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Gut gebrüllt, Löwin! © Journalistinnen Kongress/APA-Fotoservice/Godany

Preisträgerin Journalistin und Moderatorin Corinna Milborn gewann dieses Jahr die Goldene Medienlöwin für ihr Lebenswerk.

© Journalistinnen Kongress/APA-Fotoservice/Godany

Preisträgerin Journalistin und Moderatorin Corinna Milborn gewann dieses Jahr die Goldene Medienlöwin für ihr Lebenswerk.

Redaktion 08.11.2019

Gut gebrüllt, Löwin!

Über Erfahrung, Druck und Kooperationen: Journalistin ­Corinna Millborn ist die „Goldene Medienlöwin 2019”.

WIEN. Der Abend der Medienlöwinnen ist 2019 ist vorbei. Die Gewinnerin der Goldenen Medienlöwin heißt Corinna Milborn. medianet bat die Politikwissenschaftlerin und Journalistin zum Interview.

medianet:
Frau Milborn, was war in Ihrer bisherigen Karriere das Highlight?
Corinna Milborn: Die Highlights sind die Fernsehshows. Ein Beispiel ist das Kanzlerduell zwischen Faymann und Spindelegger im Jahr 2013. Da habe ich lang darum gekämpft und im Endeffekt hat es erst einen Monat vor dem Geburtstermin meiner Tochter stattgefunden. Die Momente während der Live-Sendung sind meine liebsten. Da bin ich am besten, weil ich mein volles Potenzial ausschöpfen kann. Das und nicht mehr.

medianet:
Finden Sie, dass auf Veranstaltungen, wie der Verleihung der Medienlöwinnen, auf denen Frauen im Mittelpunkt stehen, mehr Männer anwesend sein sollten?
Milborn: Ja, auf jeden Fall. Wenn Männer ausgezeichnet werden, dann sind schließlich auch Frauen anwesend. Es ist tatsächlich auffällig, dass sich Männer – sobald etwas Frauen angeht – nicht zuständig fühlen, und das finde ich falsch. Wobei sich das auch in gewissen Kreisen langsam ändert.

medianet:
Sie haben in Ihrer Rede gesagt, dass es nicht nochmal 50 Jahre dauern kann, bis für Frauen wieder ein bisschen etwas passiert. Wo ist im österreichischen Journalismus in puncto Gleichberechtigung der größte Aufholbedarf?
Milborn: Ich bin aus Erfahrung eine große Anhängerin von Quoten. In meiner Sendung hatten wir beispielsweise einen Frauenschnitt von 25% und das in der Zeit, in der wir immer die aktuell wichtigen Leute genommen haben. Dann hatten wir letztendlich immer eine Frau, nach der wir sehr lange gesucht haben. Nur dadurch, dass wir uns eine 50%-Quote verordnet haben, kommen wir jetzt zumindest auf 40%. Wenn man sich das nicht tatsächlich vornimmt, dann passiert es auch nicht von allein. Das gilt für die Besetzung von Posten, die Sichtbarkeit in Medien und die ausgewählten Expertinnen und Experten.

medianet:
Was wäre Ihr Wunsch für den österreichischen Journalismus als Ganzes?
Milborn: Wir stehen in Österreich unter Druck von den Silicon Valley-Unternehmen und China. Dort wird unendlich viel Werbegeld und Aufmerksamkeit abgesaugt. Angesichts dessen glaube ich, dass wir in Österreich die Konkurrenz sehr stark zurückschrauben und mehr kooperieren müssen. Wir haben immer so einen Gartenzwergkrieg zwischen den verschiedenen Printzeitungen, zwischen Print und Online, zwischen öffentlich-rechtlich und kommerziell ... Meiner Erfahrung nach ist Konkurrenz sehr fruchtbar und nimmt niemandem was weg, sondern erweitert insgesamt den Markt.

medianet:
Ihre neue Sendung ‚Milborn' startet mit Montag auf Puls 24. Worum wird es gehen?
Milborn: Es wird eine Gesprächssendung zum Thema Politik. Mein Plan ist es, immer eine Politikerin oder einen Politiker zu interviewen und mit zwei weiteren Gästen, die inhaltlich in dieser Woche interessant sind, man jedoch in einer Konfrontationssendung nicht sehen würde, zu sprechen. Also zum Beispiel Buchautorinnen, Regisseurinnen, Wissenschaftlerinnen oder Aktivistinnen.

medianet:
Bei dem Journalistinnenkongress geht es auch um das Thema Aktivismus und Objektivität im Journalismus. Kann Frau Aktivistin und Journalistin sein?
Milborn: Ja, natürlich geht das. Man kann Feministin und alles sein. Ich glaube sogar, dass es eine Grundvoraussetzung ist, feministisch zu denken, um Erfolg zu haben, ganz gleich in welchem Bereich. Denn um als Frau Erfolg zu haben, müssen die patriarchalen Muster durchbrochen werden und da gehört eine feministische Grundhaltung dazu.

Ich kann verstehen, dass sich Frauen nicht als Feministinnen zu erkennen geben wollen, da es innerhalb dieses Systems manchmal einfacher ist, sich an die Spitze durchzuwurschteln, ohne zu sehr auf die Missstände hinzuweisen. Aber in Wirklichkeit sind das auch feministische Kämpferinnen. (nri/ls)

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