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Leadership auf der USS Enterprise © APA / AFP / Valerie Macon
© APA / AFP / Valerie Macon

Redaktion 16.09.2022

Leadership auf der USS Enterprise

Am 8. September war „Star Trek Day”. Was Captain Kirk & Co. als Führungskräfte auszeichnet, analysiert Barbara Stöttinger.

Gastkommentar ••• Von Barbara Stöttinger

Der Weltraum. Unendliche Weiten … Was Captain Kirk, Mr. Spock & Co. als Führungskräfte auszeichnet und was heutige Leader von ihnen lernen können.

Als am 8. September 1966 die erste Staffel von Raumschiff Enterprise („Star Trek”) im US-Fernsehen ausgestrahlt wurde, war ihrem Erfinder, Gene Roddenberry, vermutlich gar nicht bewusst, um wie viel diese Fernsehserie ihrer Zeit voraus war …

Ein neues Zeitalter

Auf der Brücke der USS Enterprise NCC-1701 arbeiteten ein US-Amerikaner (Captain Kirk), ein Asiate (Steuermann Sulu), ein Russe (Navigator Chekow), ein Schotte (Chef-Ingenieur Scotty), eine Afroamerikanerin (Nachrichtenoffizierin Uhura) und ein Vulkanier (!) (Commander Spock) zusammen, um friedlich neue Welten und neue Zivilisationen zu erforschen. Aber auch abseits dieser außergewöhnlichen Ziele und Errungenschaften war die Führungsmannschaft der Enterprise – beim Thema Leadership – ihrer Zeit weit voraus.

Captain James T. Kirk

Hätten wir nicht alle gern einen Chef oder eine Chefin wie Captain Kirk? Kirk verkörpert die geborene Führungskraft, die mit gutem Beispiel vorangeht, effektiv, intelligent und charismatisch, eine geradezu magnetische Persönlichkeit. Kirk versteht es exzellent, sein Team zu motivieren, die gemeinsamen Ziele zu verfolgen und bei Bedarf in eine andere Richtung zu lenken. In heiklen Momenten ist er stets 100-prozentig fokussiert und scheut nicht davor zurück, auch schwierige und unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Dabei vergisst er allerdings nie, dass er bei allem Risiko die Verantwortung für seine 400 Mann und Frau starke Besatzung und das Schiff hat. Als Kapitän der Enterprise kann er außerdem fast alles (er steuert die Enterprise auch allein, wenn es notwendig ist), vertraut aber stets auf die Expertise seines Führungsteams.
Was heutige Führungskräfte von Kirk lernen können: Jim hat sein Team so zusammengestellt, dass es aus möglichst verschiedenen Persönlichkeiten besteht. Aktuelle Studien zeigen, dass ein hoher Grad an Diversität ein großer Erfolgsfaktor ist. Damit sind nicht nur unterschiedliche Herkunft, Alter oder Geschlecht gemeint – auch unterschiedliche, sich ergänzende Kompetenzen tragen zur Diversität bei.
Führungskräfte sind daher gut beraten, ein Team zusammenzustellen, das sich in Talenten, Stärken, Schwächen und sozialen Rollen stark unterscheidet. Zudem ist Kirk sehr fokussiert. Viel zu oft sind wir heute gefangen im Micro-Management und übersehen das, was eigentlich wichtig ist: Nämlich mutig die richtigen Dinge zu tun und damit effektiv zu sein.

Commander Spock

Charakteristisch für Mr. Spock ist sein legendärer Ausspruch „Faszinierend!”, mit dem er auf Phänomene reagiert, die anderen unglaublich, aber auch bedrohlich erscheinen. Damit unterstreicht er seine wissenschaftliche und zugleich neutrale Sicht der Dinge, die dazu beiträgt, dass er knifflige und komplexe Situationen eher als Herausforderungen, denn als Gefahren interpretiert. Spocks weit überdurchschnittliche Fähigkeiten im Umgang mit Computern und modernen Technologien retten in mehreren Episoden seine Kollegen und die Enterprise vor dem Untergang. Sein Führungsstil ist sachlich und praxisorientiert, er erklärt seinem Team nicht, was Sache ist, sondern geht mit gutem Beispiel voran.

