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Die Verflüssigung des Arbeitsrechts
sabine bretschneider 31.03.2017

Die Verflüssigung des Arbeitsrechts

Wie die Masse der Werktätigen mittels Schwarm­auslagerung zur Liquid Workforce mutiert.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

DER SCHWARM. 305.000 Ein-Personen-Unternehmen gibt es laut Letztstand in Österreich. Das sind immerhin 60 Prozent der gewerblichen Wirtschaft und somit auch der Wirtschaftskammer-Mitglieder. So weit die Fakten. Jetzt nahm man sich seitens der zuständigen Körperschaften des Themas mittels einer Studie der KMU-Forschung Austria auf etwas tiefschürfendere Art und Weise an, als wir das in den letzten Jahren gewohnt waren. „EPU sind Innovationstreiber und ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Österreich – keine Selbstständigen zweiter Klasse”, lautet der rosenstreuende Ansatz von Staatssekretär Mahrer anlässlich der Vorstellung der Studie. „Zurück in die 1970er-Jahre” sei jedenfalls der falsche Ansatz. Es brauche vielmehr „moderne arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen für moderne Arbeitswelten”.

Hier könnte man einhaken – ist doch die globalisierte Arbeitswelt längst ein paar Schritte weitergesprungen: Die wirklich „modernen arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen” begründen sich nämlich sehr wohl weiterhin auf EPU, aber in ganz anderen Dimensionen.
Die Stichworte dazu lauten: „Crowdsourcing” („Schwarmauslagerung”), die Auslagerung von Arbeits- und Kreativprozessen an die Masse der Internetuser, oder auch „Microworking”, die Auslagerung von Kleinst- und Teilaufgaben dieser Prozesse an die Masse der Internetnutzer, bzw. schlicht „Liquid Workforce”, definiert als flexibler und loser Zusammenschluss von Experten und Freelancern im Netz.
Was dieses Outsourcen an Einzelarbeiter auf der ganzen weiten Welt insbesondere aus arbeitsrechtlicher Sicht bedeuten wird, kann man sich zumindest diffus vorstellen. Wie dieser Strukturwandel insgesamt bewältigt werden kann, ohne Selbstständige zweiter und dritter Klasse zu züchten – und ohne den Sozialstaat und dessen finanzielle Basis vollkommen umzukrempeln, dafür fehlen noch die Rezepte. So schräg klingt das bedingungslose Grundeinkommen im Lichte dieser Entwicklungen dann eigentlich auch nicht mehr.

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