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Die subtile Kraft der Kunst © ORF/Roman Zach-Kiesling
© ORF/Roman Zach-Kiesling

Dinko Fejzuli 07.09.2018

Die subtile Kraft der Kunst

Der ORF zieht eine positive Bilanz zum heurigen Kultursommer; medianet bat aus diesem Anlass ORF TV-Kulturchef Martin Traxl zum ausführlichen Interview.

••• Von Dinko Fejzuli

Es erfüllt mich mit großer Freude, dass das ORF-Kultursommerangebot mit mehr als 500 Stunden Programm in TV und Radio auf großen Publikumszuspruch gestoßen ist”, so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als Bilanz des ORF Kultursommers.

„Allein im Fernsehen waren in diesem Hitzerekordsommer 3,98 Millionen dabei, was einer weiteren Steigerung zum Vorjahr von rund 150.000 TV-Zuseherinnen und Zusehern entspricht. Damit konnte der ORF seine Stärken und seine Bedeutung als größter Kulturvermittler des Landes sowie als unverzichtbarer Partner des österreichischen Kunst- und Kulturbetriebs einmal mehr unter Beweis stellen. Betont sei auch die Rolle des ORF als Multiplikator kultureller Sternstunden wie der sensationellen ,Salome' aus Salzburg mit dem Aufstieg der brillanten Asmik Grigorian in die Riege der Weltstars. Das ist öffentlich-rechtlicher Mehrwert par excellence, den das österreichische Publikum in dieser Fülle und Qualität nur im ORF bekommt.”
Den Kultursommer 2018 selbst eröffnete der ORF mit dem fulminanten „Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker” mit Anna Netrebko, gefolgt von vier aktuellen Produktionen aus der Wiener Staatsoper: „Simon Boccanegra”, „Rigoletto”, „Der Freischütz” und „La Traviata”. Von den Salzburger Festspielen wurden u.a. „Die Zauberflöte”, „Salome” und die vom ORF-RSO Wien gespielte Einem-Oper „Der Prozess” übertragen.
Aus Bregenz zeigte der ORF die österreichische Erstaufführung der Oper „Beatrice Cenci” sowie die Uraufführung des Auftragswerks „Das Jagdgewehr”.
Aus Grafenegg kamen neben der traditionellen „Sommernachtsgala” auch die Festivaleröffnung sowie ein Konzert des European Youth Orchestra mit Rudolf Buchbinder.
Weiters präsentierte der ORF-Kultursommer aus dem Wiener Musikverein die Benefizgala „Juan Diego Flórez – ‚Il viaggio a Reims'”, aus Linz „Klassik am Dom”, aus Stift Göttweig „Klassik unter Sternen”, „Schubert in Stainz” von der styriarte, die Opernrarität „Ermione” von den Tiroler Festspielen Erl, „Gräfin Mariza” von den Seefestspielen Mörbisch, „Die lustige Witwe” von der Bühne Baden sowie vieles mehr.
Teil des ORF-Kulturfeuerwerks waren auch zahlreiche Dokumentationen, Gesprächsformate wie ein „kulturMontag Spezial” live aus Salzburg, die „Salzburger Festspielgespräche mit Barbara Rett” und das live präsentierte Salzburger Festspielmagazin „JedermannJedefrau”, weiters die „Seitenblicke Sommerbühne” u.v.m.

Auch online ein Hit

Produktionen von Bregenz, Innsbruck, Grafenegg bis Mörbisch haben die Berichte zum Kultursommer 2018 auch auf ORF.at geprägt. Publikumshighlight war der trimediale Schwerpunkt zu den heurigen Salzburger Festspielen via ORF.at/salzburgerfestspiele18 – des mit 1,2 Mio. Zugriffen erfolgreichsten Kulturspecials in der Geschichte von ORF.at. Auf besonderes Interesse stießen Berichte über Produktionen wie die neue „Salome”, den „Jedermann” mit Tobias Moretti und dem brillanten „Einspringer” Philipp Hochmair oder „Die Zauberflöte” mit der Sternstunde für die als „Königin der Nacht” einspringende Emma Posman.

Weiters präsentierte ORF.at Kritiken zu Theater- und Opernpremieren sowie Berichte zu Schwerpunkten von Ö1, ORF-TV-Kultur, Landesstudio Salzburg und ORF III.

