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Lockdown erschwerte praktische Ausbildung © Raiffeisen NÖ-Wien/Roland Rudolph
© Raiffeisen NÖ-Wien/Roland Rudolph

Redaktion 11.09.2020

Lockdown erschwerte praktische Ausbildung

Laut OECD wurden die berufsbildenden Bildungsgänge von der Pandemie am härtesten getroffen.

Zeitgleich mit dem Integrationsbericht („Der Bildungsbereich bleibt eine Baustelle in der Integration”, konstatierte die Vorsitzende des Integration-Expertenrats, Katharina Pabel) wurde am Dienstagvormittag auch die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2020”* vorgestellt. Erstes Fazit: Österreich ist als Land mit starker Berufsbildung von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie im Schulbereich stark betroffen. So sei etwa der praktische Unterricht als wichtiger Lehrplan-Teil sowohl in der Lehre als auch an berufsbildenden Schulen im Distance Learning schwierig zu vermitteln, heißt es im Bericht.

Fokus auf berufliche Bildung

Die jährlich erscheinende Studie legt heuer einen Schwerpunkt auf die berufliche Bildung. Das umfasst etwa in Österreich vor allem die Lehre wie auch die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS; z.B. HTL, Handelsschulen, Handelsakademien), wobei die vierte und fünfte Klasse BHS bereits zum tertiären Bildungsbereich (Hochschule) gezählt wird.

Österreich wird in der Studie dabei mehrfach hervorgehoben: Der Anteil der Schüler auf der Sekundarstufe II (das sind vor allem AHS-Oberstufen, BMHS und Berufsschulen/Lehre), die eine Schule mit Berufsorientierung besuchen, liegt in Österreich bei 68% – im OECD-Schnitt sind es nur 42%.

Lehre, BHS & Co.

Wie in den meisten anderen Staaten befindet sich in Österreich der Großteil der Teilnehmer (72%) an einem berufsbildenden Bildungsgang in der Sekundarstufe II – also vor allem in einer Lehre, einer berufsbildenden mittleren Schule oder den ersten drei Klassen einer BHS.

23% absolvieren einen kurzen tertiären Bildungsgang, das sind in Österreich vor allem die letzten beiden BHS-Klassen. Die restlichen fünf Prozent besuchen einen postsekundären Bildungsgang.

Problem Praxisunterricht

Laut OECD wurden gerade die berufsbildenden Bildungsgänge von der Pandemie am härtesten getroffen: „Berufsbildende Bildungsgänge sind gegenüber den allgemeinbildenden Bildungsgängen doppelt benachteiligt”, heißt es. „Erstens bildet der praktische Unterricht sowohl bei schulischen als auch bei kombinierten schulischen und betrieblichen Bildungsgängen einen wichtigen Teil des Lehrplans, der im Fernunterricht schwierig zu vermitteln ist. Einige Fächergruppen, wie Agrarwirtschaft, Gesundheitswesen, Ingenieurwesen, Baugewerbe oder Handwerk, erfordern spezielle Ausrüstung, das Lernen in Kleingruppen bei praktischem Anschauungsunterricht und sorgfältige Aufmerksamkeit seitens der Lehrkräfte, um sicherzustellen, dass die Schüler die Vorgaben auch richtig umsetzen.”

Folgen des Lockdowns

Dazu komme noch, dass in manchen der dualen beruflichen Ausbildungsgänge (z.B. Lehre) der Umfang der betrieblichen Komponente mehr als 60% der Lernzeit ausmacht. „Die Folgen des Lockdowns für diese Bildungsgänge sind daher schwerwiegender, obwohl sie normalerweise seitens der Unternehmen am stärksten nachgefragt werden und bessere Beschäftigungschancen bieten.”

So hätten etwa Gastronomie- oder Tourismusunternehmen ihren Betrieb zumindest vorübergehend einstellen müssen. „Angesichts einer sich abzeichnenden Wirtschaftskrise kommt auch die Frage auf, ob Betriebe weiterhin Auszubildende aufnehmen werden, wenn sie sich auf ihren betriebswirtschaftlichen Neustart konzentrieren.”

Faßmann: „Erfolgsmodell”

Als „Erfolgsmodell” bezeichnete Bildungsminister Heinz Faßmann in einer Reaktion auf den Bericht die berufsbildenden höheren Schulen in Österreich. „Die beachtlichen Investitionen, die das Bildungsministerium in diesem Bereich tätigt, machen sich bezahlt. Die Absolventinnen und Absolventen haben neben der Matura bereits eine umfassende Berufsausbildung erworben und sind am Arbeitsmarkt gefragter denn je.”

Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung lagen 2017 übrigens knapp unter dem OECD-Schnitt: In Österreich werden 4,8% des BIP für Bildungseinrichtungen vom Primar- bis Tertiärbereich verwendet, in der OECD sind es im Schnitt 4,9%. Der Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die weder beschäftigt noch in Ausbildung sind, liegt mit 10,4% unter dem OECD-Schnitt von 13%. (APA/red)


* „Education at a Glance” ist die jährliche Publikation der OECD von Bildungsindikatoren, die verschiedene Bereiche und ­Aspekte des Bildungswesens behandelt.

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