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Wer suchet, der findet: ein Recruiterleitfaden © APA/dpa/Malte Christians
© APA/dpa/Malte Christians

Redaktion 24.04.2020

Wer suchet, der findet: ein Recruiterleitfaden

Viele Unternehmen fischen mit denselben Ködern, aber Gratiskaffee und Wuzeltische sind heute zu wenig.

••• Von Helga Krémer

Im Idealfall hat ein Unternehmen – egal wie groß oder klein – genau die Mitarbeiter, die es braucht. Und die auch noch zu ihm passen. Abseits des Idealfalls unterstützt das Workbook „Human Resource Management”, herausgegeben vom Zukunfts­institut, Unternehmen dabei, die richtigen Mitarbeiter ausfindig zu machen – innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Es zeigt, worauf es künftig ankommt, um die besten Köpfe ins Unternehmen zu bekommen und sie auch zu halten.

medianet hat für Sie quergelesen …
Das Workbook leitet durch sieben Faktoren für erfolgreiches Personalmanagement:

• Zielsetzung und HR-Anliegen – Was will das Unternehmen?
• Resonanzraum – Wer passt zum Unternehmen?
• Bedarf – Wen braucht das Unternehmen?
• Matching und Strategie – Was ist zu tun?
• Ansprache – Wie werden die passenden Mitarbeiter erreicht?
• Bewerber-Check – Wie testet man, ob die Kandidaten passen?
• Bindungskraft – Wie können Top-Mitarbeiter gehalten werden?

Dabei greift es auf die erprobten Tools und Methoden des Zukunftsinstituts, insbesondere das Lebensstil-Modell, zurück.
… und fragte sich ‚Wozu das Ganze?' Besser beantworten kann dies freilich der Co-Autor des Workbook und Lebensstil-Experte Philipp Hofstätter.


medianet:
Wieso ist es gerade heute relevant, sich mit der Zukunft des HR zu beschäftigen? Was sind die größten Veränderungen in diesem Bereich?
Philipp Hofstätter: Unser Verständnis von HR und Recruiting unterzieht sich gerade einem fundamentalen Wandel. Das liegt vor allem auch daran, dass Unternehmen merken, dass der sogenannte War for Talents unausweichlich ist. Mitarbeiter überlegen sich heute ganz genau, für wen sie arbeiten möchten, und zögern auch nicht, bei Unzufriedenheit den Arbeitgeber zu wechseln. Das führt dazu, dass Begriffe und Methoden, die primär aus dem Marketing und Customer Relations bekannt sind, nun auch im HR-Bereich Verbreitung finden. Stichwort: Employer Branding, Employee Experience, etc.

Gleichzeitig ist aber auch sichtbar, dass dabei noch recht undifferenziert agiert wird. Das bedeutet: Die meisten Unternehmen fischen im selben Teich und mit denselben Ködern – gratis Kaffee, Tischfußball, ‚Social Benefits', usw. Unternehmen gehen gerne davon aus, dass die Arbeitskräfte von heute alle dieselben Bedürfnisse teilen. Tatsächlich ist unsere Gesellschaft unglaublich divers und unterschiedliche Lebensstile haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse.


medianet:
Diese unterschiedlichen Bedürfnisse sollten Unternehmen also adressieren?
Hofstätter: Viele Unternehmen wissen gar nicht, was sie eigentlich anzubieten haben. Bei manchen Unternehmen kann man sehr viel in kurzer Zeit lernen, andere leben ein intensives Miteinander, wiederum andere können mit einem besonders sicheren Arbeitsplatz oder auch einfach hohem Gehalt punkten.

Unterschiedliche Unternehmen können und sollten unterschiedliche Lebens- und Arbeitsstile adressieren, wenn sie in Zukunft effektives Recruiting betreiben und Ihre Arbeitskräfte auch langfristig binden wollen. Dazu muss man aber erst einmal erkennen, wofür man selbst steht und welche Lebensstile am besten zum eigenen Unternehmen passen.


medianet:
Absichtlich sehr ketzerisch ausgedrückt: Diese sieben Faktoren für erfolgreiches Personalmanagement erscheinen ziemlich aufwendig – Stichwort Relations Mapping – nur um einen Job zu besetzen …
Hofstätter: Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass nicht jede der beschriebenen Übungen für die Besetzung jeder Position durchgeführt werden muss. Gerade das Relations Mapping ist eine Übung, die relativ grundlegend ist.

Kurz gesagt, geht es dabei darum, herauszufinden, welche Lebens- bzw. Arbeitsstile am besten zum eigenen Unternehmen, der Abteilung oder dem Team passen. Das ist eine Erkenntnis, die in der Regel über eine längere Zeit hinweg Gültigkeit hat. Entsprechend muss die Übung auch nicht für jede Neubesetzung neu durchgeführt werden, sondern soll vielmehr als generelle Orientierung dienen.
Gerade die aufwendigeren Übungen dienen also eher als strategisches Werkzeug. Jene Tools, die häufiger eingesetzt werden müssen, sind demgegenüber sehr schnell und einfach anwendbar.


medianet:
Ab welcher Firmengröße oder ab welcher Position eignet sich das Workbook?
Hofstätter: Das Buch eignet sich für kleine Unternehmen im Wachstum – da es gerade auch bei diesen gilt, sehr behutsam mit der eigenen Unternehmenskultur umzugehen –, bis hin zu multinationalen Konzernen, die ihrer HR-Abteilung einen neuen Drive verleihen wollen.

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