MARKETING & MEDIA
Die Entflechtung des Digitalen
Redaktion 28.08.2020

Die Entflechtung des Digitalen

Der neue Mediaserver habe Social Media „­entzaubert” – nur: Wie groß war der Zauber wirklich?

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

EINORDNUNG. Die junge Zielgruppe schaut nicht mehr fern, sie sieht lieber YouTube, Radio gehört wird eher auch nicht mehr, stattdessen gibt es Podcasts, und die alte Printzeitung wurde sowieso nie gelesen.

Das sind die Annahmen oder, wie manche unken, eher die Mythen über die Mediennutzung der jungen Zielgruppe, auf die alle Mediaplaner starren, weil sie jene Generation von potenziellen Kundinnen und Kunden sind, die es künftig mit den eigenen Werbeslogans und PR- bzw. Marketing-Maßnahmen anzusprechen gilt.
Die Suche nach der Wahrheit, wie denn nun diese Zielgruppe tatsächlich Medien nutzt und wie sie es vor allem als zahlungskräftige Kundschaft in der Zukunft tun wird, gestaltet sich eher schwierig – auch, weil jeder die vorliegenden Zahlen am liebsten so interpretiert, damit sie für ihn die optimalste Prognose für die Zukunft ergeben.
Aber Sie wissen ja: Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.
Unzweifelhaft ist, dass sich das Mediennutzungsverhalten der nachwachsenden Generationen radikal ändert und es gilt, darauf zu reagieren.
Die aktuellen Zahlen des Mediaserver belegen etwa, dass, herausgelöst aus der Sparte „Internetnutzung”, die für sich allein betrachtet mit 243 Minuten täglich größer wäre als die Gattung TV (216 Minuten) oder Radio (196 Minuten), die Gattung „Social Media” auf 73 Minuten täglich kommt und somit Print mit 50 Minuten überholt hat.
Ich würde nicht so weit gehen, wie ORF-Enterprise-Chef Oliver Böhm, der in einem Interview in dieser Ausgabe meint, Social Media seien durch die aktuellen Zahlen „entzaubert”, denn diesen falschen Zauber haben wir ihnen selbst zugeschrieben. Ich nenne es eher einordnen, denn selbstverständlich hat Social Media seine Berechtigung. Niemand aus der Branche bei Sinnen würde das bestreiten.
Es bedarf eben nur einer richtigen „Bepreisung” der Gattung; alles andere wird der freie Wettbewerb der Medien schon lösen.

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