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Grenzenlos lernfähig © Anja-Lene Melchert

Claudia Strohmaier

© Anja-Lene Melchert

Claudia Strohmaier

Claudia Strohmaier 19.04.2019

Grenzenlos lernfähig

In Israel laufen viele Dinge anders als hierzulande – für eine Delegation der UBIT Wien war eine Studienreise dorthin eine wahre Quelle der Inspiration.

Gastkommentar ••• Von Claudia Strohmaier


WIEN. Mehr als 20 Wiener Unternehmensberater unternahmen im März eine Fachexkursion nach Tel Aviv, die von der UBIT Wien unter Obmann Martin Puaschitz unterstützt wurde. Ich selbst war im Vorjahr mit einer Gruppe Unternehmensberater zum fachlichen Austausch vor Ort.

„Man muss reisen, um zu lernen”, wusste schon Mark Twain. Die Kernfragen lauten daher: Was können wir uns von anderen Ländern abschauen, wovon brauchen wir ein bisschen mehr, wovon weniger, woran sollten wir festhalten?

Interkulturelle Unterschiede

In Israel laufen viele Dinge anders als bei uns. Wenn es zum Beispiel in einem touristischen Hotel plötzlich keinen Kaffee mehr gibt, dann könnte es einfach daran liegen, dass Sabbat ist. In Österreich ist der Tourismus stärker an den Bedürfnissen der Gäste orientiert als an jenen der Hotelbetreiber.

Umgekehrt ist es in Österreich bekanntlich einigermaßen schwierig, beispielsweise am Sonntag shoppen zu gehen …
Israel hat aber auch die höchste Start-up-Dichte der Welt: Rund 15 Prozent des BIP ­stammen aus dem Bereich Hightech und Innovation. Warum ist das so?

Führend im IT-Bereich

In Israel herrscht eher eine gewisse Art von Laisser-faire.

Der Staat lässt viele Dinge im Wirtschaftsleben einfach laufen, in der Hoffnung, dass sich die ­Dinge von selbst am besten regeln.
In anderen Belangen greift er viel stärker ein als bei uns.
Die starke Dominanz israeli­scher Unternehmen im IT-Bereich zum Beispiel hat ihre Wurzeln im Militär. Dort werden junge Technik-Talente gefördert.
Der fehlerfreien Programmierung einer Spionagesoftware wird für die Sicherheit des Landes eine wichtigere Bedeutung beigemessen als bei uns.
Und weil die Wehrplicht für Männer und Frauen gleichermaßen gilt, ist offenbar auch die Geschlechterverteilung unter den ausgebildeten IT-Technikern eine andere als in Österreich.

Vom Mut zur Firmengründung

In weiterer Folge hat der Staat ein Fördermodell für Start-ups geschaffen, das dazu führt, dass Unternehmensgründer sehr wagemutig und experimentierfreudig agieren können. Es ist schließlich nicht primär das Geld der Gründer, das im Fall einer Insolvenz verloren geht, sondern das des Staats bzw. anderer Geldgeber. Dieser Wagemut erhöht zwar die Gefahr des Scheiterns, zugleich werden dadurch aber Innovationen stärker vorangetrieben.

Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass sich die Menschen nicht so leicht entmutigen lassen, weil Scheitern nicht vorschnell als Schande betrachtet wird. In diesem Punkt könnten wir uns durchaus ein Beispiel nehmen. Ebenso sollten es Unternehmen als Stärke betrachten und nicht als Schwäche, wenn sie rechtzeitig Unternehmensberatung in Anspruch nehmen. Hier wird manchmal zu lange gewartet.

Österreich als Vorbild

Zudem läuft hierzulande vieles strukturierter ab als in Israel.

Nicht umsonst zeigten sich die israelischen Unternehmensberater sehr interessiert an der österreichischen Gewerbeordnung. Sie bewundern, dass wir dank der Kammermitgliedschaft wissen, wie sich die Branche zusammensetzt und wie wir durch die Gewerbeordnung reglementieren können, wer am Markt als Unternehmensberater auftreten darf und wer nicht.
Ohne fundierte betriebswirtschaftliche Fachkenntnisse ist das bei uns allerdings nicht möglich – und das sollte auch in Zukunft so bleiben. Genauso wie wir weiterhin den Blick über den Tellerrand richten sollten, um uns von anderen Menschen, Ländern und Kulturen inspirieren zu lassen …

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