Martin Traxl hoch erfreut

Aus Anlass des Kultursommers sprach medianet auch mit Martin Traxl, TV-Kulturchef des ORF, über die hohen Ansprüche seiner Produktionen und warum Qualität über Quantität geht.

medianet:
Herr Traxl, generell gefragt – nach welchen Kriterien suchen Sie jene Inhalte aus, die von den sommerlichen Kulturbühnen letztendlich auch über den Screen in den heimischen TV-Haushalten zu sehen sind?
Martin Traxl: Uns ist es wichtig, dem breiten Publikum die klassische Kultur näherzubringen, aber auch Nischenproduktionen dabei nicht auszuschließen. Dieses Jahr war es ein Fixpunkt, die ‚Zauberflöte' aus Salzburg zu zeigen, aber auch für ‚Salome' haben wir gekämpft, und es hat sich herausgestellt, dass das die richtige Entscheidung war. Wir möchten auch in die Zukunft gehen und, wenn es finanziell machbar ist, weiterhin zwei Opern zeigen, um die Balance zwischen künstlerischem Anspruch und Breitenwirksamkeit zu halten.

medianet:
Wie sieht das Port­folio generell aus?
Traxl: Wir beginnen traditionell mit Grafenegg oder dem Sommernachtskonzert, je nachdem, was früher stattfindet. Das Sommernachtskonzert mit den Wiener Philharmonikern wird in mittlerweile rund 90 Länder verkauft und erreichte heuer allein in Österreich 700.000 Menschen vor den Bildschirmen, neben den 100.000 Menschen, die vor Ort sind. Aber auch Grafenegg ist zu einem Fixstern geworden; dann haben wir noch die Bregenzer Festspiele und natürlich Salzburg.

medianet:
Gerade bei der Hochkultur: Wie schafft man es, die Quoten in der Höhe zu halten
Traxl: So schnell kommen wir mit den Quoten nicht ins Schleudern. Natürlich, wenn wir etwas ganz Anspruchsvolles bieten, kommen wir nicht in die gleichen Höhen wie mit einer ‚Zauberflöte', aber diesen Luxus muss man sich leisten. Das ist auch unser Auftrag, diese Besonderheiten als Dokumente festzuhalten, als audiovisuelles Archiv des Landes.

medianet: Fühlt man sich manchmal ungerecht kritisiert?
Traxl: Wenn man sich nicht genau mit dem Thema auseinandersetzt, dann sieht man nur, dass wir bei manchen Opernübertragungen sagen wir 100.000 Zuschauer haben, und die Ziffer allein betrachtend, ist das, mit anderen Zuschauerzahlen verglichen, auf den ersten Blick nicht viel. Aber: Das Zielpublikum als Ganzes ist etwa bei einer Opernübertragung nicht besonders groß, und obwohl wir eine Kulturnation sind, kann ein Großteil der Menschen nichts mit einer Oper anfangen.

medianet:
Sie unternehmen viel, um den Content auch auf anderen Ausspielkanälen den Zuschauerinnen und Zuschauern zur Verfügung zu stellen …
Traxl: Ich sehe es als unseren größten Trumpf, dass wir unterschiedliche Kanäle haben, um ein Ereignis aufzubauen. Ö1 zieht unser Hauptpublikum heran und macht eine tolle Berichterstattung. Auch die Zusammenarbeit mit ORF III funktioniert ganz hervorragend, hier gibt es eine enge Verzahnung. Wobei sehr spezielle Formate ausschließlich auf ORF III laufen, aber da gehören Produktionen dieser Art ja auch hin. Daneben haben wir zwölf bis 15 Großproduktionen im Jahr, die im Hauptprogramm zu sehen sind – das ist ein Volumen, von dem unsere Kollegen bei anderen öffentlich-rechtlichen Sendern oft nur träumen können …

Wir sind hier quantitativ, aber auch qualitativ in der Oberliga unterwegs. Die ‚Zauberflöte' lief zum Beispiel auch auf Arte und ZDF und hat auf diesen beiden Sendern eine Million Zuschauer erreicht!


medianet:
Eigenproduktionen, insbesondere aus dem Kulturbereich, sind etwas, was nicht gerade günstig ist. Wie weit geht sich das mit den Sparvorgaben aus, die es ja im ORF gibt?
Traxl: Hier kommt uns die neue Technik zugute, und auch unsere tollen Partnerschaften mit beispielsweise Unitel für einen großen internationalen Vertrieb. Trotz allem bleiben es aber Großproduktionen, die finanziert werden müssen, und das ist natürlich immer eine Herausforderung.

medianet:
Wie sehr treibt Sie als TV-Kulturchef des ORF auch der missionarische Eifer an, dem Publikum möglichst viel Kunst und Kultur näherzubringen?
Traxl: Ich bin überzeugt von der mahnenden Kraft der Kunst. Die Kunst lenkt den Fokus auf gewisse Themen auf eine andere Art als Politik, Journalismus und Wirtschaft – ansprechender, aber auch subtiler. Oft kann man die Menschen über die künstlerische Ebene besser zu einem Thema hinführen.

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