HEALTH ECONOMY
Corona-Impfstoff wirft noch viele Fragen auf © APA/AFP/Nicolas Asfouri
© APA/AFP/Nicolas Asfouri

Redaktion 20.11.2020

Corona-Impfstoff wirft noch viele Fragen auf

Immer mehr Firmen melden Forschungserfolge. Offen ist hingegen die Logistik einer breiten Impfaktion.

••• Von Martin Rümmele

WIEN/NEW YORK. Im globalen Rennen um einen Corona-Impfstoff hat ein weiteres Forschungsprojekt einen großen Erfolg gemeldet. Das Mittel des US-Biotechkonzerns Moderna zeigte nach Angaben des Unternehmens in einer Zwischenanalyse eine Wirksamkeit von 94,5% beim Schutz vor Covid-19. Moderna erwartet, in den kommenden Wochen in den USA eine Notfallgenehmigung beantragen zu können; die Europäische Arzneimittelagentur EMA leitete am Montag einen beschleunigten Zulassungsprozess ein.

Zulassung bis Ende 2020?

Eine Woche davor hatten die deutsche Biotechfirma Biontech und ihr US-Partner Pfizer als weltweit erste Unternehmen einen Erfolg aus ihrer entscheidenden Studie veröffentlicht. Demnach bietet ihre Impfung einen mehr als 90%igen Schutz vor Covid-19, noch in diesem Monat ist der Antrag für eine Notfall­genehmigung in den USA geplant. Pfizer-Österreich-Chef Robin Rumler erwartet eine Zulassung des Impfstoffs bis Jahresende.

Das Medikament des Pharmakonzerns Sanofi wiederum soll im Juni 2021 fertig zur Auslieferung sein. Der Impfstoffkandidat befindet sich derzeit in der Phase-II der klinischen Studien. Der US-Arzneimittelhersteller Johnson & Johnson hat in Großbritannien eine neue Spätstudie für seinen experimentellen Corona-Impfstoff Ad26COV2 begonnen. Probanden erhielten entweder zwei Dosen des Vakzins oder ein Placebo in einem Abstand von 57 Tagen, sagte Saul Faust, Professor für pädiatrische Immunologie und Infektionskrankheiten, der die Studie am Universitätsklinikum Southampton mitleitet. Parallel forscht das Unternehmen mit 60.000 Testpersonen, ob auch eine einzelne Impfdosis ausreichend Schutz gegen eine Infektion bietet.
Eine Hürde wird allerdings die Logistik sein – hier sind noch viele Fragen offen. In Österreich wird derzeit an einem Konzept gearbeitet, wie die Impfung möglichst rasch verbreitet werden kann. Eine Hürde ist dabei die Lagertemperatur. Das Mittel von Biontech/Pfizer muss gefroren bei rund minus 70 Grad bis zum Ort des Impfens transportiert werden, wie Pfizer am Dienstag mitteilte. An den Impfzentren könnten nach Angaben des Pharmakonzerns kleine, tragbare Ultra-Niedrig-Temperatur-Gefrierschränke angeschafft werden, die die Haltbarkeit auf bis zu sechs Monate verlängern könnten, hieß es.

Kühltemperatur unklar

Der Corona-Impfstoffkandidat von Sanofi soll nach Angaben des Unternehmens bei normaler Kühlschranktemperatur gelagert werden können; Moderna teilte mit, dass das Präparat bei minus 20 Grad bis zu sechs Monate gelagert werden kann.

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