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Auf dem Prüfstand © Panthermedia.net/Goodluz
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Nadja Riahi 22.02.2019

Auf dem Prüfstand

Die AK führte kürzlich ein Gütesiegel für Praktika ein – medianet wirft einen Blick auf die Situation der Praktikanten von heute.

••• Von Nadja Riahi

WIEN. Während Qualitätsauszeichnungen in der Kommunikationsbranche bereits Standard sind, hat die Salzburger Arbeiterkammer (AK) vor gut einem Monat erstmals ein Gütesiegel auch für Praktika vorgestellt – gerade für die Kommunikationsbranche ein interessantes Angebot, werden doch gerade hier besonders viele Praktikanten beschäftigt.

Das Ziel des Gütesiegels: faire Arbeitsbedingungen für Praktikanten. „Die Zukunft unseres Bundeslandes ist auf gut ausgebildete junge Menschen angewiesen. Geben wir den Fachkräften von morgen eine Chance, sich zu entfalten und weiterzuentwickeln. Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für faire Praktikumsplätze”, sagt AK-Salzburg-Präsident Peter Eder.

Erforderliche Kriterien

Um ein Gütesiegel zu erhalten, muss ein Unternehmen seinen Praktikanten einen schriftlichen Vertrag ausstellen, der unter anderem Dauer, Entgelt und Anwesenheitszeiten festlegt. Weiters müssen die sozialversicherungs- und arbeitsrechtlichen Vorschriften eingehalten werden und eine adäquate Betreuungsperson vorhanden sein.

So weit so gut – in der Theorie. Aber wie sieht die Realität für junge Auszubildende insbesondere in heimischen Medienunternehmen aus? Hier ergibt sich ein durchaus diverses Bild, etwa gerade bei einer der wichtigsten Fragen für die Bewerber, ob nämlich das Praktikum auch ein bezahltes ist, wobei es auch darum geht, bei welchem Unternehmen man andockt.
Die Palette reicht von unbezahlten Hospitanzen, wie beispielsweise beim United Nations Informationsservice in Wien, über bezahle Praktika bei Tageszeitungen, darunter Der Standard und die Wiener Zeitung, bis hin zu Ausbildungsformaten, für die Interessenten selbst bezahlen müssen. Dazu zählt etwa die Lehrredaktion der Tageszeitung Die Presse, deren Kosten 1.500 € betragen.
Unbezahlte Praktika, die es in der Branche auch zuhauf gibt, sind mit dem Gütesiegel übrigens „nicht vereinbar”, sagt Stephanie Posch, Jugendreferentin der Arbeiterkammer.

Und Pflichtpraktika?

Neben jenen Praktika, die Studenten freiwillig machen, um sich weiterzuqualifizieren, gibt es auch Pflichtpraktika, die diverse Ausbildungsstätten vorschreiben.

Für Bachelor-Studenten der Fachhochschule der WKW und der Fachhochschule St. Pölten etwa ist ein Berufspraktikum für den erfolgreichen Studienabschluss Pflicht.

Die Dauer von Praktika

Die Länge der angebotenen Praktika in der Medienbranche variiert von vier Wochen bis zu sechs Monaten, wobei der Durchschnitt acht Wochen sind.

Praktika bei Tageszeitungen oder dem ORF werden grundsätzlich als Vollzeitstellen vergeben. Ob ein Praktikant nach seiner Zeit im jeweiligen Medienhaus weiterbeschäftigt wird, hängt von den Kapazitäten ab.
Das Stundenausmaß liegt meist bei 40 Wochenstunden, das monatliche Gehalt beginnt bei 100 € aufwärts. Manche Unternehmen bieten statt Praktika unbezahlte Volontariate an.

Breit gefächert

„Der ORF bietet Praktika vor allem in den Bereichen Redaktion, Social Media, Technik und vereinzelt auch in anderen Bereichen an. Die Praktika werden vorwiegend in der vorlesungsfreien Zeit für ein bis maximal vier Monate angeboten”, erklärt ORF-Sprecher Rudolf Fehrmann die aktuelle Lage bezüglich der Internships im ORF.

„Die Bezahlung hängt von der Vorbildung ab. Vom restriktiven Sparkurs, den der ORF durchführt, ist natürlich auch der Personalbereich betroffen, deshalb sind die Chancen, angestellt zu werden, grundsätzlich gering”, so Fehrmann.
Aktuell kann das Gütesiegel von Salzburger Unternehmen beantragt werden, eine Ausweitung ist geplant. Für Praktikanten scheint also der erste Schritt in Richtung Fairness getan.

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