HEALTH ECONOMY
Mangel an Ärzten © ÖÄK/Stefan Seelig

Ärztekammer­vizepräsident Johannes Steinhart (r.) und Simulationsforscher Niki Popper präsentierten die Ärztestudie.

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Ärztekammer­vizepräsident Johannes Steinhart (r.) und Simulationsforscher Niki Popper präsentierten die Ärztestudie.

Redaktion 15.10.2021

Mangel an Ärzten

Eine Studie von Simulationsforscher Niki Popper zeigt, dass die Zeit in Sachen Ärztemangel drängt.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. In einer von der Ärztekammerkurie der niedergelassenen Ärzte beauftragten Studie haben die Simulationsforscher Niki Popper und Claire Rippinger anhand von Rechenmodellen analysiert, mit welcher Entwicklung der Ärztezahlen unter welchen Bedingungen zu rechnen sein wird. „Wir wollten wissenschaftlich fundiert wissen, wie sich bestimmte Interventionen zum Beispiel in der ärztlichen Ausbildung oder eine Attraktivitätssteigerung der kassenärztlichen Rahmenbedingungen auf die künftigen Ärztezahlen auswirken würden”, sagt Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte. Das sei eine wichtige Grundlage für kompetente gesundheitspolitische Entscheidungen und Verhandlungen.

Mix an Maßnahmen

In den nächsten zehn Jahren ist demnach aufgrund der Altersstruktur mit einem Rückgang der besetzten Stellen um 5,5% von aktuell rund 47.000 auf 44.400 im Jahr 2030 zu rechnen, so die Studienautoren: „Dieser Rückgang wirkt sich vor allem auf die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aus.” Die Zahl der niedergelassenen Allgemeinmediziner falle bei den Kassenärzten von 4.100 auf 3.450 und bei den Wahl- und Privatärzten von 4.500 auf 3.800. Bis 2030 fehlen demnach mindestens 1.350 Hausärzte. Gegensteuern könnte man mit einer Attraktivierung der Kassenstellen.

Wahlärzte sollen wechseln

„Diese Ergebnisse bestätigen sehr deutlich unsere langjährigen Forderungen nach einem geeigneten Maßnahmenmix, um die künftigen Ärztezahlen zu erhöhen und die Attraktivität der Niederlassung zu erhöhen”, bilanziert Steinhart. Das bedeute zum Beispiel flexible Kassenverträge, die nicht nur individuelle Bedürfnisse von Ärzten berücksichtigen, sondern auch regionale Versorgungsengpässe ausgleichen können. „Das bedeutet weniger Bürokratie und natürlich mehr öffentliches Geld für den niedergelassenen ärztlichen Bereich.” Jetzt sei es wichtig, im Detail zu analysieren, warum immer mehr Ärzte den Kassenbereich uninteressant finden: „Mit entsprechend gezielten Angeboten müsste es gelingen, in relativ kurzer Zeit einen Shift von Wahlärzten in den Kassenbereich zu bewirken.”

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