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Ein Immobilien-Entwickler mit einem „Herz-Traum” © PeopleShare Foundation
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18.09.2015

Ein Immobilien-Entwickler mit einem „Herz-Traum”

Erfolgreich und beseelt vom unternehmerischen Tun mit sozialer Ader: Immobilien-Veteran Hermann Rauter zeigt, wie das geht.

••• Von Kurt Sattlegger

WIEN. Eigentlich ist es naheliegend: Ein wesentlicher Umstand, der allen in der Flüchtlingskrise zu schaffen macht, sind die fehlenden Unterkünfte. Wer könnte daher besser Abhilfe schaffen, als die Immobilienbranche selbst? Hermann Rauter, in der Branche seit 25 Jahren aktiv, macht jetzt genau das: Er startet ein Projekt, bei dem Flüchtlingsfamilien vorübergehend leer stehende Wohnungen zur Verfügung gestellt bekommen.

Branchenkollegen vermitteln ihm strategische Leerstände – allerdings unter einer Bedingung: Rauters Unternehmen, die Herztraum Immobilientreuhand GmbH, übernimmt die Haftung und garantiert dafür, dass die Flüchtlinge wieder ausziehen, wenn der Eigentümer die Wohnung braucht. Das ganze basiert unter dem Titel einer unentgeltlichen Überlassung. 30 bis 50 Familien will Rauter vor dem Winter auf diese Weise mindestens unterbringen.

Großer Erfolg, Ernüchterung

Das soziale Engagement des Immobilienentwicklers ist nicht neu, es ist vielmehr – und das ist das besondere dran –, in seinem Unternehmen institutionalisiert. 50% seiner Projektgewinne gehen direkt in eine gemeinnützige Stiftung, die Hilfsprojekte durchführt.

Begonnen hat Rauters ungewöhnliche Ausrichtung 2010 mit einer Zielerfüllung und der darauf folgenden Unzufriedenheit. Jahrzehnte davor war der gebürtige Kärntner ohne Geld nach Wien gekommen, hatte aber einen Plan: Viel arbeiten, viel Geld verdienen und glücklich sein. Und so brachte er im Laufe der Jahre eine Reihe von Immo-Projekten zum Laufen. Er ist Mitbegründer und nach wie vor Miteigentümer der online-hausverwaltung und von vienna immobilien. Ziele erfüllt – die Zufriedenheit blieb aus. „Ich wollte nicht mein ganzes Leben weiter dem Geld nachlaufen.” Also machte er einige Zeit gar nichts, was sich aber als noch unbefriedigender herausstellte.

Das Glück, helfen zu können

Bis er die Lösung für sein Motivationsproblem fand: Er stieg wieder kräftig als Immoblienentwickler ein, die Hälfte des erzielten Gewinns geht aber fix in seine gemeinnützige Stiftung. Damit werden soziale Projekte verwirklicht, in denen es immer um Kinder geht. Jetzt konnte er wieder mit voller Motivation den Kaufmann leben, mit dem nachhaltigen Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Rauter spricht vom tiefen Glück, das man erfährt, wenn man anderen helfen kann, etwa jenen syrischen Kindern, denen er Winterkleidung brachte. Die persönliche Übergabe war notwendig wegen der steuerlichen Auflagen. Zehn Prozent seines Firmengewinns kann er steuerfrei an die Stiftung spenden, für die restlichen Zuwendungen sind 25% Steuer fällig. Die Stiftung muss aber penibel nachweisen, dass die Mittel bei den Begünstigten ankommen. Etwa ein Viertel des Stiftungsgelds stammt bereits von anderen Spendern, großteils Branchenkollegen.

Geschäfte mit sozialer Note

Rauter entwickelt weiter Luxusimmobilien. In letzter Zeit wurde seine Objektentwicklung aber von der sozialen Ausrichtung seiner Stiftung beeinflusst. Und da stelle sich heraus, dass beides unmittelbar vereinbar ist: gute Immo-Geschäfte mit sozialer Note.

So entwickelt er gerade am Hauptbahnhof ein Projekt mit kleinen Mietwohnungen für Alleinerziehende – ein normales kaufmännisches Projekt, so Rauter, aber mit einem sozialen Zusatznutzen: Im Erdgeschoß sind kinderfreundliche Gemeinschaftsräume untergebracht, Kinder können hier gemeinsam spielen oder z.B. von Therapeuten betreut werden, ohne dass sie quer durch die Stadt fahren müssen. Für die Eltern gibt das mehr Freiraum. Es rechnet sich wie normale Mietwohnungen, so Rauter, halt mit einem Zehntelprozentabschlag bei der Rendite, der aber gern, auch von anderen Investoren, in Kauf genommen wird.

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