MARKETING & MEDIA
„Walkshops” statt Workshops © Johanna Fuchs

Für Retroperspektiven geht Imran Rehman gern auf die Praterallee, für innovative Gedanken ins MuseumsQuartier, denn dort trifft Altes auf Neues.

© Johanna Fuchs

Für Retroperspektiven geht Imran Rehman gern auf die Praterallee, für innovative Gedanken ins MuseumsQuartier, denn dort trifft Altes auf Neues.

Redaktion 12.03.2021

„Walkshops” statt Workshops

Imran Rehman berät auf gemeinsamen Spaziergängen seine Kunden zu Strategien und Unternehmenskultur.

WIEN. Wenn Imran Rehman Workshops macht, dann finden sie oft im Gehen statt. Walkshops nennt sich das. Seit 15 Jahren spaziert Rehman mit Teams und Führungskräften – manchmal stundenlang und manchmal als Auftakt für einen Indoor-Workshop. Dabei besprechen sie Themen wie Innovation, Strategie – und vor allem Teamwork. „Gehen bringt alle auf Augenhöhe, und das Gehirn kommt zum Einsatz”, sagt der geborene Brite, als er die Praterallee entlanggeht.

Spazieren und Sicherheit

„Oft kommen Firmen und sagen: ‚Wir brauchen eine neue Kultur.' Sie merken, dass das Arbeitsklima nicht passt und Teams in keinen Flow kommen.” Laut dem Job Satisfaction Index, einer Studie von SavoyStewart, finden sich toxische Unternehmenskulturen besonders in der Marketing- und Digital Media-Branche. Kein anderer Bereich schneidet so schlecht ab, wenn es um Mobbing oder interne Intrigen geht. Rehman hat die Erfahrung gemacht, dass sich das unterwegs eher ändert als im Seminarraum: „Seit über 1.000 Jahren entstehen Freundschaften im Gehen.” Auf den Walkshops legen seine Kunden mit ihm zwischen drei und zwölf Kilometern zurück, trauen sich, Fragen zu stellen und Themen anzusprechen, an die sie sich sonst nicht wagen.

„Alle Teams machen das Gleiche, aber high-performing Teams denken anders. Sie haben ‚psychological saftey', ein Vertrauen innerhalb der Gruppe”, erklärt Rehman. Mitarbeiter brauchen diese Sicherheit gegenüber ihren Kollegen und Vorgesetzten, um zu lernen, zu hinterfragen und neue Ideen einzubringen. Aktuell kann man Rehman zu diesem Thema auch mit Bettina Schatz von willhaben in einem Podcast für Strategie Austria sprechen hören.
Vor sechs Jahren ist der 51-jährige Rehman mit seiner Familie nach Wien gezogen, er selbst ist in London aufgewachsen. Die ersten Jahre in Österreich hat er vor allem international gearbeitet. Walkshops haben schon in Kopenhagen, Paris, Amsterdam und in London stattgefunden – aber in Wien war es viel schwieriger, Fuß zu fassen. Seit zwei Jahren geht es aufwärts und durch die Covid-19-Pandemie sind Outdoor-Workshops und Coachings besonders gefragt.
Neben der Organisation von Walkshops für unterschiedliche Unternehmen aus dem Medien- und Finanzbereich, aber auch anderen Branchen, hat Rehman auch das Unternehmen Kokoro mitgegründet. Auch hier setzt er sich mit Unternehmenskultur auseinander und sammelt relevante Daten, um Emotionen in Strukturen zu messen und Teams und Führungskräften dabei zu helfen, diese zu integrieren.

Jahresevent wird Spaziergang

Als er auf den Campus der WU Wien abbiegt, sagt er: „Leaders in a complex environment focus too much on the individuals and not on the interactions. That is where performance improves.”

Mit den Walkshops konnte Rehman auch schon Menschen in Führungspositionen dazu inspirieren, jährlich Spaziergänge mit ihren Mitarbeitern zu unternehmen. Eine gute Führungskraft zeichnet sich in seinen Augen durch zwei Qualitäten aus: „They are painfully kind and do the small things well consistently.” (red)

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