PRIMENEWS
Druckerei Berger startet in die nächsten 150 Jahre © Druckerei Berger/Alrun Anraschek
© Druckerei Berger/Alrun Anraschek

Paul Christian Jezek und Chris Radda 14.12.2018

Druckerei Berger startet in die nächsten 150 Jahre

Das Horner Familienunternehmen hat massiv in neue ­Drucktechnologie investiert und will weiter wachsen.

••• Von Paul Christian Jezek und Chris Radda

Gegründet wurde die Druckerei Ferdinand Berger & Söhne GmbH 1868 in Horn von Ferdinand Berger I und befindet sich seit damals ununterbrochen im Familienbesitz – und das wird sich auch im 151. Jahr nicht ändern.

Auf der Basis von Handschlag­qualität, Kontinuität und Verlässlichkeit hat es das Unternehmen immer wieder ge­schafft, zukunftsorientierte Technologien zu erkennen und sie kundenorientiert einzusetzen. Mit medianet-Gründungsherausgeber Chris Radda diskutierten ­Peter Berger (sen.) und Peter Berger jun. über Arbeitsplätze, moderne Maschinen und die Zukunft der Branche.


medianet:
War 2018 für die Druckerei Berger ein gutes Jahr?
Peter Berger sen.: Unser Jubi­läums­jahr brachte jedenfalls eine Menge Herausforderungen, vor allem infolge großer Investitionen, deren letzte eine Komplett­automatisierung der Plattenkopie war. Damit sind wir in Österreich – ob Bogen oder Rolle – die modernst eingerichtete Druckerei.

Ein weiteres Beispiel ist eine sündteure ­Papierabsaugeanlage mit mehr Leistungsfähigkeit, um sowohl bei den Rotationsmaschinen als auch in der Endfertigung die Beschnittränder abzusaugen. Die Maschinen werden schneller, somit fällt mehr Beschnittmaterial an und das müssen auch die Papierabsaugeanlagen verarbeiten, wegbringen und automatisch in Presscontainer befördern.

Peter Berger jun.: Zum Investitionspaket in Millionenhöhe zählen auch Österreichs leistungsfähigste und modernste Endfertigungsstraße für die Zeitschriftenproduktion, sowie die modernste Achtfarbenmaschine auf dem aktuellsten Stand der Technik.

medianet:
Sie gehen also mit einem guten Gefühl durch Ihr Unternehmen?
Berger sen.: Ja, und zwar ­jeden Tag! Modernste Produktion unter einem Dach vom Digitaldruck über Bogen- und Rollenoffset bis hin zur industriellen Endfertigung mit hoher Leistungsfähigkeit sind schon große Vorteile für unsere Kunden.

Wir spielen da in einer besonderen Liga mit. Derzeit sind wir mit Rollen- und Bogenoffset die zweitgrößte Druckerei in Österreich.

Berger jun.: Wir sind da schon ein bisschen das ‚gallische Dorf', und es gibt durchaus Kunden, die uns als heimisches Familien­unternehmen wahrnehmen und schätzen. Verlässlichkeit ist wichtig – ein sicher nicht unwesentlicher Faktor für eine harmonische und beständige Geschäftspartnerschaft.

medianet: Was sehen Sie als wichtigsten Wettbewerbsvorteil?
Berger jun.: Wir sind die einzige Druckerei in Österreich, die Bogen- und Rollenoffset und auch Digitaldruck unter einem Dach offerieren kann.

Ein Bogendrucker wird natür­lich immer seine Maschinen empfehlen und ein Rollendrucker ebenso. Die Druckerei ­Ferdinand Berger & Söhne kann ganz ehrlich und objektiv und vor allem glaubhaft Empfehlungen aussprechen. Für Kunden ist es wichtig, dass mehrere Möglichkeiten bzw. Kombinationen und auch Farbabstimmungen möglich sind – man kann von einem Saal in den anderen gehen, vom Bogen- zum Rollenoffsetdruck, also von den Umschlägen oder Beilagen zur Hauptproduktion.


medianet:
Und wie ist es vom Vater zum Sohn ‚gegangen'?
Berger sen.: Vor sieben Jahren bin ich anlässlich meines runden Geburtstags aus der Geschäftsführung ausgestiegen.

