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„Seismograf der Medienlandschaft” © APA / Robert Jäger
© APA / Robert Jäger

Redaktion 16.09.2022

„Seismograf der Medienlandschaft”

RTR-Geschäftsführer Wolfgang Struber will die größtmöglichen Transparenzkriterien für Förderentscheidungen entwickeln und vor allem den Schwerpunkt auf Medienkompetenzangebote legen.

WIEN. Mit 1. September 2022 hat Wolfgang Struber seine Funktion als RTR-Geschäftsführer angetreten. Nun möchte er dem Medienmarkt starker Partner sein, Medienkompetenzangebote intensivieren und auch „größtmögliche Transparenz” für die Vergabe von Fördermitteln entwickeln. Ein mit 54 Mio. € gefüllter Fördertopf – die Digitalisierungsförderung – wird heuer erstmals von der RTR ausgeschüttet. Die Nachfrage überstieg die Fördermittel, sagte Struber am Dienstag.

Förderprozess im Laufen

Am 22. August verstrich die Möglichkeit, Anträge für die neue Digitalisierungsförderung zu stellen. Sie soll den Auf- und Ausbau des digitalen Angebots in der heimischen Medienlandschaft unterstützen. Bis 22. November fällt laut Struber die Entscheidung, wer die Fördergelder erhält.

Die Auszahlung erfolgt dann „so schnell wie möglich”. Dabei fließen heuer noch mehr als doppelt so viele Fördermittel aus der Digitalisierungsförderung an Medienunternehmen als in den kommenden Jahren – regulär ist der Fördertopf mit 20 Mio. € dotiert.
„Ob die Höhe richtig oder falsch ist, ist nicht meine Entscheidung”, verwies Struber auf die Regierung.
Er nehme sich jedenfalls vor, die getroffenen Förderentscheidungen bestmöglich zu kommunizieren. Wie genau das dann aussieht, konnte er noch nicht beantworten. Die Kriterien werden derzeit erarbeitet. Diskussionsprotokolle aus Beiräten, die Struber in seiner Förderentscheidung beraten, kommuniziert die RTR künftig aber wohl kaum. Die dort geführten Diskussionen unterliegen einer „gewissen Vertraulichkeit” und dienten auch dem Schutz der Beiräte, sagte der neue RTR Medien-Geschäftsführer, der ab 2001 Radio Arabella aufbaute und das Unternehmen bis vergangenen Juli lenkte. „Nicht jedes Protokoll ist dazu geeignet, in die Medien zu gelangen.”
Erleichtert werden soll den Medien und damit auch der Gesellschaft der Durchblick bei den Inseratenvergaben. „Ich denke, es ist ein Gebot der Stunde, auch Inserate, die durchaus legitim sind, klar und transparent darzulegen”, meinte Struber. Derzeit ist es nur mit erheblichem Aufwand möglich, die Daten der Medientransparenzdatenbank auszuwerten und somit zu eruieren, wo die öffentliche Hand wie viel inserierte. Auch müssen Inserate unter 5.000 € pro Quartal wie auch Buchungen in Medien, die seltener als vier Mal pro Jahr erscheinen, nicht gemeldet werden. Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) kündigte bereits vor geraumer Zeit eine Neuordnung von Medienförderungen und Inseratenschaltungen an. Dabei solle auch die Medientransparenzdatenbank reformiert werden.

Thema Kompetenzzentrum

„Intensiv” möchte sich Struber dem Angebot des von der RTR betriebenen Kompetenzzentrums widmen. Zahlreiche Projekte sollen präsentiert werden, denn es gelte, den Umgang mit den (Sozialen) Medien zu erlernen und zu verbessern. So sollen etwa Informations- und Diskussionsveranstaltungen von der RTR durchgeführt werden, kündigte der 48-Jährige an.

Ein großes Anliegen ist dem „glühenden Verfechter” des Übertragungsstandards DAB und eifrigen Radiohörer die Versorgungssicherheit und terres­trische Antenne. Diese erreiche viele Menschen in Österreich, was auch so bleiben solle, um etwa Berichterstattung im Falle eines Blackouts aufrechterhalten zu können, so Struber. Die Zukunft des terrestrischen Rundfunks ist aber gefährdet. Denn bei der Weltfunkkonferenz 2023 steht die exklusive Nutzung des sogenannten UHF-Spektrums von 470 bis 694 MHz ab 2030 zur Debatte. (APA/fej)

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