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Der Teufel trägt Plastik
Redaktion 14.02.2020

Der Teufel trägt Plastik

„Jute statt Plastik” hieß es vor 40 Jahren. Viel weiter sind wir heute auch nicht.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider


ZERO. Im Anfang war die Jutetasche. Sie kam 1978 auf den Markt („Jute statt Plastik”), genäht in Bangladesch. Jutetasche, Anti-Atomkraft-Plaketten und Palästinensertücher waren die Erkennungszeichen alternativer Jugendkultur – und die Grünen zogen damit in die Parlamente ein. 40 Jahre später ist der Jutebeutel aus Baumwolle und das Plastiksackerl gilt als Accessoire des Leibhaftigen. Das Plastiksackerl­verbot ist Teil der gesamtgesellschaftlichen Save-the-planet-Mission.

Tatsache ist, dass die Plastikflut sich inzwischen auf den ganzen Planeten verteilt hat. Zwischen 1950 und 2015 wurden weltweit 8,3 Mrd. Tonnen Plastik produziert. 2006 hatte ein US-Astronaut sogar in 400 Kilometern Höhe (dort ist die Raumstation ISS unterwegs) aus einem Fenster der Raumfähre Atlantis ein Sackerl gesichtet, das den Erdball umkreist …
Plastik wird jedoch nicht nur für Einkaufstaschen verwendet, Plastik steckt in Autos, Textilien, in beinahe allen Gebrauchsgütern. Jährlich fallen in Österreich rund 300.000 Tonnen Plastikmüll an, ein Teil wird getrennt gesammelt und recycelt, der Rest thermisch verwertet, d.h. verbrannt, die Schlacken deponiert. Plastiksackerl machten vor dem Verbot etwa 0,7 Prozent des Kunststoffmülls aus. Und: Man kann davon ausgehen, dass eine Tasche aus konventioneller Baumwolle etwa hundertmal so häufig benutzt werden muss wie eine aus erdölbasiertem Kunststoff, damit die Ökobilanz passt. Was den Ressourcenverbrauch angeht, schneidet die Einkaufstasche aus Papier noch schlechter ab als jene aus Plastik.
Wer die Welt davor bewahren will, dass sie in Plastik erstickt, wird gröbere Maßnahmen ergreifen müssen. Zero-Waste-Strategien zielen darauf ab, die Müllflut zu stoppen, indem erst gar kein Abfall erzeugt wird. Einwegprodukte müssten abgeschafft und alternative Vertriebssysteme gefördert werden. Das Plastiksackerl-verbot ist ein Signal und ein Symbol. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Lesen Sie dazu das Interview auf Seite 44 dieser Ausgabe.

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