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Urbane Mythen © AFP/James Nielsen

Für die Studie wurden sechs CEOs analysiert: Jeffrey Skilling (Enron; Bild r., mit Anwalt), Bernard Ebbers (WorldCom), Dennis Kozlowski (Tyco International), Richard Fuld (Lehman Brothers), Calisto Tanzi (Parmalat), Thomas Middelhoff (Arcandor).

© AFP/James Nielsen

Für die Studie wurden sechs CEOs analysiert: Jeffrey Skilling (Enron; Bild r., mit Anwalt), Bernard Ebbers (WorldCom), Dennis Kozlowski (Tyco International), Richard Fuld (Lehman Brothers), Calisto Tanzi (Parmalat), Thomas Middelhoff (Arcandor).

Redaktion 14.10.2022

Urbane Mythen

Lauter Psychopathen in der Chefetage? Ein Forscher der WU Wien zeigt jetzt: Viel ist nicht dran an der Legende.

••• Von Alexander Haide

WIEN. Der Bilanzbetrug von CEO Jeffrey Skilling kostete mehr als 21.000 Angestellte des US-Konzerns Enron den Job. Thomas Middelhoff, Ex-Chef von Arcandor, wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Calisto Tanzi, Erbe des Parmalat-Konzerns, zog ein weitläufiges Korruptionsnetz auf und wurde im Jahr 2008 zu zehn Jahren Haft verdonnert. Das sind nur drei von sechs einst mächtigen CEOs, die sich Günter K. Stahl vom Institute for International Business der WU Wien mit seinen Ko-Autoren Milda Zilinskaite und Stephan Döring zur Brust genommen hat. Es heißt – und das wird auch von einigen wissenschaftlichen Untersuchungen untermauert –, Manager mit psychopathischen Zügen seien gut für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens Aber stimmt das?

Die Studie untersuchte, ob eine sogenannte „dunkle Triade” vorliegt. Darunter versteht man drei Persönlichkeitsmerkmale: Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie. Die Ergebnisse zeigen bei allen sechs CEOs machiavellistische Tendenzen und bei zwei von ihnen stark narzisstische Züge. Aber: Die Studie kann bei den untersuchten Personen keine Hinweise auf „dunkle” Verhaltensmuster in der Kindheit oder Jugend nachweisen. Außerdem scheinen sich diese Tendenzen auf den beruflichen Bereich zu beschränken. Dies schließt die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung aus und wirft die Frage auf, welche Rolle das Unternehmen bei der Ausprägung dunkler Persönlichkeitsmerkmale spielt.

Systemisches Versagen

Eine eingehende Untersuchung der ethischen Infrastrukturen der sechs Unternehmen vor und zu Beginn der Amtszeit dieser CEOs zeigt vielmehr ineffektive interne Unternehmensführung, falsch ausgerichtete Anreizsysteme, fehlende Verhaltensregeln, dysfunktionale Unternehmenskulturen und einen Konformitäsdruck des Top-Management-Teams.

Das lässt darauf schließen, dass das Fehlverhalten gewissermaßen systemisch war. Mangelnde ethische Infrastruktur kann die Ausprägung dunkler Tendenzen im Verhalten der Vorstandsvorsitzenden begünstigen.

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