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„Es geht uns gut, wir brauchen nicht mehr” © RTS
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Redaktion 06.10.2017

„Es geht uns gut, wir brauchen nicht mehr”

Mit RTS hat Josef Aichinger in den letzten Jahren einen erfolgreichen Sender für die Region Salzburg aufgebaut.

Die Philosophie des ­lokalen Salzburger Privat-TV-Senders RTS ist einfach: Man will als Medienkanal eine leistbare Plattform für ­Gemeinden und Vereine bieten und ihnen die Möglichkeit ­geben, ins Fernsehen zu kommen und ihre Veranstaltungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Gegenüber medianet erklärt RTS-Gründer und Geschäftsführer Josef Aichinger den USP seines Senders.


medianet:
Herr Aichinger, Sie hatten ein gutes Jahr 2016. Wie stellt sich bisher 2017 dar?
Josef Aichinger: Ja, wir hatten jährliche Umsatzsteigerungen und für dieses Jahr prognostizieren wir plus zehn Prozent. Wir führen die Umsatzsteigerungen unter anderem auf die wachsende Anzahl an Zusehern zurück und auf die Akzeptanz des Senders und unseres Programms bei der Bevölkerung.

medianet: Wie weit spüren Sie den konjunkturellen Aufschwung, der erkennbar wird?
Aichinger: Wir spüren vorrangig, dass Regionalität und Heimatgefühl für die Menschen wieder an Bedeutung gewinnen. Wir profitieren sehr davon, dass den Menschen wichtig ist, was in ihrer Umgebung respektive Gemeinde passiert, dass sie gern Zeit in der Heimat verbringen. Das ist auch eine gewisse Aufbruchsstimmung, von der wir alle profitieren. Wer auch immer in der Wirtschaft tätig ist, und jeder, der arbeitet, ist in der Wirtschaft tätig, hat was davon.

medianet:
Kommen wir zum Sender an sich. Wie sieht das Konzept von RTS aus?
Aichinger: Unsere Grundphilosophie ist ausschließlich positive Berichterstattung. Bei RTS gibt es keine Unfälle oder sonstige Katastrophen, wir konzentrieren uns auf das Positive, das im Bundesland Salzburg passiert. Wir versuchen, mit Gemeinden und Vereinen aus dem gesamten Bundesland eng zusammenzuarbeiten und deren Arbeit in positivem Licht darzustellen.
Beiträge vom Salzburger Gemeinde- und Vereinswesen sind die Basis unseres Programms und werden durch sogenannte Produktionskostenzuschüsse von den einzelnen Gemeinden bzw. Vereinen finanziert.

medianet:
Regionalität und Lokalität sind zu einem Riesentrend geworden. Wenn man sich das Magazin Servus in Stadt und Land und dessen ­Erfolg ansieht: Denken Sie, dass Themen wie diese von den ­Medienmachern bisher zu ­wenig beachtet wurden?
Aichinger: Durchaus. Man sieht es ja, was beim ‚Servus'-Magazin im Print passiert ist. Das schaffen sie mit dem Fernsehsender nicht, diese Regionalität auf nationaler Ebene anzubieten. Das ist unsere Nische und deswegen schauen uns auch die Leute. Wir setzen seit dem Sendestart vor fast acht Jahren auf Regionalität, sind nah bei den Menschen und möchten dadurch eine entsprechende Sympathie aufbauen. Wir leben Regionalität, und das honorieren die Zuseher und auch die Salzburger Wirtschaft.

medianet: Wie viel Programm produzieren Sie pro Woche?
Aichinger: Wir produzieren zweieinhalb Stunden und haben Montag bis Freitag um 18:30 Uhr eine neue Sendung wie zum Beispiel eine Sportsendung, das Salzburgmagazin, Thementalks und Themenschwerpunkte.

medianet:
Sie produzieren und vermarkten selbst und kümmern sich auch um die Werbung?
Aichinger: Wir machen ca. 97 Prozent unserer Produktionen selbst und kaufen im Kinoformat Füller dazu. Für die Werbung haben wir ein fünfköpfiges Verkaufs­team; wir könnten noch wesentlich mehr erzielen, aber dadurch erhöht man auch den Druck. Bei diesem ‚größer, weiter, schneller' möchte ich nicht mitmachen. Ich glaube, man kann auch ruhig einmal sagen, uns geht es gut, wir brauchen das nicht mehr.

