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20 Jahre „Woman”: Ein Platzhirsch als Dauerabo © Woman/Julia Stix
© Woman/Julia Stix

Redaktion 03.09.2021

20 Jahre „Woman”: Ein Platzhirsch als Dauerabo

"Woman"-Chefredakteurin Euke Frank im großen Interview über das Magazin und Leserinnen im Wandel der Zeit.

••• Von Dinko Fejzuli

Bis heute zählt Woman zu einer der erfolgreichsten Magazingründungen dieses Landes. Zweifelsohne wäre dieser Erfolg ohne Euke Frank, die seit Beginn dabei war und seit 15 Jahren die Geschicke des Magazins als dessen Chefredakteurin führt, nicht möglich gewesen. medianet bat Frank zum ausführlichen Geburtstagsinterview.

medianet: Frau Frank, die Verlagsgruppe News gibt es seit 30 Jahren, Woman seit 20 Jahren – welche Rolle nimmt Ihr Magazin im Gefüge aller Magazine ein?
Euke Frank: Die VGN Medienholding gibt als größter Magazinverlag des Landes ein Bouquet an sehr erfolgreichen Magazinen heraus. Woman ist eines davon. Jedes Magazin hat seine Klientel, viele Leserinnen und Leser überschneiden sich auch, weil sie mehrere Marken schätzen und abonniert haben. Woman zählt zu den großen Blumen dieses Bouquets, aber der Strauß ist vielfältig, bunt und beeindruckend – so soll es sein.

medianet:
Die Erscheinungsweise von Woman ist 14tägig – gab es je die Überlegung, diese in die eine oder andere Richtung zu verschieben?
Frank: Woman hat mit 2021 seine Strategie nachjustiert: Wir erscheinen 20 mal pro Jahr, aber mit jeweils deutlich stärkeren Heftumfängen. Das bedeutet, dass wir weitgehend beim 14-tägigen Rhythmus geblieben sind, allerdings am Anfang des Jahres und im Sommer Pausen einlegen. Das schafft Ressourcen, um das Heft eben zu den 20 Erscheinungstagen deutlich gehaltvoller zu machen. Das wird gut angenommen. Woman wurde dadurch noch deutlicher zum Lean-Back-Medium, zur Auszeit vom Smartphone. Ein starkes Heft, mit dem man auch mehrere Stunden verbringen und es immer wieder zur Hand nehmen kann.

medianet: Apropos verschieben: Gab es Ideen, ein Spin-off für die jüngere Zielgruppe zu lancieren?
Frank: Überlegungen dazu gab es immer wieder, auch Prototypen und Line Extensions, aber der Markt ist einfach zu klein. Wir wollen uns lieber auf die Weiterentwicklung der erfolgreichen Marke Woman konzentrieren und unser Ecosystem mit Veranstaltungen und Aktionismus ausbauen. Und wir sehen, dass jungen Frauen früh in die Marke Woman einsteigen. Die Mutter hat es abonniert, die Tochter, die Freundin nimmt es zur Hand, es gefällt, ein entspannter Erstkontakt mit einer Marke, die stark im Markt verankert ist. Unser Online-Angebot wird auch von deutlich jüngeren Frauen genützt. Über allem steht jedenfalls unser Zugang zum Magazinmachen: Wir denken in Communities, die wir erreichen wollen. Und diese vollständig.

medianet:
Entsprechend der VGN-Philosophie wurde um Woman herum ein umfassendes Ecosystem geschaffen – der bekannteste Teil dieses Ecosystems ist der ‚Woman Day' – worauf führen Sie den Erfolg dieses Tages zurück?
Frank: Das ist wohl die geglückte Mischung aus dem Wunsch, sich etwas zu gönnen, einen Tag mit lieben Freundinnen bummeln gehen und Schnäppchen ergattern. Plus: Der ‚Woman Day' erstreckt sich über das ganze Land, potente Partner sind dabei, bei denen es sich lohnt vorbeizuschauen. Woman kooperiert seit Jahren mit den ganz großen Marken am Bekleidungssektor, im Tourismus, in der Telekommunikation, im Parfümeriehandel – da ist für jeden viel dabei. Der ‚Woman Day' ist ein Garant für Vielfalt zu günstigeren Preisen.

medianet: Kommen wir zu den Leserinnen Ihres Magazins: ‚Die Frau' von vor 20 Jahren ist vermutlich ein Universum entfernt von der Frau von heute – wie würden Sie diese Wandlung skizzieren und wo stehen wir heute?
Frank: In Vorbereitung für unser 20-Jahresfest habe ich alte Ausgaben durchgeschaut. Da ist nicht viel übrig von dem, wie wir Frauen uns damals wahrgenommen haben. Auch Woman hat sich mit den Frauen in diesem Land deutlich weiterentwickelt. Woman war damals schon ein Frauenmagazin völlig neuen Zuschnitts, eben eines, das viel mehr als Klatsch, Tratsch und Lippenstifte zu bieten hatte. Und trotzdem hat sich im Laufe der Jahre die Sprache, das Selbstbewusstsein, die Eigenwahrnehmung von Frauen extrem verändert. So wie der Feminismus Frauen gestärkt und ihre Rolle in der Gesellschaft deutlich verändert hat, hat auch die #metoo-Debatte einen neuen Umgang zwischen Frauen und Männern geschaffen. Was beispielsweise in manchen Büros noch vor einigen Jahren als Kavaliersdelikt galt, wird heute ganz klar als sexuelle Belästigung benannt. Viele Frauen haben endlich die Kraft, sich Übergriffe nicht mehr gefallen zu lassen. Vieles, was Männer sich jahrzehntelang erlaubt haben, geht heute einfach nimmer. Und auch wenn hier vieles besser und gleichberechtigter geworden ist, es gibt noch viel zu tun.

