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Smarte Komposition © Huawei

Vollendete „Unvollendete”: Mit menschlicher Hilfe hat Künstliche Intelligenz Schuberts Sinfonie zu Ende komponiert

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Vollendete „Unvollendete”: Mit menschlicher Hilfe hat Künstliche Intelligenz Schuberts Sinfonie zu Ende komponiert

herbert hirner 26.04.2019

Smarte Komposition

Künstliche Intelligenz schreibt radiotaugliche Popmusik und hat Schuberts legendäre „Unvollendete” vollendet.

••• Von Herbert Hirner

LONDON. Knapp 500 Gäste durften Anfang Februar in der Londoner Cadogan Hall einer Weltpremiere lauschen: Am Sitz des weltberühmten Royal Philharmonic Orchestra wurde Franz Schuberts „Unvollendete” gegeben. Spektakulär daran war, dass die Sinfonie in h-Moll 759 D in vier Sätzen gespielt wurde, also als „Vollendete”. Die Noten der beiden fehlenden Sätze waren mithilfe Künstlicher Intelligenz auf einem Smartphone des chinesischen Telekommunikationskonzerns Huawei entstanden. Die Software hatte Klangfarbe, Tonhöhen und Takte der beiden vorhandenen Sätze und anderer Werke des Komponisten analysiert. Derart „ausgebildet”, produzierte sie viele kleinere Musik-Fragmente, aus denen der Filmkomponist Lucas Cantor schließlich eine Orchester-Partitur arrangierte. Die musikalische Qualität des Ergebnisses wurde zwar durchaus unterschiedlich beurteilt; es zeigt sich aber, dass der Trend, Algorithmen ans Notenblatt zu lassen, auch vor ehrwürdiger „alter” Musik nicht halt macht.

Im beschwingteren Pop-Genre bedient man sich ja schon länger technischer Unterstützung. Hier nutzt man auch bereits Songwriting-Assistenten, wie die Software Amadeus Code, die es auch als App für iOS-Geräte gibt. Die Zugänge sind hier wesentlich pragmatischer. Für Amadeus Code-Erfinder Jun Inoue steht Künstliche Intelligenz auf einer Stufe mit Musik-Tools wie Samplern oder Drum-Computern.

Reproduzierbare Muster

Erfolgreiche Muster erkennen und reproduzieren kann nicht nur Künstliche Intelligenz. Um zu zeigen, wie standardisiert und austauschbar deutsche Popsongs sind, trug der deutsche Satiriker Jan Böhmermann Werbeslogans, Kalendersprüche, Texte aktueller Popsongs und Tweets zusammen, die fünf Schimpansen dann zufällig aneinanderreihten; der daraus entstandene Song „Menschen Leben Tanzen Welt” schaffte es 2017 immerhin auf Platz 10 der deutschen Single-Charts – ganz ohne (Künstliche) Intelligenz ...

Fest steht, dass Algorithmen auch in der Musik zunehmend Einfluss auf die Inhalte nehmen. Ob sie dabei allerdings beim kreativen Part punkten werden, wird sich zeigen.

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