medianet:
Welches Sendegebiet umfassen Sie, mit welchen Distributionskanälen?
Aichinger: Wir strahlen in allen Kabelnetzen im gesamten Bundesland Salzburg aus, mit der Salzburg AG erreichen wir 130.000 Haushalte. Darüber hinaus verbreiten wir noch mit A1 TV, und zwei Stunden am Tag wird unser Programm auch via Satellit auf dem nationalen Regionalsenderverband R9 ausgestrahlt; davon profitieren wir sehr, da wir dadurch im gesamten Bundesgebiet gesehen werden können.

medianet:
Wie viele Angestellte haben Sie im Moment?
Aichinger: Wir haben zwölf fixe Angestellte und neun freiberufliche Mitarbeiter. Viele sind von Anfang an dabei, und auch neuere Kollegen möchten bleiben. Unsere Philosophie fußt auf Wertschätzung, Herzlichkeit und Respekt und so wollen wir auch unseren Kunden begegnen. Geld ist nicht alles, man muss auch Spaß haben.

medianet:
Viele behaupten, Kleinst- und Regional-TV sei ein brotloses Geschäft. Sie scheinen ein guter Gegenbeweis zu sein – wie kommt das?
Aichinger: Wir hatten Glück mit der Digitalisierung. Vor 25 Jahren haben eine Kamera und ein Schnittplatz zwei Mio. Schilling, also gut 145.000 Euro, ­gekostet, heute bekommt man eine vernünftige Kamera bereits für 5.000 Euro. Auch die Ausbildungsmöglichkeiten sind heutzutage viel ­besser, wodurch man einfacher an gute Leute kommt. Das kommt uns alles zugute, sodass wir auch kostengünstig produzieren können. Aber ein regionaler TV-Sender ist keine Cashcow, sondern eine schöne Arbeitsstätte.

medianet:
Glauben Sie, es hat deshalb so gut funktioniert, weil Sie als Quereinsteiger mit einer anderen Sicht auf viele Dinge eingestiegen sind?
Aichinger: Ich war in diversen Branchen wirtschaftlich verantwortlich und bin grundsätzlich ein Zahlenmensch. Ich glaube, als Quereinsteiger hat man den Vorteil, dass man viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel sieht.

medianet:
Generell scheint aber auch das Thema ‚Regional' ein gutes Medienkonzept zu sein.
Aichinger: Ja, und das muss auch aufrechterhalten bleiben. Am Land spielen die Nachbarn im Fußballverein oder spielen Theater, und das sieht man sich dann an und das erzeugt Emotionen, die uns am Leben erhalten.

medianet:
Viele Medienplaner sagen, dass das bei jungen Leuten nicht funktioniert. Sehen Sie das auch so, oder ist das auf dem Land anders?

Aichinger: Vor 20 Jahren hat man unter den jungen Leuten keine Tracht gesehen; wenn man heute zu einem Kirtag geht, haben 90 Prozent der Jungen ein Dirndl oder Lederhosen an. Junge Menschen engagieren sich wieder mehr in Vereinen und bei der Umsetzung regionaler Veranstaltungen.

Auch z.B. im regionalen Fußball oder generell im Regionalsport erreichen wir mit unserer Berichterstattung die junge Zielgruppe. Man muss sich natürlich auch als Regionalsender mit dem Zeitgeist bewegen und Videos on demand oder auch eine Verbreitung über Social ­Media anbieten. Man muss auch die jungen Menschen dort abholen, wo sie sich bewegen.


medianet:
Zum Abschluss: Was sind Ihre Ziele mit RTS für die nächsten Jahre?
Aichinger: Ich möchte den Sender in ruhige Gewässer führen, speziell mit Projekten zum Thema Regionalität. Ich möchte finanziell so aufgestellt sein, dass wir uns in Zukunft noch mehr auf die freie redaktionelle Berichterstattung fokussieren können, dass unsere Redakteure auch die finanziellen Freiheiten bekommen, um ihre Ideen in der redaktionellen Arbeit umsetzen zu können und ihre Vision beruflich leben können. Meinen Mitarbeitern eine Perspektive zu geben und ihre Träume zu erfüllen – das ist schon eines meiner Ziele. (sbr/fej)

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