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Jetzt droht uns die globale Insolvenzwelle © APA/Helmut Fohringer
© APA/Helmut Fohringer

Redaktion 09.10.2020

Jetzt droht uns die globale Insolvenzwelle

Die Pleiten könnten nächstes Jahr in Österreich um 15% steigen – in den USA sogar um mehr als 30%.

••• Von Reinhard Krémer

Dank massiver staatlicher Interventionen ist die Zahl der Unternehmenspleiten bislang rückläufig. Die Insolvenzen und damit auch die Zahl der Arbeitslosen wurde unter Kontrolle gebracht – noch.

Das könnte sich im kommenden Jahr dramatisch ändern: „Durch die staatlichen Interventionen, wie zum Beispiel der Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen oder Moratorien bei den Insolvenzantragspflichten, werden sich zahlreiche Insolvenzen auf 2021 verschieben”, sagt Peter Androsch, Geschäftsführender Gesellschafter der Kreditversicherungsmaklergesellschaft A.C.I.C.; wie groß das Ausmaß für Österreich und seine wichtigsten Handelspartner aus­fallen könnte, wurde anhand der Daten der Kreditver­sicherungsgesellschaften errechnet.

2020 verfälscht das Bild

Diese Durchschnittswerte hat Androsch für 2021 mit den Werten von 2019 verglichen. Das Jahr 2020 hat der Experte bewusst ausgeklammert, weil es ein trügerisches Bild ergibt: Im bisherigen Verlauf 2020 ist die Zahl der Unternehmens­insolvenzen im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2019 in Österreich noch um ein Drittel gesunken, wie die Auswertungen vom KSV1870 zuletzt gezeigt hatten. Zugleich haben sich die Schulden der Unternehmen verdoppelt.

Pleiten explodieren weltweit

Laut den Berechnungen von Androsch anhand der Daten der vier großen Kreditversicherer wird die Zahl der Unternehmenspleiten im Jahr 2021 in Österreich im Vergleich zu 2019 um 15% steigen.

Bei Österreichs zweitwichtigster Export-Nation, den USA, wird ein Plus von 46% erwartet, in Italien 24% und in Frankreich 28%.
Unser wichtigster Exportpartner Deutschland dürfte mit einem Anstieg um neun Prozent etwas glimpflicher davonkommen. Global wird ein Anstieg um gewaltige 31% erwartet. „Österreich hat eine stark exportorientierte Wirtschaft und wird daher von steigenden Insolvenzzahlen bei seinen wichtigsten Handelspartnern besonders betroffen sein”, warnt Androsch.


Kaum Versicherungsdeckung

Einige Sektoren bekommen die Auswirkungen des kommenden Übels bereits jetzt deutlich zu spüren: „Es gibt drei Branchen, in denen es bereits jetzt erhebliche Schwierigkeiten gibt, neue Kreditversicherungsdeckungen zu bekommen: Im Tourismus, in der Luftfahrtindustrie und in der Automobilbranche”, er­läutert der A.C.I.C.-Geschäftsführer und Gründer des Unternehmens.

Spürbar betroffen sind in weiterer Folge auch die in Österreich traditionell stark etablierten Zulieferer der Auto- und Luftfahrt­industrie.

Rechtzeitig handeln

Kreditversicherungen dienen generell der Absicherung von Lieferforderungen gegen Zahlungsausfälle. Seitens der österreichischen Kreditversicherer gibt es Deckungszusagen in Höhe von rund 56 Mrd. €, davon 39,2 Mrd. € für Exportgeschäfte und 16,8 Mrd. € für innerösterreichische Geschäfte.

„Wir stehen vor einer Pleitewelle und nicht in der Pleitewelle”, beruhigt Peter Androsch. Unternehmen, die ihre Forderungen absichern wollen, sollten sich allerdings genau aus diesem Grund bereits jetzt an einen Spezialmakler wenden.
„Wenn die Insolvenzwelle bereits rollt, werden zahlreiche Lieferanten keine Deckungszusagen mehr bekommen. Das ist wie bei einem Haus, das bereits in Brand geraten ist, und für das Sie noch schnell eine Feuerversicherung abschließen wollen”, so der Experte.

Prominente Insolvenzfälle

In der Textilbranche hat sich die Lage bereits in diesem Jahr zugespitzt, wie Insolvenz-Anträge bzw. Anträge auf Schutzschirmverfahren von Tom Tailor Holding SE, Galeria Karstadt Kaufhof GmbH sowie der deutschen Tochtergesellschaften der Modekonzerne Esprit und Pimkie gezeigt haben.

„Der Textilhandel leidet deshalb besonders stark, weil die Sommerkollektionen vor den Lockdowns bereits bezahlt oder auf Schulden gekauft wurden, dann aber nur zu einem geringen Teil verkauft werden konnten. Nun müssen die Textilhändler die Herbst- und Winterkollektion verkaufen. Selbst, wenn es zu keinem neuerlichen Lockdown kommen sollte, dürften die Umsätze spürbar unter dem Vorjahr liegen” sagt der A.C.I.C.-Geschäftsführer.

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