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Weniger „Schnapsideen”, bitte!
29.04.2015

Weniger „Schnapsideen”, bitte!

Industriellenvereinigung Konjunkturbarometer verbesserte sich von 14 auf 18 Punkte, Österreich hinkt Europa aber weiterhin hinterher

IV-Generalsekretär Neumayer: „Das Entstehen von Arbeitsplätzen ermöglichen und nicht behindern”.

Wien. Die guten Nachrichten an den Anfang: Der Stellenabbau in der 660.000 Beschäftige schweren heimischen Industrie werde sich nicht fortsetzen, bekräftigte Chefökonom Christian Helmenstein am Dienstag bei der Präsentation des Konjunkturbarometers der Industriellenvereinigung (IV). Die Stagnation jedoch, in der Österreich sich festgefahren hat, bleibe noch auf weitere Sicht erhalten. Die österreichische Wirtschaft befinde sich weiterhin „auf der konjunkturellen Kriechspur”, brachte es IV-Generalsekretär Christoph Neumayer auf den Punkt. Im Gegensatz zu Resteuropa, wo sich das konjunkturelle Gesamtbild schon seit einiger Zeit aufhelle, sei von einer Belebung in Österreich nach wie vor nichts zu spüren.

Raus aus der Lethargie

Die „konjunkturelle Lethargie” dürfe zudem nicht „durch fortgesetzte standortpolitische Schnapsideen (gemeint sind die sechste Urlaubswoche für alle und eine Wertschöpfungsabgabe, Anm.) noch verstärkt werden”. Neumayer: „Wir brauchen Rahmenbedingungen, die das Entstehen von Arbeitsplätzen ermöglichen und nicht behindern.”
Das IV-Konjunkturbarometer hat sich im März im Vergleich zur letzte Umfrage vor drei Monaten nur leicht von 14 auf 18 Punkte verbessert, liegt aber um 8 Zähler unter dem Wert vor einem Jahr. Makroökonomisch habe sich viel getan, der Euro habe massiv abgewertet, der Ölpreis sei gefallen, das Zins-umfeld habe sich verbessert und „dennoch hinken wir 2014 hinterher”, so Helmenstein. Dies unterstreiche die Einschätzung, dass vor allem „Austriaca” die konjunkturelle Schwäche bedingen.
Das IV-Konjunkturbarometer basiert auf einer Umfrage unter Unternehmen und wird vierteljährlich veröffentlicht. Es wird durch einen Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt.
Dass der Beschäftigungsabbau zurückgeht, ist nach Auffassung der IV allein der besseren Erwartungshaltung für die nächsten Monate zuzuschreiben. „Die Betriebe horten qualifizierte Mitarbeiter für den Fall einer Dynamisierung”, sagte Helmenstein. Die Industrie-unternehmen würden dafür sogar geringere Erträge in Kauf nehmen. Sie erwarten, dass in den nächsten drei Monaten mehr produziert wird. Der saisonbereinigte Wert für die Produktionstätigkeit stieg dementsprechend zum Vorquartal von 4 auf 10 Punkte.

Weiter hoher Preisdruck

Während sich die Stimmungslage auf Sicht eines halben Jahres somit etwas aufhellt, ließen sich aus der Entwicklung der Auftragsbestände nach wie vor keine Hinweise auf eine Dynamisierung des Geschäftsgangs ableiten. Die Gesamtauftragsbestände verharren nun schon seit einem Jahr auf einem mäßigen Niveau (Saldo +28 Punkte nach +30 Punkten im Vorquartal). Trotz der Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung und der daraus resultierenden absatzseitigen Preisvorteile bilde sich der Saldo der Auslandsaufträge sogar auf einen Wert von +27 Punkten nach zuvor +31 Punkten zurück.
Unverändert ist die Situation bei den Verkaufspreisen; hier schlagen sich, schreibt die IV in einer Aussendung, nach wie vor die international weiterhin vorhandenen Überkapazitäten in einem äußerst hohen Preisdruck nieder (Saldo von 12 Punkten nach –14 Punkten im Vorquartal).
An der jüngsten Konjunkturumfrage der IV beteiligten sich 411 Unternehmen mit rd. 244.700 Beschäftigten. (red/APA)

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