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JoKo 2017: Democracy first © Journalistinnenkongress/APA-Fotoservice/Reither

Kongress Am 7. November fand im Wiener Haus der Industrie der Journalistinnenkongress statt.

© Journalistinnenkongress/APA-Fotoservice/Reither

Kongress Am 7. November fand im Wiener Haus der Industrie der Journalistinnenkongress statt.

Gianna schöneich 10.11.2017

JoKo 2017: Democracy first

Am 7. November fand der Journalistinnenkongress (JoKo) 2017 im Haus der Industrie statt.

••• Von Gianna Schöneich

WIEN. Im Vorjahr, am Tag des Journalistenkongresses 2016, erwachte die Welt mit einem neuen amerikanischen Präsidenten – Donald Trump wurde gewählt. Damals herrschte Bestürzung bei den Kongressteilnehmerinnen. Heuer schockiert die Teilnehmerinnen kein Wahlausgang, es ist die #metoo-Kampagne, die am Abend der Medienlöwinnen-Gala thematisiert wurde.

Die Verhaftung, Verfolgung und Ermordung von Journalisten auf der ganzen Welt war das Thema und das Motto des Kongresses „Democracy first”, der am 7. November stattgefunden hat.
„Der hohe Preis der Pressefreiheit” war Thema des ersten Panels. Die ehemalige OSZE-Beauftragte Dunja Mijatovic verdeutlichte den Einfluss der Politik auf die Medienfreiheit. „What we need is more journalism then before”, so Mijatovic. Sie sprach u.a. über die Drohungen, die Journalistinnen erfahren würden, und appellierte an Politik und Medienhäuser, Verantwortung zu übernehmen. Schon im Februar forderte ­Mijatovic mehr Schutz für die Journalistin Daphne Caruana Galizia. ­Mijatovic wurde ignoriert, Galizia ermordet.

Ohne Beweise

Die Situation von Journalisten in der Türkei beleuchtete Banu Güven: „Die Türkei ist das größte Journalistengefängnis der Welt.” Über die Vorwürfe seitens der Staatsanwaltschaft an Journalisten erklärte sie, diese seien stark und schwer, jedoch ohne Beweise. Laut Güven seien 90% der Printmedien in der Türkei regierungsnah. Dennoch gäbe es einzelne Websiten, die versuchen, Druck und Widerstand auszuüben.

Einen Blick auf Zahlen und Fakten warf Maria Parnegger von MediaAffairs; laut ihr ist die finanzielle Bedrohung der Medienhäuser ein Grund, vermehrt über Themen zu berichten, „die ziehen”.
Unter dem Titel „Wo hört Journalismus auf und wo fängt Propaganda an?” diskutierten Isabell Daniel (oe24), Nadja Hahn (Ö1-ORF), Nina Horaczek (Falter), Doris Vettermann (Krone) unter der Moderation von Anna-Maria Wallner (Die Presse). „Politiker haben schon immer versucht, uns Journalisten zu beeinflussen. Es hat sich allerdings in den letzten Jahren die Erregungskurve verändert”, erklärte Horaczek: „Wir erregen uns zu Tode.”
Daniel wandte sich der Rolle der Medien zu: „Medien können Trends verstärken oder abschwächen, aber keine Trends setzen.”

Workshops & runde Tische

Neben weiteren Vorträgen zu „Mut und Unerschrockenheit” wurden auch heuer Workshops angeboten. Diese beschäftigten sich mit den Themen „What good is Twitter & Co”, „Machtwort: bewerten – umwerten – abwerten”, „Investigativer Journalismus” und „Verborgene Stories: Schätze im Datenberg”.

An Round Tables wurde im Anschluss jeweils eine Top-Medienfrau, u.a. Kathrin Zechner, Euke Frank oder Uschi Pöttler-Fellner, von Jungjournalistinnen interviewt. Der Tag endete mit einem Ausblick auf 2018 und ­einem Get-together. Am Abend zuvor wurden die Medienlöwinnen verliehen: Gold ging an Ö1-Journalistin Gabriele Waldner-Pammesberger, Elisabeth Gamperl und Pia Ratzesberger erhielten die Silberne Medienlöwin. Eine Medienlöwin erhielt die Plattform „Frauen im ORF”.
Siehe auch Seite 28

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