmittelindustrie lassen sich derzeit schwer abschätzen. Im Jahr 2015 beliefen sich die Exporte der heimischen Nahrungsmittelindustrie nach Großbritannien auf rund 155 Mio. €. (APA)

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