Obwohl Spock Situationen stets datenbasiert analysiert, verkörpert er als Halbvulkanier eine wunderbare Mischung aus Rationalität, Logik, aber auch menschlicher Intuition. Umgelegt auf den Führungsalltag, bedeutet das: Es ist gut, wie Spock einen kühlen Kopf zu bewahren und seine Entscheidungen daten- und faktenbasiert zu treffen; dennoch empfiehlt es sich, bisweilen das sprichwörtliche Bauchgefühl in die Überlegungen miteinzubeziehen.

Dr. Leonard „Pille” McCoy

McCoy war der erste medizinische Offizier. Kirk sucht oft Rat bei McCoy und vertraut sich diesem – gerade in schwierigen Situationen – an. McCoy wiederum scheut sich nicht gegenüber seinem Captain, die Meinung zu sagen, wenn er glaubt, dass Kirk falsch liegt. Seine berühmten Aussprüche („Verdammt Mann, ich bin Arzt, kein Physiker!” oder „Was bin ich, ein Arzt oder ein Mondfähren-Schaffner?”) verdeutlichen, in welch vielschichtigen Themenbereichen er Kirk zur Seite stehen musste.

Pille könnte man auch als den Coach oder Mentor in der Organisation bezeichnen. Was ihn besonders auszeichnet, sind Empathie und die Fähigkeit, sich in Menschen hineinzufühlen. Zu wissen, in welchen Situationen es klare Vorgaben und in welchen ein einfühlsames Einzelgespräch braucht, ist eine Schlüsselkompetenz: Empathische Führungskräfte genießen ein höheres Vertrauen bei ihrem Team, ihre Mitarbeiter reagieren offener, sind motivierter und weniger oft von Burnout betroffen. Zum anderen ist Pille auch oft in der Rolle des Mentors, der ebenso zuhören wie kritisch hinterfragen kann. Pille scheut sich nicht, seinem Chef zu widersprechen. Führungskräfte, die das als Kompetenz erkennen, aktiv fördern und selbst leben, wirken authentischer und werden im Job erfolgreicher sein, weil sie immer ein Team haben, das hinter ihnen steht.

LCDR Montgomery Scott

Lt. Commander Montgomery „Scotty” Scott war Chefingenieur und Zweiter Offizier auf der Enterprise: Führungskräfte mit ausgeprägtem Fachwissen sind ein integraler Bestandteil jedes Teams, sie bilden das Rückgrat der Organisation. Scotty ist ein Paradebeispiel dafür: Er steht nicht gerne im Rampenlicht, zieht aber im Hintergrund gekonnt die Fäden. Nicht nur ist er selbst in der Lage, in stressigen Situationen und unter extremen Druck Höchstleistungen zu erbringen, er legt mit seiner professionellen Arbeit auch die Basis dafür, dass Kirk, Spock & Co. ihre Arbeit reibungslos erledigen können und zu den eigentlichen Helden (der Geschichte) werden.

Was heutige Führungskräfte von „Scotty” lernen können: Scotty hat eine besondere Rolle im Top-Management der Enterprise: Aus Sicht der sozialen Rollen betrachtet, ist er der Helfer, der die Dinge anpackt, sich für nichts zu schade ist und immer dann zur Stelle ist, wenn Not am Mann ist. „Scottys” sind wertvolle Schlüsselfiguren, die auch keine Angst haben, zu scheitern, sondern mutig Neues ausprobieren, schnell lernen und sehr anpassungsfähig sind. Sie sind die Troubleshooter, die komplexe Zusammenhänge verständlich auflösen und Probleme aller Art lösen können.

The End – beinahe …

Einen – aus heutiger Sicht elementaren – Aspekt hätte Gene Roddenberry bei all der Fortschrittlichkeit und visionären Denkweise Mitte der 1960er-Jahre noch mitbedenken können, als er sich das Raumschiff Enterprise und seine Führungscrew ausgedacht hat: Im Top-Management des schweren Kreuzers der Constitution-Klasse, der USS Enterprise NCC-1701, sind keine weiblichen Führungskräfte zu finden.

Aus diesem Grund ergänzen wir heute einen Eintrag im „Computerlogbuch der Enterprise”: Sternzeit 2022. Commander Scott. Captain wir haben ein Problem – ein Problem mit der Frauenquote auf der Brücke – so wie viele Unternehmen im Übrigen heutzutage auch noch.


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