Ich bin jetzt ‚nur mehr' ‚mittätiger Gesellschafter'. Die Firma wird geführt von der fünften Generation, das ist mein Sohn Peter sowie der Sohn meines Bruders, Ferdinand. Und ich versuche, den beiden möglichst wenig lästig zu sein und arbeite sozusagen zweite Reihe fußfrei.


medianet:
Im letzten Jahrzehnt wurde viel vom digitalen Hype gesprochen; nun spüren wir eine deutliche Rückbesinnung auf Print, auch im Werbemarkt – Sie auch?
Berger jun.: Klassischer Rollen- und Bogenoffsetdruck steigt sicher. Es gibt diesen Rückenwind und auch mehr Selbstvertrauen; die Kunden wollen gedruckte Magazine, und viele Inserenten gehen wieder mehr in die klassische Werbung, weil man das (wieder) besser verkaufen kann. Apps sind zusätzliche Goodies, aber schließlich wird mit der ‚old-print'-Version Geld verdient.
Berger sen.: Sie selbst, Herr Radda, agieren ja als Verleger sowohl im Printbereich wie auch als Verfechter der digitalen Schiene. Generell ist der Hype von Internetwerbung als Allheilmittel jedenfalls vorbei, da gibt es eine Ernüchterung.

Die Verlage und auch die Inserenten tendieren stärker zur Werbung in Print und damit zu allen Vorzügen von Print. Das ist auch sehr gut spür- und erkennbar, wenn man die Anforderungen des Marktes betrachtet.


medianet:
Neuerdings werden ja auch wieder Magazine gegründet …
Berger sen.: Beachtlicher zusätzlicher Schwung ist dadurch entstanden, dass Tageszeitungen mehr Attraktivität benötigen und Specials publizieren, die alle im hochqualitativen Heatset-Rollenoffset produziert werden. Das ist eine merkliche Bele­bung der Branche; unsere Durchschnittsauflage liegt nach wie vor zwischen 30.000 und 50.000 Exemplaren pro Magazin.
Berger jun.: Wir drucken etwa 450 verschiedene Zeitschriftentitel. In den vergangenen Jahren wurde verschiedentlich mit ­kleineren Auflagen versucht, regional zu punkten. Man muss nur in den Kiosken und Bahnhöfen schauen, was man da alles an gedruckten Magazinen findet. Das ist allgemein beein­druckend!

Übrigens zeigt sich auch der Katalogsektor – der ja schon totgesagt wurde – absolut stabil. Das sind teils dicke Schmöker, Soft- und Hardcover, mit Registerstanzung, etc., da wird nach wie vor auf Print gesetzt – trotz iPad und iPhone.


medianet:
Haben Sie auch Kunden jenseits unserer Grenzen?
Berger jun.: Wir sind im bayrischen Raum und in der Schweiz ebenso wie in Südtirol vertreten. Die D-A-CH-Region decken wir also gut ab.

medianet:
Ist denn die Konsolidierungswelle aus Ihrer Sicht bereits beendet?
Berger jun.: Da muss man zwischen Bogen- und Rollendruckern unterscheiden. Ich bin seit mehr als zwei Jahrzehnten im Unternehmen, damals gab es 16 Rollenbetriebe, jetzt sind es drei. Im Bogendruck wurden viele Betriebe fusioniert. Vermutlich wird es beim aktuellen Stand von ca. 9.000 Mitarbeitern in der Branche nicht bleiben, es werden noch einmal weniger werden, dann wird es jedoch stabil bleiben.
Berger sen.: Wir brauchen mehr Drucker und nicht weniger, weil wir mehr Output haben als vor einigen Jahren. Aber grundsätzlich wird noch mehr automatisiert, z.B. bei uns in der neuen Druckvorstufe bzw. in der Plattenherstellung. Da merkt man eindeutig, dass mit weniger Personal das Auslangen gefunden werden kann, was natürlich auch ein Rationalisierungseffekt ist.

Das heißt aber nicht, dass wir Mitarbeiter freistellen, sondern wir setzen sie andernorts ein, wie z.B. in der Endfertigung, im Expedit, im Lager, etc.


medianet: Wird Ferdinand Berger & Söhne auch 2019 wachsen?
Berger jun.: Unser Wirtschaftsjahr währt noch bis Ende März und wir hoffen, dass wir trotz des schwierigen Marktumfelds weiter wachsen werden.
Berger sen.: Jetzt heißt es, die letzten Investitionen, die viel Geld beansprucht haben, ins Rennen zu bringen. Da sind wir auf einem sehr guten Weg und können den Kunden noch mehr Flexibilität und Qualität bieten.
Berger jun.: Wir können auch intern dank sehr motivierter und bestens qualifizierter Mitarbeiter zulegen – auch im 151. Jahr.

Mehr zum Thema Papier, Druck & Packaging lesen Sie ab S. 31.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL