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Die Unternehmen krönen uns zur globalen Nr. 1 © Panthermedia.net/York
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Redaktion 05.10.2018

Die Unternehmen krönen uns zur globalen Nr. 1

Wealth Report: Heimische Schuldenstandsquote ist beste aller Industrieländer – dank österreichischer Firmen.

••• Von Reinhard Krémer

Die gute Nachricht: Die Finanzkrise ist verdaut und endgültig Geschichte. In den westlichen Ländern nehmen die Vermögen auf breiter Front zu.

Die schlechte Nachricht: Auch der Verschuldungsgrad steigt wieder – leider fast so schnell wie die Vermögen.

Industrieländer vorn …

Im Detail sieht das so aus: Anders als in den Jahren zuvor hat sich 2017 nämlich auch das weltweite Vermögenswachstum entwickelt. Während es in den Industrieländern, allen voran den USA, um mehr als einen Prozentpunkt zulegte, ging es in den Schwellenländern um drei Prozentpunkte zurück, nicht zuletzt, weil sich das Vermögenswachstum in China erheblich verlangsamte.

… USA an der Spitze

Im Jahr 2017 gingen rund 44% des globalen Zuwachses im Brutto-Geldvermögen der Haushalte auf das Konto der USA – und nur noch rund 25% auf das Konto Chinas.

Allein in China ist seit dem Jahr 2000 aber rund 500 Mio. Menschen der Aufstieg in die globale Vermögensmittelklasse gelungen, und noch einmal mehr als 100 Mio. können sich heute sogar schon der globalen Vermögensoberklasse zurechnen.
Die letzten beiden Jahrzehnte der stürmischen Globalisierung ließen weltweit eine neue Vermögensmittelklasse entstehen, zu der bereits nahezu 1,1 Mrd. Menschen zählen – mehr als doppelt so viele wie zur Jahrtausendwende.
Das Brutto-Geldvermögen der Österreicher legte im Jahr 2017 um 3,3% zu, nur einen Hauch schneller als im Vorjahr. Gleichzeitig schwächte sich das Wachstum der Verbindlichkeiten auf zwei Prozent ab.

Österreich vor Deutschland

Aufgrund des mäßigen Kreditwachstums beschleunigte sich 2017 das Wachstum des Netto-Geldvermögens auf 3,8%. Mit einem Netto-Geldvermögen von 53.980 € pro Kopf liegt Österreich in der Rangliste der 20 reichsten Länder unverändert auf dem 17. Platz, einen Rang vor Deutschland. An der Spitze thront – nach einem Jahr Pause – wieder die Schweiz.

Auch sonst stehen die europäischen Länder 2017 insgesamt besser da als in den Vorjahren; dies führen Experten in erster Linie auf die Aufwertung des Euro im vergangenen Jahr zurück. Global wuchs das Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte kräftig, nämlich um 7,7%, und erreichte eine Gesamthöhe von insgesamt 168 Billionen €.
Rund um den Globus verloren Bankeinlagen im vergangenen Jahr in der Gunst der privaten Haushalte; Aktien und Investmentfonds hingegen boomten.

Gegen den Strom

Nur nicht in Österreich. Mit knapp 80% floss hierzulande auch 2017 der Großteil der frischen Spargelder in Bankeinlagen. Die Inflation konnte damit nicht mehr kompensiert werden, die reale Rendite des Geldvermögens fiel im vergangenen Jahr auf 0,1 Prozent.

„Die Rückkehr der Inflation ist Gift für die ‚Sparbuch-Sparer', die privaten Sparanstrengungen sind hierzulande praktisch im Sand verlaufen”, kommentiert Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich.

Rendite schleißig

Im Durchschnitt der letzten sechs Jahre erzielten die österreichischen Haushalte eine reale Rendite von weniger als ein Prozent – dies ist mit Abstand der schlechteste Wert im gesamten Euroraum.

Österreichs Haushalte konnten aber auch als Schuldner vom Zinsverfall nur wenig profitieren. Seit Beginn der geldpolitischen Lockerung steht ein dickes Minus von 14 Mrd. € bei den Nettozinseinkommen zu Buche.

Wir sind Kaiser!

In Summe aller Sektoren (private Haushalte, Staat, nicht-finanzielle Kapitalgesellschaften und finanzielle Kapitalgesellschaften) reduziert sich dieses Minus dank der heimischen Unternehmen allerdings auf drei Mrd. € (knapp ein Prozent des BIP). Mit 51,6% des BIP liegt Österreichs Schuldenstandsquote – Achtung, Trommelwirbel! – so niedrig wie in keinem anderen Industrieland der Welt.

Weltweit war 2017 ein nahezu perfektes Jahr für die Anleger, doch nun geht die Post-Krisen-Ära unwiderruflich zu Ende, meint Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz: „Die Zeichen stehen auf Sturm”. Höhere Zinsen, Handelskonflikte und eine populistische Politik verursachen Turbulenzen.

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