HEALTH ECONOMY
Die Pflege stößt an ihre Grenzen © PantherMedia/alexraths

Mit dem Alter steigt das ­Risiko, an Demenz zu erkranken. Es gibt aber Möglichkeiten zur Vorbeugung.

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Mit dem Alter steigt das ­Risiko, an Demenz zu erkranken. Es gibt aber Möglichkeiten zur Vorbeugung.

Redaktion 10.09.2021

Die Pflege stößt an ihre Grenzen

Monatsschwerpunkt Demenz – Teil 2 Die Reform der Pflege wird immer dringender, sagt die Caritas.

••• Von Martin Rümmele

WIEN/GENF. Die Caritas drängt auf eine baldige Umsetzung der Pflegereform. Der Personalengpass werde immer akuter, zahlreiche Stellen könnten nicht besetzt werden. Caritas-Präsident Michael Landau forderte daher die Politik am Mittwoch zu Taten auf: „Der Pflegenotstand ist längst Realität. Die Regierung muss jetzt liefern, sonst lässt sie die Menschen im Stich.”

Generalsekretärin Anna Parr wies auf die vielen offenen Stellen im Pflegebereich hin, mehrere Hundert Fachkräfte würden aktuell fehlen. In Niederösterreich müssten deshalb Anfragen für mobile Pflege abgelehnt werden, in Kärnten gebe es Aufnahmestopps in Wohnheimen. Hier müsse man ansetzen, sagte Parr: „Eine Reform steht und fällt mit der Frage nach Fachkräften.” Caritasdirektor Klaus Schwertner merkte an, dass bis zum Jahr 2030 rund 100.000 neue Pflegekräfte benötigt würden. Das sei eine schlechte Nachricht, es gebe aber auch eine gute: „Das sind sichere Jobs mit Sinn und Zukunft.” Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, die Wertigkeit der Berufe steigen, sagte Schwertner.

Zahlen steigen

Hintergrund ist die demografische Entwicklung und mit ihr die Zunahme von alterbedingten Erkrankungen. Die Zahl der Demenzkranken wird nach einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf rasant steigen. Bis 2030 dürften rund 40% mehr Personen weltweit mit Demenz leben als heute.

Die positive Botschaft: Viele Menschen könnten ihr Demenz-risiko deutlich reduzieren, etwa durch einen gesünderen Lebensstil, gute Schulbildung und intakte Sozialkontakte. „Schulbildung baut Hirnreserven auf”, sagte WHO-Expertin Katrin Seeher in Genf. Als Risikofaktoren für Demenz nannte sie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und soziale Isolation. Rauchen und Alkohol trinken gehören nach WHO-Angaben ebenfalls dazu. Auch ein Schutz des Gehirns, etwa bei bestimmten Aktivitäten Helme tragen, dämme das Risiko von Demenz ein, sagte Seeher. Einer der Hauptgründe für die steigenden Zahlen ist aber die Tatsache, dass Menschen dank besserer Lebensbedingungen deutlich älter werden als frühere Generationen.

Kritik der WHO

Mit dem Alter steigt generell das Risiko nicht übertragbarer Krankheiten, darunter Demenz. „Demenz raubt Millionen Menschen das Gedächtnis, die Unabhängigkeit und die Würde, aber sie raubt uns anderen auch die Menschen, die wir kennen und lieben”, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die meisten Länder seien auf die wachsende Zahl von Demenzkranken nicht genügend vorbereitet, so die WHO. „Die Welt lässt Menschen mit Demenz im Stich”, sagte Tedros.

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