medianet:
Die Themenpalette von Woman reicht von Fashion, über Gourmet bis hin zur Liebe. Wie relevant ist die Spange Frau-Wirtschaft eigentlich für Woman?

Frank:
Jeder, der Woman regelmäßig konsumiert, weiß, dass Frauen sich als großen Wirtschaftsfaktor wahrnehmen – eben nicht nur als Konsumentinnen, sondern als Wirtschafts­treibende, als Entscheiderinnen, als Bewegerinnen. Unter den Einzelunternehmerinnen ist der Löwenanteil weiblich, immer mehr Frauen kommen in wirklich oberste Führungsetagen. Frauen können Wirtschaft genauso gut wie Männer. Das ist ein Faktum und muss noch mehr gelebt werden.

medianet:
Kommen wir zu den Kennzahlen. Woman hat gut 270.000 Leserinnen und auch Leser und dabei 45.000 Abonnements. Wo sehen Sie denn noch Wachstumspotenzial?

Frank: Wir konnten gerade erst unsere verkaufte Auflage deutlich steigern. Da ist also noch Platz für mehr. Trotzdem verfolgen wir neben stabilen Zahlen den Ausbau unserer Communities. Unsere Strategie ist, diese bestmöglich zu servicieren. Wir wissen sehr genau, wer unsere Leserinnen und Userinnen sind. Das macht es der Redaktion leichter, maßgeschneiderten Content zu liefern, aber auch für unsere Werbepartner bedeutet das zielgenaue Ansprache. Klar, jeder freut sich über mehr. Aber Magazine sind besondere Produkte, die von ihren Benützerinnen und Benützern Zeit und Aufmerksamkeit abverlangen. Da muss man einiges bieten. Und das wollen wir mit Qualität und penibler Kuratierung tun.

medianet: Unbestritten ist, dass es seit vielen Jahren besonders die Magazine schwer haben, sich gegen die digitale Konkurrenz durchzusetzen. Was setzen Sie dem entgegen und wie sehen die digitalen Aktivitäten Ihres Magazins aus?

Frank: Woman setzt seit vielen Jahren auf mehrere Kanäle: Print ist nur einer, wenn auch das Herzstück. Digital, Social Media, direkter Kontakt bei Veranstaltungen wie dem ‚Woman Day' oder auch dem ‚Woman Salon Privé', der heuer im November wieder stattfindet, übrigens größer und prachtvoller als je zuvor. Wir versorgen unsere Userinnen mit Newsletter, Content auf Facebook oder auch extrem erfolgreich auf Instagram. Im Herbst starten wir mit unserem neuen Abosystem, das verschiedene Packages bieten und jeweils ein unterschiedliches Angebot beinhalten wird.

medianet:
Sie haben vergangene Woche zum ersten ‚Woman Fest der Frauen' eingeladen; u.a. Gast war Justizministerin Alma Zadic. Warum war es wichtig, dieses Fest zu initiieren?
Frank: Wir haben an diesem Abend Frauen hochleben lassen, die etwas bewegen in diesem Land. Wir wollten ihre Energie feiern, ihren Tatendrang, ihren Reichtum an Ideen, auch ihre Beharrlichkeit. Das halte ich ja für besonders wichtig, denn nicht immer bewegt man Dinge von heute auf morgen. Manches geht mit Leichtigkeit, für anderes braucht es Durchhaltevermögen. Wo auch immer sich Frauen engagieren, damit unsere Welt ein bisschen besser wird, wir holen sie vor den Vorhang – Das ganze Jahr über auf all unseren Kanälen. Einmal im Jahr bei einem Fest, das wir übrigens auch nächstes Jahr wieder und noch größer feiern wollen.

medianet: Frage zum Schluss: Sie haben schon bei etlichen Magazinen der VGN gearbeitet. Was ist das Besondere an ­Woman?
Frank: Woman ist mir – neben der vielen Arbeit – eine echte Herzensangelegenheit. Ich liebe die Marke, ich bin stolz darauf, was wir in diesem Land bewegen können. Das Team ist einfach Spitzenklasse. Woman ist mit weitem Abstand die erfolgreichste Frauenmedienmarke Österreichs geworden. Die Bekanntheit ist gigantisch, die Relevanz und das Vertrauen in sie ebenso. Das bedeutet Verantwortung, aber auch die Gewissheit, etwas weiterzubringen für die Frauen. Das erfüllt mich mit Freude und das treibt uns alle hier an.

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