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eSports etabliert sich als echte Werbealternative © A1eSports
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Redaktion 30.04.2020

eSports etabliert sich als echte Werbealternative

In Zeiten von Einschränkungen bietet der eSport nicht nur Zerstreuung, sondern auch Werbemöglichkeiten.

••• Von Georg Sander

Echter Sport” ist derzeit nicht möglich. Die Sportwelt lechzt aber nach Wettkämpfen und da bietet sich eSport an. Logisch, sind doch sportliche Wettkämpfe mit Videospielen auch in Zeiten notwendiger räumlicher Distanz möglich. Weltweit verfolgen rund 500 Mio. Menschen eSports-Turniere per Livestream oder im Fernsehen und bieten damit Marken eine leistungsstarke Plattform für Sponsoring und die Platzierung von Werbebotschaften. Das zweite internationale Webinar auf gemeinsame Initiative von IAA UK, IAA Switzerland und IAA Austria beleuchtete das große Feld des eSports aus unterschiedlichen Blickwinkeln, vor allem aber im Hinblick auf seine Einsatzmöglichkeit in der MarCom-Industrie.

Fredrik Borestrom, IAA Präsident Großbritannien und Leiter von Agencies International bei LinkedIn, begrüßte eine interessante Runde, die über den Status quo und die Möglichkeiten für Unternehmen im eSport diskutierte. Mit dabei unter anderem: Marco Harfmann, Director Transformation & Marketing Communications A1. Der heimische Kommunikationsanbieter hat mit der A1 eSports League Austria kurzerhand eine eigene Serie gestartet: „Für uns ging es darum, wie wir uns positionieren. Wir haben uns zurück- genommen, wollten eine eigene Brand bauen.” Um Partner zu finden, verzichtete man auf Egoshooter und konnte große Marken wie Mercedes mit ins Boot holen. Aber: „Nur ein Logo irgendwohin geben, ist nicht genug. Man muss kreativ sein, man muss Fan sein, sonst würde es nicht gehen.” Claire Blackwood, International Account Director hurrah.agency, eSports Vermarktungsagentur, ist Expertin für Werbung im Themenkomplex eSport.

Glaubwürdigkeit

hurrah berät Unternehmen, die im eSport aktiv werden wollen. Blackwood attestiert: „Ich nenne eSports die weltgrößte Marketingnische und sehe hier sehr großes Potenzial für Marken, die sich engagieren wollen. Allerdings braucht es eine besonders gute und starke Strategie, es muss eine wirkliche Leidenschaft zwischen Sponsor, Spielern und Zuschauern spürbar sein, denn eSportler haben ein ganz feines Gefühl, ob es jemand ernst meint oder nicht.” Ein Beispiel ist Lion Cereals. Sie wollten aktiv werden und die Markenwerte transportieren. Blackwood und ihr Team rieten zur Gründung eines Fanclubs – ein guter Anknüpfungspunkt, die Community akzeptierte die Firma.

Gute Plattform nötig

Um den eSport in Corona-Zeiten an die Menschen zu bringen, braucht es eine gute Plattform. Auch davor schon hat sich Twitch dafür etabliert. Nate Lindberg, RVP Sponsorship Twitch, ist der Experte der Runde zu diesem Thema. Über vier Fünftel des Live-Contents werden gegenwärtig via Twitch gestreamt. Lindberg insistiert aber, dass man „echten” nicht mit eSport vermengen könne. „Gaming und eSports sind etwas anderes als normaler Sport”, meint er. „Es gibt eine große Box von Games und eine kleine Box mit dem professionellen eSport.” Nicht jedes Game kann auch als eSport gespielt werden. Es wäre aber nicht so, dass ein Spieler einer Fußballsimulation gleich Fan des echten Sports ist und umgekehrt. Eine Sportsimulation stelle das echte Leben nach; das geht bei Fantasygames wie „League of Legends” nicht – es gibt es keine Drachen und Vampire. Dennoch erschließt man neue Zuseherschichten, weg von den klassischen Gamern hin zu einer breiteren Zielgruppe.

Allerdings hat man alte und neue Zielgrupppen auch in der physischen Welt bespielt, wie Robbie Douek aus Großbritannien (CEO Blast, eSports Turnierveranstalter) erklärt: „Wir hatten Turniere mit bis zu 15.000 Menschen in der Arena. Wichtiger sind aber die Millionen, die den Broadcast online verfolgen.” Ein wichtiger Sideeffect, bei dem sich alle einig sind: Das Bild des Zockers, der im Keller der Eltern hockt, stimmt so nicht. Vor allem auch deshalb, weil eSport auch sehr inklusiv ist; geschlechter-spezifische Unterschiede sind mit dem Controller in der Hand egal. Und wie auch im Schach brauche es körperliche Fitness, um bei den Turnieren geistig fit zu sein. Nate Lindberg formuliert es so: „Wenn man 24 Stunden nur Fußball spielt, ist das auch ungesund.”

Play at Home!

Apropos Fußball. Sky Sport Austria, die Fußballbundesliga und der eSport-Verband-Österreich nehmen den Pass, den das Leben gerade spielt, auf. Während die Fußballstadien für den baldigen Neustart der Tipico Bundesliga vorbereitet werden, geht es seit vergangenem Sonntag auf dem virtuellen Fußballfeld wieder zur Sache. In der eBundesliga play@home Meisterschaft zocken österreichische eSport-Größen, Fußballprofis oder ein Mix aus beidem für ihren Verein um den Sieg. Das verbindet dann beide Welten nahezu perfekt.

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