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Nach der Krise geht es wieder aufwärts © APA/Barbara Gindl
© APA/Barbara Gindl

Redaktion 17.04.2020

Nach der Krise geht es wieder aufwärts

Die Aussichten für die heimische Wirtschaft stehen trotz der Katastrophe nicht schlecht, meinen Experten.

••• Von Reinhard Krémer

Der Angriff kam aus Fernost und unerwartet – Covid-19 oder auch nur Corona brachte den jahrelangen Aufschwung der Wirtschaft und der Börsen zu einem abrupten Ende.

Letztere verloren weltweit zwischen 20 und 30% ihrer Indexstände, und wochenlang zitterten die Kurse erratisch und ohne klare Richtung. Basis dafür waren die deutlich gesenkten Aussichten für das Gesamtjahr.
In Deutschland gingen die Wirtschaftsweisen im schlimmsten Fall von einem konjunkturellen Rückgang um 4,5% aus; im derzeit wahrscheinlichsten Fall schrumpft die deutsche Wirtschaft heuer aber um „nur” 2,8%. Die Oesterreichische Nationalbank OeNB rechnet wegen der Coronakrise mit einem drastischen Einbruch der Wirtschaft. Das Wachstum werde dadurch um 4,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen als noch im Dezember angenommen, sagte OeNB-Gouverneuer Robert Holzmann.

Das „U” und das „V”

Statt eines Wachstums um 1,2% sei daher heuer mit einem Wirtschaftsrückgang um 3,2% zu rechnen. Das sei ein moderates Szenario – unter der Annahme, dass die Wirtschaft ab Mitte April schrittweise wieder hochgefahren wird. Sollte dies erst später geschehen, dann würde auch der Rückgang der Wirtschaftsleistung stärker ausfallen.

Doch die Experten blicken bereits in die Zeit nach der Krise: Der deutsche Weisenrat erwartet für 2021 ein nur sehr langsames Wachstum um rund ein Prozent. Die Erholung hätte dann den Verlauf eines großen „U”.
Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria sehen in Österreich einen V-förmigen Verlauf der Industriekonjunktur für 2020 mit einem starken Einbruch in den kommenden Monaten, dem aber ab dem dritten Quartal eine starke Gegenbewegung nach oben folgen sollte; die Entwicklung entspräche damit einem „V”. Damit wären die Einbußen der heimischen Industrie im Jahresdurchschnitt geringer als während der Finanzkrise. Ein „V” erwartet übrigens auch die OeNB.

Industrie ist gewappnet

Zudem sollte im Vergleich zu vielen Dienstleistungsbranchen die heimische Industrie die Coronakrise etwas besser durchtauchen können, meint Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria.

Bauchweh macht der Arbeitsmarkt: Der reagiert besonders rasch und stark auf die Maßnahmen der österreichischen Regierung gegen die Coronavirus-Pandemie. Innerhalb von zwei Wochen nach Erlass der Ausgangsbeschränkungen Mitte März und Geschäftsschließungen schnellte die Arbeitslosigkeit um knapp 200.000 Personen in die Höhe und erreichte Ende März ein historisches Rekordniveau von rund 563.000 – das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte (52,5%).
Die Börsen haben sich zuletzt weltweit stabilisiert; auch wenn von einem dauerhaften Aufschwung – noch – keine Rede sein kann.

Volatilität prägt Märkte

„Wir haben deshalb im Verlauf des März sowohl die Aktienquote als auch das Zinssicherungsrisiko signifikant reduziert. Die Entscheidung hinsichtlich der Aktien wurde zuletzt bestätigt, auch wenn sich die Märkte in den vergangenen Tagen zu stabilisieren scheinen. Das Übergreifen der Pandemie auf die USA dürfte wohl noch für ausgeprägte Volatilität sorgen. Das Zinssicherungsrisiko wurde hingegen normalisiert, weil hier aufgrund der jüngsten Aussagen diverser Notenbanken das Bedrohungspotenzial begrenzt sein dürfte. Kurzfristig wird die Marktentwicklung somit von ausgeprägter Unsicherheit gekennzeichnet sein”, sagt Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG.

„Für langfristig orientierte Investoren bieten sich aktuell interessante Kaufniveaus”, so die Raiffeisen-Expertin.
Turbulenzen gab und gibt es auch an der Rohstoffmärkten: „Dort hinterlässt das Coronavirus deutlich seine Spuren. Die unmittelbaren Auswirkungen des Nachfragerückgangs sind in dieser Anlageklasse besonders stark spürbar”, sagt Szeiler.
Einzig der Edelmetallbereich konnte profitieren: „Die Energierohstoffe mussten aufgrund der direkten Wachstumseffekte die stärksten Rückgänge verbuchen – das ist auch in der markanten „Contango-Situation” sichtbar. Eine Reaktion auf der Angebotsseite wird damit immer unausweichlicher”, so Szeiler. Sprich: Es muss weniger geschürft und gefördert werden, sonst sacken die Preise weiter ab.

Jetzt günstig einkaufen …

Vor diesem Hintergrund sieht man bei der Erste Group bereits Kaufgelegenheiten. So empfiehlt man zum Beispiel die deutsche Adidas-Aktie: „Das vergleichsweise hohe Asien-Exposure sollte dazu führen, dass sich die Aktie mit einer sich abzeichnenden Besserung der Corona-virus-Situation in Asien rascher erholen sollte als andere Konsum-Aktien. Wir erwarten, dass die Adidas-Aktie nach dem starken Rückgang der letzten Wochen mittelfristig ihre Benchmark outperformen wird”, meinen die Erste Group-Analysten Hans Engel und Stephan Lingnau.

… gern auch mal luxuriös

Eine weitere Empfehlung ist die französische Kering; sie ist im Luxusgüterbereich tätig. Ihre bekannten Marken sind: Gucci, Alexander McQueen, Balenciaga, Bottega Veneta, Boucheron, Brioni, Girard-Perregaux, JeanRichard sowie Saint Laurent Paris.

„Kering”, so die Erste Group-Experten, „hat bis Ende Jänner einen sehr guten Geschäftsverlauf hingelegt. Ab Februar hat das Coronavirus in China die Absätze beeinträchtigt. Daher ist kurzfristig mit einer erhöhten Volatilität der Aktie zu rechnen. Mittelfristig sollte sie ihre Benchmark outperformen.” Abgeraten wird vom Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M): „Die operative Marge ist niedriger als bei den Mitbewerbern.”

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