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Der Sparstrumpf ist das wichtigste Filmrequisit © Vienna Film Commission
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Redaktion 02.04.2021

Der Sparstrumpf ist das wichtigste Filmrequisit

FAMA-Obmann Alexander Dumreicher-Ivanceanu fordert Investitionsprämie als dritte Finanzierungssäule.

••• Von Britta Biron

WIEN. Während die meisten Kultursektoren seit gut einem Jahr noch immer im Lockdown verharren müssen, konnte die heimische Filmindustrie Dank des mit 25 Mio. € dotierten Ausfallhaftungsfonds schon im Sommer 2020 – wenn auch eingeschränkt und mit strengen Sicherheitskonzepten – ihre Arbeit wieder aufnehmen. Laut dem Fachverband der Film- und Musikwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (FAMA) sind bisher rund vier Mio. € aus diesem Topf abgerufen worden.

Generell ist die Datenlage über die Auswirkungen der Pandemie auf die heimische Filmwirtschaft noch dürftig. Bisher hat erst die Vienna Film Commission detaillierte Zahlen gemeldet: 572 Film- und TV-Projekte unterschiedlichster Genres entsprechen einem Minus von nur 16,4% gegenüber 2019. In den Sommermonaten 2020 wurde in der Bundeshauptstadt sogar mehr gefilmt als je zuvor.
Repräsentativ für ganz Österreich ist das Ergebnis der Bundeshauptstadt freilich nicht –tatsächlich hat sich die Branche heftig infiziert.
„2020 wurde weltweit bedeutend weniger gedreht. Wir haben gesehen, dass die Anzahl der Produktionen um etwa 50 Prozent eingebrochen ist. Die langfristigen Folgen der Krise sind derzeit noch nicht voll abschätzbar, und die wirtschaftlichen Konsequenzen längst nicht ausgestanden”, kommentiert FAMA-Obmann Alexander Dumreicher-Ivanceanu.

An Ideen mangelt es nicht

Eine der wenigen positiven Auswirkungen der Pandemie ist, dass die Nachfrage nach Filmen, Serien und Dokus steigt – vor allem in Lockdown-Phasen, die, wie die aktuelle Lage zeigt, noch längst nicht vorüber sind. Theoretisch könnte die heimische Filmwirtschaft zwar mehr produzieren, praktisch gibt es dabei aber ein Problem.

„In der Pandemie ist jetzt noch deutlicher geworden, dass wir große strukturelle Probleme haben. Es gibt ein hohes kreatives Potenzial, aber keine ausreichenden Finanzmittel für österreichische Filme”, beklagt Dumreicher-Ivanceanu, dass der Sparstrumpf seit Jahren zum wichtigsten Kleidungsstück im Kostümfundus geworden ist und außerdem immer löchriger wird.
Die kürzlich erfolgte Erhöhung der Budgets des Österreichischen Filminstituts und des Wiener Filmfonds um zwei Mio. bzw. eine Mio. € sei natürlich erfreulich, insgesamt aber nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.
Dringend notwendig wäre auch eine Aufstockung des Fernsehfonds; dieser ist zuletzt vor zwölf Jahren von 7,5 auf 13,5 Mio. € erhöht worden – und damit längst um etliche Nummern zu klein.

Dritte Finanzierungssäule

„Beim ersten Einreichtermin 2021 für die Förderung von TV-Filmen, Serien und Dokus gab es bereits wesentlich mehr Förderansuchen, als Budget vorhanden ist”, sagt Dumreicher-Ivanceanu und plädiert mit Nachdruck dafür, das zwar bewährte, aber nicht mehr ausreichende Fördersystem endlich um eine zusätzliche Säule in Form einer Investitionsprämie zu ergänzen.

Die Basisprämie soll 30% der in Österreich anfallenden Produktionskosten betragen, zusätzliche fünf Prozent soll es als Bonus für Green Producing geben und zwar unabhängig davon, ob ein Projekt für das Fernsehen, das Kino oder eine Streaming-Plattform produziert wird.
„Wir können gerade jetzt einen starken Impuls für Internationalisierung und die Beschäftigung setzen. In einer Zeit, in der Content eine immer größere Rolle spielt, ist es wichtig, dass wir mit zukunftsorientierten Konzepten den Aufbruch schaffen. Die von uns vorgeschlagene Investitionsprämie hat das Ziel, sowohl österreichische als auch internationale Projekte zu finanzieren und gleichzeitig den Umstieg in eine umweltfreundliche Produktion zu ermöglichen. Die Investitionsprämie wäre mit dem Öko-Bonus dabei Europas erstes Anreizmodell, das grünes Produzieren in den Fokus stellt”, erklärt Dumreicher-Ivanceanu.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit

In vielen Staaten sind unterschiedliche finanzielle Anreizsysteme für Filmproduktionen längst etabliert, und so lange Österreich nichts Vergleichbares bieten kann, wird die Wettbewerbsfähigkeit zunehmend leiden. Das zeigt sich aktuell etwa an zwei großen Projekten über Kaiserin Elisabeth – darunter eine sechsteilige Miniserie für Netflix –, die nicht in Österreich, sondern ausschließlich in Tschechien gedreht werden.

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